"Es ist a Schaß"

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Neuper: "Auf gut deutsch gesagt: Es ist a Schaß"

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Der Wind, der Wind, das teuflische Kind.

Das Skiflug-Weltcup-Wochenende am Kulm ging früher zu Ende als gedacht.

Aufgrund widriger Wetterverhältnisse war am Sonntag an keinen Bewerb zu denken, die Athleten mussten ohne Einsatz wieder abreisen.

Durch die Finger schauten auch die Zuschauer, die trotz Regen, Wind und Kälte nach Bad Mitterndorf gereist waren, um Stefan Kraft, Michael Hayböck und Co. lautstark zu unterstützen.

Immerhin gelang es den Veranstaltern, am Samstag einen Wettkampf zu veranstalten, in dem Skiflug-Weltmeister Severin Freund triumphierte.

LAOLA1 lässt das Wochenende in der Steiermark noch einmal Revue passieren und präsentiert die wichtigsten Erkenntnisse:

 

Felix, der Schreckliche

Gegen den Wettergott ist selbst "Mr. Kulm" Hubert Neuper mit seinem Team machtlos. "Auf gut deutsch gesagt: Es ist a Schaß", erklärte der ehemalige Weltklasse-Springer, nachdem er die Absage am Sonntag offiziell bekanntgeben musste. Dabei hatten die Veranstalter alles Menschenmögliche versucht, um auch am zweiten Bewerbstag einen Wettkampf zu veranstalten.

Nachdem Sturmtief "Felix" die Anlaufspur zerstörte, wurde eine neue errichtet. Zu starke Windböen machten allen Beteiligten dennoch einen Strich durch die Rechnung. "Das Team ist an seine Grenzen gestoßen. Als wir in der Früh herkamen, sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen", erklärte Neuper, um allen Helfern ein großes Lob auszusprechen.

 

Unverwüstliche Fans

2.000 Zuschauer kamen zum Einweihungsflug von Gregor Schlierenzauer, 6.000 ließen sich die Qualifikation nicht entgehen. 20.000 Leute freuten sich vor Ort über den zweiten Platz von Stefan Kraft am Samstag und selbst am Absage-Sonntag waren 5.240 Menschen an der Schanze und hofften auf ein Einsehen des Wetter-Gottes.

"Die Kulm-Fans sind die besten der Welt", erklärte Martin Koch gegenüber LAOLA1 nicht von ungefähr. Generell zeichnet Wintersport-Begeisterte große Leidensfähigkeit aus, denn die Zahl der Absagen ist vor allem dieser Tage beträchtlich.

 

Weg mit dem Dreck

Es war kein schöner Anblick, den das Areal rund um die Schanzenanlage bot. Schlamm und Matsch dominierten, die für diese Jahreszeit viel zu hohen Temperaturen und der Dauerregen ließen auch das letzte bisschen Schnee schmelzen.

"Wir müssen uns überlegen, wie wir bei so einem Wetter mit dem Dreck umgehen", blickt Neuper daher auch schon in Richtung Heim-Weltmeisterschaft 2016. Ein Lösungsansatz besteht darin, Depots mit Hackschnitzeln anzulegen. Kleine Teile des Areals wurden damit am Sonntag bereits bedeckt, im kommenden Jahr könnte die gesamte Fläche bestreut werden. Diese Lösung birgt jedoch wieder eine Gefahr: "Wenn es kalt ist, wird es rutschig."

 

Das Kreuz mit der Flughöhe

Ein weiterer Punkt, der die Organisatoren beschäftigt, ist die enorme Flughöhe - die Flugbahn ist aus Athletensicht zu hoch. "Warum, das weiß ich nicht, da waren Experten am Planen", rätselte auch Neuper. Was zählt, ist, dass die Gefahr für die Springer zu groß ist.

"Wir sind am Prüfen, den Vorbau um zwei, drei Meter anzuheben." Die Kosten für eine Adaptierung seien gering, zudem ergebe sich für den Kulm dadurch ein kleiner Vorteil. Aufgrund der längeren Wegstrecke wären die Flüge automatisch zwei, drei Meter weiter.

 

Wie weit geht es?

Die spannendste Frage vor der Premiere am neuen Kulm beantwortete Severin Freund. Der Deutsche, seines Zeichens Skiflug-Weltmeister, gewann erstmals auch im Weltcup in dieser Disziplin und zeigte bereits im Training, dass er der Stärkste ist.

Mit 237,5 Metern präsentierte der 26-Jährige den Fans den weitesten Flug von allen und verpasste den Weltrekord des Norwegers Johan Remen Evensen - 246,5 Meter, aufgestellt in Vikersund - nur knapp. Mit neuem Vorbau würde man der Allzeit-Bestmarke noch ein kleines Stückchen näher rücken.

 

Springen und Fliegen = zwei Paar Schuhe

Wer im Skispringen in Topform war, muss beim Skifliegen nicht automatisch ebenso ganz vorne dabei sein - und umgekehrt. Der Kulm hat eindrucksvoll aufgezeigt, dass die Bezeichnung "Flieger" ein besonderes Auszeichnungsmerkmal ist. Jurij Tepes etwa brachte bislang nicht viel zu Stande.

Ein 22. Rang aus Nizhny Tagil war das Höchste der Gefühle, ehe er sein ganzes Fluggefühl auspackte und am Samstag Rang drei verbuchte. Im umgekehrten Fall erwischte es Michael Hayböck, der einerseits Windpech hatte und andererseits mit dem Bakken nicht wirklich zurechtkam.

 

Der Zweikampf geht weiter

Immerhin verteidigte Hayböck das Gelbe Trikot des Weltcup-Gesamtführenden. Der Vorsprung auf "Room-Buddy" Stefan Kraft schmolz allerdings beinahe so schnell wie der Bad Mitterndorfer Schnee. Lediglich sieben Punkte Guthaben nimmt der Oberösterreicher mit auf die Polen-Tour, die am Donnerstag mit dem Einzel in Wisla beginnt.

"Er kann es mir ja mal kurz leihen", wünscht sich Stefan Kraft auf LAOLA1-Nachfrage das Gelbe Trikot. Bislang durfte er es sich noch nie überstreifen. Hayböck wird naturgemäß versuchen, es dabei zu belassen, der Zweikampf geht in die nächste Runde. In Reichweite sind zudem der Slowene Peter Prevc (70 Punkte Rückstand) sowie Severin Freund (71).


Aus Bad Mitterndorf berichtet Christoph Nister

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