Kraft nur durch "höhere Gewalt" zu stoppen

Aufmacherbild

„Ich bin ein sehr aufgeweckter Jung, bin nicht sehr oft böse, sondern lache sehr viel, was dem Herzen guttut.“

So beschrieb sich Stefan Kraft auf der Pressekonferenz nach seinem zweiten Platz am Innsbrucker Bergisel.

Der Salzburger ist stets freundlich, hat fast immer ein Lächeln auf den Lippen und ist wirkt ungemein ausgeglichen.

Kein Wunder, führt er doch aktuell die Gesamtwertung der Vierschanzentournee überlegen an. Vor dem abschließenden vierten Bewerb in Bischofshofen (Dienstag, ab 16:30 Uhr im LAOLA1-LIVE-Ticker) blickt er auf ein beruhigendes Polster von 23,1 Punkten auf seinen Freund, Zimmerkollegen und zugleich schärfsten Rivalen Michael Hayböck.

Peter Prevc aus Slowenien hat als Dritter gar schon 29,4 Zähler Rückstand und muss auf Patzer der beiden ÖSV-Stars hoffen, um die Siegesserie der rot-weiß-roten Adler – zuletzt gelangen sechs Erfolge en suite – zu stoppen.

"Das toppt alles"

Kraft ist allerdings nicht nur im Erfolg zugänglich, sondern hat generell ein sehr sonniges Gemüt. „Ich bin lange im Geschäft, hatte viele schöne Momente und war immer sehr motiviert, aber das toppt noch einmal alles“, freut sich Co-Trainer Alexander Diess im Gespräch mit LAOLA1 über den Erfolg seiner Schützlinge.

Der gebürtige Innviertler trainiert mit Kraft und Hayböck am Stützpunkt in Rif/Hallein und kennt die beiden aus dem Effeff. Der von allen „Diesel“ gerufene Ex-Kombi-Cheftrainer sieht die beiden als exzellente Vorbilder für andere Sportler, aber auch und vor allem für die Jugend.

„Sie sind charakterstark, begeisterungsfähig und natürliche Burschen. Bei ihnen passen der Familien-Background, die Lebenseinstellung, aber auch die Demut“, schwärmt Diess, der sich nicht vorstellen kann, dass einer im Falle des ganz großen Triumphes abheben würde.

Demut ist wichtig

„Ich kann es mir nicht vorstellen“, stößt Patrick Murnig ins selbe Horn. Der gebürtige Vorarlberger gilt als Mentor des „fliegenden Doppelzimmers“ und betreut Kraft und Hayböck mit seiner Firma „JumpandReach“ seit vier (Kraft) bzw. fünf (Hayböck) Jahren.

„Diese Demut ist uns allen wichtig. Ich wäre der Erste, der das im Hintergrund aufgreifen würde“, erklärt der 39-Jährige, der als Coach mit den beiden an ihrer Persönlichkeitsentwicklung arbeitet.

Kraft, den Murnig als „Lauser“ bezeichnet, ist der Typ Draufgänger, der stets das Risiko und den Adrenalinkick sucht. „Länger als 24 Stunden halte ich es nicht in der Wohnung aus“, stellt er klar.

Sprichwörtliche Tritte in den Hintern hat er nur selten nötig, da er „sehr geerdet“ ist. „Wenn, dann sind es zumeist Kleinigkeiten, über die man spricht“, betont Murnig Speziell nach dem Sieg in Oberstdorf war die Schar der Schulterklopfer besonders groß, da ist es wichtig, wenn jemand einen kühlen Kopf bewahrt.

„Wenn ich etwas sehe, das nicht so war, wie wir das vorbereitet hatten, bin ich derjenige, der das anspricht. Er soll nicht blauäugig durch die Gegend laufen“, mimt der Mentor den Mahner.

Kraft, der "Killer"

Das nervliche Rüstzeug, um dem Druck auf seiner Heimschanze standzuhalten, sprechen Kraft beide Experten zu. „Nein“, antwortet Diess wie aus der Pistole geschossen auf die Frage, ob er auch nur den geringsten Zweifel an seinem Schützling hat.

Selbst fragwürdige Jury-Entscheide könnten Kraft nicht mehr aus dem Konzept bringen, ist sich der 43-Jährige sicher, und kritisiert die Weitenjagd am Bergisel. „Es war spektakulär, fesselnd und eine große Werbung für unseren Sport, aber ich war nicht happy, weil das an der Grenze der Fahrlässigkeit war“, übt er Kritik an Miran Tepes, dem Technischen Delegierten.

Um „Krafti“ noch vom Thron zu stürzen, müsse Außergewöhnliches passieren. „Da muss ihm die Bindung brechen.“ Oder ein Tier kommt ihm in die Quere. Unvorstellbar? Mitnichten. „Als wir im Sommer hier (in Bischofshofen) trainiert haben, ist Marinus Kraus mal ein Eichkätzchen reingelaufen in der Anlaufspur. Das ist dann höhere Gewalt.“

Daran will er freilich keinen Gedanken verschwenden, denn Kraft sei reif für die Krönung. „Er ist ein Killer. Er hat alles, was es braucht. In meinem Ermessen gibt es nichts, das ihn von seinem Ziel abbringen kann.“

Setzt er sein Können um, ist ihm der Sieg wohl nicht mehr zu nehmen. Dann würde der aufgeweckte Junge wohl noch ein bisschen mehr strahlen als ohnehin.


Aus Bischofshofen berichtet Christoph Nister

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen