Schlierenzauer mit 22 fast am Skisprung-Olymp

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Um 19:20 Uhr bestieg Gregor Schlierenzauer jenen Lift, der die Athleten üblicherweise nur nach oben bringt.

Nach unten kommen sie ja im Normalfall via Skisprung, schließlich sind sie von Beruf Skispringer.

Am Dreikönigstag war daran allerdings kaum zu denken.

Bischofshofen „litt“ unter heftigem Schneefall, der die Anlaufspur nicht nur langsam, sondern auch gefährlich machte.

ÖSV-Adler dominieren weiter

Mit Mühe und Not trotzte die Jury den Witterungsbedingungen und brachte zumindest einen Durchgang ins Nasse.

Der reichte schließlich, um einen Tages- und Gesamtsieger der 60. Vierschanzen-Tournee zu küren.

Dass in beiden Kategorien die ÖSV-Adler dominierten, war dabei wenig überraschend.

Viele Ziele bleiben nicht mehr

„Auf dem Sessellift hatte ich schon kurz Zeit, um nachzudenken. Du bist ganz alleine und fragst dich: Stimmt das jetzt wirklich? Bin ich wirklich Tourneesieger? Ist das alles wahr?“

Ja, es ist wahr. Der Tiroler hat seinen großen Traum verwirklicht und nun innerhalb eines Jahres zwei wichtige Karriere-Ziele abgehakt: Einzel-Weltmeister und Tourneesieger.

Viel bleibt also auf Schlierenzauers To-Do-Liste nicht mehr übrig, wie er auch selbst erkannte.

„Es ist auf der einen Seite ein extremes Hochgefühl da, auf der anderen Seite aber auch eine gewisse Leere, da ich schon sehr viel erreicht habe.“

Traum ging endlich in Erfüllung

Thomas Morgenstern feierte beim vierten und letzten Bewerb seinen ersten Saisonsieg und Gregor Schlierenzauer, ja der setzte sich endlich diese heißersehnte Tournee-Krone auf.

„Ich habe extrem lange für das große Ziel, die Tournee zu gewinnen, gekämpft. Jetzt ist der Traum endlich in Erfüllung gegangen. Das ist einfach unglaublich – meine Emotionen kann ich eigentlich kaum beschreiben“, war der 22-Jährige sicht- und hörbar gerührt.

Schon mehrmals ging er als Favorit in die prestigeträchtige Serie, zum großen Wurf hatte es bislang aber nie gereicht.

Außergewöhnlicher Zustand, außergewöhnliche Dinge

Diese Herangehensweise, die auch schon Thomas Morgenstern vom inneren Leistungsdruck befreite, hat den frischgebackenen Tourneesieger während der ganzen Serie ausgezeichnet.

Eine Veränderung, die ihn einerseits lockerer, andererseits auch menschlicher gemacht hat.

„Jeder, der Gregor bei der Tournee gesehen hat, kann das bestätigen. So einen anpassungsfähigen, relaxten und trotzdem aufmerksamen Gregor Schlierenzauer hat es noch nie gegeben. In so einem außergewöhnlichen Zustand passieren dann auch oft außergewöhnliche Dinge“, lobt Cheftrainer Alexander Pointner die Persönlichkeits-Entwicklung seines Schützlings.

Wertschätzung der Teamkollegen

Auch innerhalb der Mannschaft wirkt es nun so, als hätte Schlierenzauer seinen Platz gefunden. Der einstige Einzelkämpfer ist teamfähiger geworden.

„Es macht mich stolz, dass Gregor als Sieger dasteht und von seinen Teamkollegen die Wertschätzung genießt“, meint Pointner, „er hat sich das erarbeitet und verdient. Seine Veränderung ist nicht gespielt. Der aktuelle Gregor Schlierenzauer ist auf einem neuen Level. Er ist zu einer richtigen Sport-Größe gereift.“

Eine Sport-Größe, die mit gerade einmal 22 Jahren schon fast am Skisprung-Olymp angekommen ist.

Aus Bischofshofen berichtet Kurt Vierthaler

Olympia und Nykänen

Um sich endgültig als erfolgreichster Skispringer aller Zeiten in die Geschichtsbücher einzutragen, fehlen ihm nur mehr Einzel-Olympia-Gold und der Nykänen-Rekord an Weltcupsiegen (46).

„Das würde noch fehlen, ja“, so Schlierenzauer, „aber ich möchte nicht so weit vorausschauen. Man kann es sowieso nicht steuern. Solche Dinge passieren einfach.“

Erfolge und Rekorde seien zwar schön, der „neue Schlierenzauer“ hätte jetzt aber auch begriffen, dass es nicht nur alleine darum geht.

„Mir ist in letzter Zeit immer mehr bewusst geworden, dass oft nicht das Ziel entscheidend ist, sondern der Weg dorthin. Das Herzblut, das man hineinsteckt, ist fast wichtiger.“

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