Die Zwei-Adler-Tournee

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Schlierenzauer vs. Kofler: Die Zwei-Adler-Tournee

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Vier Schanzen, acht Sprünge, ein Sieger.

Die Tournee-Rechnung ist so herrlich einfach.

Noch einfacher scheint es in diesem Jahr zu sein.

Denn die 60. Ausgabe der traditionsreichen Serie ist heuer mehr eine Zwei-Adler-Tournee.

Schlierenzauer vs. Kofler

Ein Duell zwischen zwei Österreichern, die verschiedener nicht sein könnten.

Da Gregor Schlierenzauer, der Überflieger auf Rekordjagd – dort Andreas Kofler, der Sonnyboy als Jäger.

In den ersten drei Bewerben machten sie sich den Sieg stets untereinander aus.

LAOLA1 vergleicht vor dem finalen Showdown in Bischofshofen die beiden ÖSV-Athleten und zeigt auch, was sie so unterschiedlich macht.

Die Erfolge:

In Sachen Erfolge hat der 21-jährige Schlierenzauer dem 27-jährigen Kofler einiges voraus. Das Ausnahmetalent ist bereits Einzel- sowie Skiflug-Weltmeister, hat den Gesamtweltcup und unglaubliche 38 Weltcup-Bewerbe gewonnen. In der ewigen Bestenliste fehlen ihm nur mehr acht Erfolge auf Matti Nykänen. Kofler dagegen darf seit Innsbruck zehn Weltcupsiege sein Eigen nennen. Den Olympiasieg in Turin und WM-Gold in Oslo schnappten ihm jeweils Thomas Morgenstern weg. Dafür hat sich der Absolvent der Polizeischule 2010 die Tournee-Krone aufgesetzt. Ein Triumph, der Schlierenzauer neben Olympia-Einzelgold noch fehlt.

Die Entwicklung:

Während Schlierenzauer schon mit 16 seinen ersten Weltcupsieg feierte, musste Kofler bis zu seinem 22. Lebensjahr warten, ehe er erstmals ganz oben stand. Überhaupt lief beim Jüngeren der zwei Tiroler alles wie auf dem Reißbrett gezeichnet. Junioren-Weltmeister, Seriensieger, Skiflug-Weltmeister, Gesamtweltcupsieger, Einzel-Weltmeister – der 21-Jährige hat jetzt schon fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Kofler dagegen musste sich schon im Nachwuchs jeden Fortschritt, jeden Erfolg hart erarbeiten. 2009 stand er sogar wegen eines hartnäckigen Leistungstiefs vor dem Rauswurf aus der Nationalmannschaft.

Das Image:

Schlierenzauer gilt zwar als Mädchenschwarm und gern gesehene Werbefigur, der ganz große Sympathieträger ist er aber nicht. Beziehungsweise nicht mehr. Immer wieder klagt er bei schlechteren Platzierungen über Windpech oder Jury-Fehlentscheidungen, immer wieder lässt er gerne einmal den Star raushängen. Ganz anders das Auftreten von Kofler. Der Sonnyboy hat keine Allüren, selten schlechte Laune und fährt nie die Ellbogen aus. „Das war aber lange das Problem von Andi“, sagt Cheftrainer Alexander Pointner, „du musst auch auf dich schauen und darfst nicht versuchen, es jedem recht zu machen.“ Bei Schlierenzauer sei dagegen eine Wandlung passiert: Weg vom Einzelkämpfer, hin zu mehr Teamspirit (hier geht’s zur Story). Pointner: „Er strahlt nicht mehr das Gefühl aus, dass es nur ihn gibt und er keinen neben sich leben lässt.“

Das Umfeld:

Bei Schlierenzauer wird nichts dem Zufall überlassen. Papa Paul, ein ehemaliger Skirennläufer, und Manager-Onkel Markus Prock (Ex-Rodel-Profi) kennen das Geschäft aus ihrer aktiven Zeit. Die Karriere des Filius bzw. Neffen wurde deshalb genau durchgeplant. Schon früh war Red Bull durch die Beziehungen von Prock als Sponsor, der viele Sonderwünsche ermöglicht, gewonnen. Kofler dagegen wuchs in keiner Sportlerfamilie auf und kennt auch diesen übertriebenen Ehrgeiz, der oft in Verbissenheit ausufert, nicht so stark. Die Mutter war Alleinerzieherin, der Vater kehrte der Familie nach der Scheidung den Rücken, worunter Kofler lange Zeit litt.

Die Sponsoren:

Schlierenzauer hat - wie erwähnt - Red Bull als potenten Partner an seiner Seite. Da kommt es nicht selten vor, dass er zu manchen Weltcup-Orten mit einem Privatjet geflogen wird oder andere Annehmlichkeiten genießt. Bei Kofler geht es etwas bodenständiger zu. Der Tiroler vertraut schon seit Jahren dem Süßwaren-Hersteller Manner, obwohl er vielleicht mit einem anderen Sponsor mehr verdienen könnte. „Aber sie haben mich auch unterstützt, als es nicht so gut lief. Jetzt kann ich etwas zurückgeben“, so Kofler. Ob ihm das in Form seines zweiten Tourneesieges gelingt, wird sich am Dreikönigstag zeigen. Markus Maurberger, der beide ÖSV-Stars als Stützpunktrainer unter seinen Fittichen hat, bringt im „Standard“ das zum Ausdruck, womit wohl die Fans aus beiden Lagern leben könnten: „Der Grekof soll gewinnen.“

Aus Bischofshofen berichtet Kurt Vierthaler

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