Flucht in die Wohlfühl-Oase

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Top-Duo lenkt sich vom Skisprung-Alltag ab

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Ein Interview hier, ein Pressetermin da, dazu unzählige Foto- und Autogrammwünsche.

Gregor Schlierenzauer und Anders Jacobsen kommen aufgrund ihrer Erfolge bei der Vierschanzentournee kaum zur Ruhe.

Das Top-Duo hetzt von einem Termin zum nächsten und muss aufgrund seiner Erfolge Überstunden leisten, die an die Substanz gehen.

Persönliche Wohlfühl-Oase

Dennoch gelingt es den beiden, den Rest der Welt scheinbar nach Belieben in die Schranken zu weisen. Jacobsen gewann in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen jeweils vor dem Stubaier, in den drei Qualifikationsbewerben hatte indes Schlierenzauer die Nase knapp vorne.

Die Konkurrenz hatte dabei stets nichts zu melden. Um die Strapazen, die noch bis Sonntag andauern, bestmöglich zu verkraften, schaffen sich die beiden Ausnahme-Adler ihre eigene, ganz persönliche Wohlfühl-Oase.

Strahlender Schlierenzauer

So kam es nicht von ungefähr, dass Schlierenzauer nach seinem Quali-Erfolg bis über beide Ohren strahlte. „Das Strahlen kommt nicht nur vom Sprung“, erklärte der 22-Jährige LAOLA1. „Ich genieße es hier generell. Heimschanze, Heimatverein, dazu der Sprung. Es ist etwas Besonderes, hier einen Weltcup zu haben.“

Nicht nur das, der 43-fache Weltcupsieger nutzt sogar die Möglichkeit, in seinem eigenen Bett zu schlafen, wohnt er doch nur einen Steinwurf vom Bergisel entfernt.

Alternatives Gesprächsthema

„Es ist natürlich ein Vorteil, dass es ein Heimspringen ist. Die Tournee ist sehr anstrengend, man wird permanent mit Skispringen konfrontiert“, so der ÖSV-Hoffnungsträger.

Schlierenzauer genießt den Heimvorteil

„Wenn man zwischendurch ein, zwei Tage zu Hause ist und mit den eigenen Leuten auch mal ein anderes Thema bespricht, ist das schön.“

Aus Distanzgründen hat Jacobsen nicht die Möglichkeit, sich als „Heimschläfer“ zusätzliche Motivation zu holen. Der Norweger versucht das anderweitig wettzumachen.

Besuch von der Frau

Neben dem tollen Teamspirit, den die „Norsker“ derzeit ausstrahlen – kein Wunder, liegen doch mit Jacobsen, Hilde und Bardal drei in den Top-6 der Tournee-Gesamtwertung –, ist es ein Familienbesuch, der den Triumphator von 2006/07 bei Laune hält.

„Meine Frau Birgitte kommt heute noch nach Österreich“, strahlte er gegenüber LAOLA1 und freute sich darauf, vom Alltagstrott abgelenkt zu werden.

„Wir reisen so viel, da ist es nett, zwischendurch eine kleine Pause vom Skispringen zu haben. Meine Frau und ich werden viel miteinander reden.“ Einziger Wermutstropfen: Sohnemann Isak muss daheim bleiben. „Der kommt nicht mit, er bleibt bei meiner Mutter.“

„Schaue nur auf mich“

Trotz aller Ablenkungsmanöver bleibt es aber freilich nicht aus, sich intensiv mit dem Job zu befassen. Was jedoch den jeweiligen Konkurrenten betrifft, agieren die beiden Hauptprotagonisten der diesjährigen Tournee gänzlich unterschiedlich.

„Ich schaue nur auf mich“, versucht sich „Schlieri“ nicht von seinem Rivalen ablenken zu lassen. „Ich will natürlich wieder eine Top-Leistung bringen. Es ist sicherlich einiges möglich, der Rest muss von alleine passieren.“

Lob an den Konkurrenten

Völlig konträr agiert Jacobsen. Dieser achtet „natürlich darauf, was Gregor macht. Und er macht seine Sache wirklich gut.“ Der 27-Jährige gerät nahezu ins Schwärmen und streut seinem letzten verbliebenen Kontrahenten Rosen.

„Gregor hat bereits 43 Weltcup-Siege und ist wahrscheinlich der größte Skispringer aller Zeiten. Ich kann eine Menge von ihm lernen.“ Bei aller Schmeichelei will er allerdings keine Geschenke verteilen. „Ich erwarte eine heißen Fight um den Sieg und rechne mir durchaus Chancen aus.“

Dann nimmt er auch die unzähligen Interview- und Autogrammwünsche hinterher gerne in Kauf.

 

Aus Innsbruck berichtet Christoph Nister

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