"Man muss arbeiten, damit das Foto gut wird"

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Für Gregor Schlierenzauer ist die Fotografie mehr als ein Hobby geworden.

Der 22-jährige Skisprung-Weltmeister versucht, durch die Arbeit mit der Kamera den Kopf freizubekommen und den Trubel, der um ihn herrscht, hinter sich zu lassen.

Darum ist der Titel der zweiten Foto-Ausstellung Schlierenzauers, die am Dienstagabend in der neuen Wiener Leica Galerie eröffnet wurde, auch ganz bewusst gewählt. Der Tiroler stellte die 54 Fotografien unter das Motto "Stille Momente".

Schlierenzauer "hat Talent"

Peter Coeln hat nach den Galerien Westlicht und Ostlicht in der Walfischgasse über dem neuen Leica Store der Foto-Kunst - im "Klimt-und Schiele-geschädigten Wien", wie er sagt - eine dritte Bühne gegeben.

Schlierenzauer bekam als Erster Gelegenheit, sich zu präsentieren.

"Er hat Talent, er steht gut da", attestierte der Galeriebesitzer dem Stubaier, der sich vor drei Jahren via Email an ihn gewandt hatte.

Eine "Spam-Mail" verändert

Mein Hobby ist die Fotografie, mein größter Traum ist eine Leica, habe der Skispringer geschrieben, erzählte Coeln, der dies damals zunächst für ein Spam-Mail gehalten hatte.

"Ich habe mir dann seine Arbeiten angeschaut. Er hat inzwischen seinen Weg durchgemacht und jetzt ist er schnell geworden mit der Leica."

Die durchaus eine Herausforderung darstellt, wie Schlierenzauer zugibt.

Von Oslo bis Tirol

Der Gewinner von 40 Weltcup-Bewerben entwickelt Leidenschaft für die Fotografie.

Nachdem er mit einer Fünf-Dollar-Einweg-Kamera begonnen hatte (Ausstellung "Snapshot" vor zwei Jahren), nahm er die "Challenge" der Leica-Fotografie an.

"Man muss arbeiten, damit das Foto gut wird", betonte Schlierenzauer, der auf seinen Reisen, aber auch daheim im Stubaital Motive gefunden hat.

Sie reichen vom Blick auf das erwachende Oslo bis zu einer Aufnahme der auf einem Tisch ruhenden Hände der Schwester seiner Großmutter.

Erlös an Licht ins Dunkel

Die 54 Fotos stehen mit je fünf Abzügen auch zum Verkauf.

Die Kosten liegen je nach Größe des Bildes zwischen 600 und 1.500 Euro. Schlierenzauer spendet seinen Anteil aus dem Erlös über Licht ins Dunkel bedürftigen Familien in Tirol.

"Gehe offener durch die Welt"

Parallelen zwischen Skispringen und Fotografie sind durchaus vorhanden.

"Als Fotograf wartet man auf den entscheidenden Moment, den entscheidenden Auslöser, und beim Skispringen muss der Absprung exakt passen, man muss bei beiden professionell arbeiten", sagte der dreifache Weltmeister von Oslo 2011 gegenüber der APA.

Seit er fotografiere, gehe er außerdem viel offener durch die Welt.

"Jetzt sehe ich Kleinigkeiten, die mir früher nie aufgefallen wären. Das ist das Höchste, das man erleben kann, wenn man für Kleinigkeiten Freude empfindet."

Auf der Jagd nach Nykänen

Das Skispringen hält durch eine Regeländerung - die Anzüge sind nun enger geschnitten - in der kommenden Saison ebenfalls eine neue Herausforderung bereit.

"Durch diese Veränderung ist alles noch sensibler geworden. Ich will natürlich wieder vorne dabeisein", erklärte Schlierenzauer.

"Das größte Ziel ist es, konstante Leistungen zu bringen. Und ich will auch Matti Nykänen einholen."

Auf den erfolgreichen Skispringer im Weltcup fehlen dem ÖSV-"Adler" vor seiner siebenten Saison noch sechs Siege.

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