Rücktritt! Morgensterns letzter Absprung

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Seit Olympia 2014 wurde spekuliert - nun ist es fix: Thomas Morgenstern zieht einen Schlussstrich unter seine aktive Karriere.

Nach 12 Saisonen im Weltcup, 23 Siegen, zwei großen Kristallkugeln und 15 Olympia- und WM-Medaillen verlässt der Kärntner die Skisprung-Bühne.

Das verkündet er bei einer Pressekonferenz im Hangar-7 in Salzburg.

Thomas Morgenstern über…

…den Grund der Pressekonferenz:

Ich möchte euch nicht länger auf die Folter spannen. Die Entscheidung hat sich über den Sommer ergeben. Ich werde meine sportliche Laufbahn beenden. Es war ein letztlicher logischer Schritt für mich. Wir haben viel daran gesetzt, um mir wieder das Vertrauen zu geben, damit ich dahin komme, wo ich hin will. Das ist uns nicht gelungen. Ich habe meinen Sprung in ein neues Leben gemacht. Da bin ich stolz darauf und ich freue mich auf das, was kommt.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Angefangen bei meinen Eltern, bei der Mama, die sicher am meisten mit mir gelitten hat. Skiverband, Sponsoren, Management, meinen Fans, die hinter mir gestanden sind – bei jeder Krise und jedem Höhenflug. Pointer Alex, Heinz, Ernst – es gibt viele, die ich aufzählen kann und ich sicher ein paar vergessen habe.

…seine Zukunft:

Es gibt viele Möglichkeiten, viele Optionen. Eine richtige Entscheidung habe ich noch nicht getroffen. Das Skispringen war vorrangig, ich hatte keinen Plan B. Ich werde sicherlich etwas finden, was mir Spaß macht und das werde ich auch machen. Ich bin 28, habe noch alle Möglichkeiten vor mir. Langweilig wird mir nicht, da könnt ihr euch sicher sein. Vielleicht wird es auch etwas im Skispringen.

…den schönsten Moment der Karriere:

Ich habe viele schöne Momente gehabt. Der schönste war definitiv Turin. Nicht, weil ich da Olympiasieger geworden bin. Es war das ganze Rundherum. Das Wohlfühlen im Team, mit Kofi. Er hat davor sein erstes Springen gewonnen, ich war Zweiter. Da haben wir gesagt: Das drehen wir bei Olympia um. So ist es dann auch gekommen, es war dieser berühmte Zehntelpunkt. Wie sich unsere Freundschaft danach entwickelt hat, wie es uns zusammengeschweißt hat, das war ein ganz besonderes Gefühl. Wie es dem Papa die Tränen rausgedrückt hat, das war einfach schön. Diese Momente werde ich vermissen.

die Entscheidungsfindung:

Ich habe mich den ganzen Sommer über vorbereitet, wahrscheinlich mehr, als die Jahre davor. Das war wichtig, um die ganzen Probleme, die durch den Sturz entstanden sind, wegzubekommen. Von dem her geht es mir gut, ich bin fit. Daran ist es nicht gelegen. Es geht um die letzten 10 Prozent, die man zum Siegen braucht. Das ist mein Anspruch, wenn ich etwas mache, dann will ich es perfekt machen. Das ist aber in der Art nicht mehr möglich. In Planica bin etwa im Training oben gesessen, und hatte Gedanken wie: Was ist, wenn mir die Bindung reißt, das Zapferl bei der Bindung rausgeht. Wenn du solche Gedanken hast, dann sind das schwierige Voraussetzungen, um Erfolg zu haben. Ich habe eine sehr schöne sportliche Laufbahn hinter mir, ich will haben, dass die positiven Momente überwiegen – und das tut es auch. Ich habe aus jedem Rückschlag etwas Positives mitgenommen und habe mich entwickelt. Vielleicht war der Sturz auch für irgendetwas gut, dass ich mich in eine neue Richtung bewege, auf mein Privatleben mehr Augenmerk zu nehmen.

...die Verkündigung des Rücktritts:

Heute war es definitiv schwierig. Im Großen und Ganzen war es aber dann erleichternd. Ich mache es ja nicht aus irgendeiner Emotion heraus. Ich habe alles probiert, habe gekämpft. Seit dem Sturz habe ich daran gearbeitet, dass ich gesund werde, fit werde. Es waren positive Schritte, aber auch wieder negative. Daher war es eine klare Geschichte. Daher ist das Emotionale vielleicht ein bisschen ausgeblieben, weil ich es schon lange mit mir trage. 

...den Weg zurück:

Ich war tagtäglich damit beschäftigt. Jeder hat mich gefragt: Tust weiter? Irgendwann hast du keine Antwort, weil du selbst nicht weißt. Bis Ende August war ich darauf eingestellt, dass ich weitermache. Aber es hat sich dann richtig gedreht. Und ich habe mich für das Leben entschieden. Ich habe jetzt die Chance, am richtigen Punkt meiner Karriere aufzuhören. Ich habe alles gesund überstanden, es hätte manchmal auch blöd ausgehen können.

…wer in die Entscheidungsfindung eingebunden war:

Ich habe in der Privatklinik Altis sensationelle Unterstützung gehabt, auch psychologisch. Ich habe auch mit der Familie viel geredet. Aber irgendwann bin ich draufgekommen, ich muss das selbst entscheiden. Es gibt die private Seite und die sportliche. Und wie du es machst, ist es falsch. Wenn man die Mama nimmt: Die wird mich nicht zum weiter machen überreden. Daher habe ich keine Entscheidung gefällt. Es ist einfach in dieser Art einfach nicht mehr so möglich, wie ich es haben will. Dann ging es nur noch darum: Wann schicke ich meinem Manager die SMS. Damit ist es losgegangen – das war an dem berühmtberüchtigten Donnerstag in Stams.

…mehr Zeit mit der Tochter:

Das hat es nicht wirklich mitgeprägt. Ich habe mit ihr viele Selbstgespräche geführt. Sie war die Erste, die ich informiert habe, noch vor dem Trainingskurs. Ich habe beim Spielen gesagt: Lilly, du wirst mich nie aktiv springen sehen. Das war irgendwie ein berührender Moment für mich, auch wenn sie das nicht mitgekriegt hat. Natürlich freue ich mich, dass ich mein Privatleben nicht mehr nach dem richten muss, was ich tagtäglich tue. Ich habe mit meiner Tochter immer viel Zeit verbracht, das habe ich mir nie nehmen lassen. Aber in Zukunft wird das geregelter abgehen. Aber ausschlaggebender Punkt war es nicht.

…über eine Abschiedsfeier:

Irgendwo gehört die ganze Karriere auch gefeiert, das möchte ich mit meinen Fans machen. Wo, weiß ich nicht – vielleicht in Bischofsofen. Aber das möchte ich machen. Wir haben auch eine Dokumentation angefangen, da war aber noch kein Ende vorgesehen. Jetzt gibt es das, das werden wir in den kommenden Wochen abschließen können.

…eine mögliche Zukunft als Pilot:

Das Fliegen ist eine riesengroße Leidenschaft von mir, daher freut es mich auch, dass wir da im Hangar 7 sind. Es ist ein Ziel, das Ganze weiterzuverfolgen. Aber wie das ganze ausschauen wird und ob ich mal Pilot sein werde, hängt von vielen Faktoren ab. Das kann ich dann bei der nächsten Pressekonferenz sagen.

…den 28. Dezember 2014, Beginn der Vierschanzen-Tournee:

Da hat die Tochter meiner Tante Geburtstag und da werde ich das erste Mal in ihrem Leben dabei sein. Sie ist genau geboren an dem Tag, als ich mein erstes Weltcupspringen bestritten habe. Das ist der Plan.

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