Schlierenzauer und Jacobsen im Head-2-Head

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Der Countdown tickt unaufhaltsam runter.

Um Punkt 16:30 Uhr (LIVE im Ticker) startet die Vierschanzen-Tournee 2012/13 in den vierten und alles entscheidenden Bewerb in Bischofshofen.

Stefan Hula aus Polen wird den Wettkampf eröffnen, doch die Augen der Zuschauer an der Schanze sowie vor den TV-Geräten sind auf zwei andere gerichtet: Anders Jacobsen und Gregor Schlierenzauer.

Knallharter Zweikampf

Der Norweger und sein Tiroler Rivale liefern sich einen knallharten Zweikampf, der Rest der Welt muss das Treiben der beiden aus der Ferne beobachten.

Vor dem Abschlussbewerb weist Schlierenzauer ein Punktepolster von 10,7 Zählern auf. Ein klarer Vorteil, doch auf der Paul-Ausserleitner-Schanze kann sich der Spieß natürlich auch wieder umdrehen.

LAOLA1 hat das Top-Duo unter die Lupe genommen und in mehreren Kategorien beurteilt.

  • Erfahrung

Hier nehmen sich die beiden Kontrahenten wenig. Jacobsen ist trotz seines höheren Alters – der Norweger zählt 27 Lenze, Schlierenzauer wird am Montag 23 – auf derselben Stufe wie sein Kontrahent einzustufen. Beide schnupperten 2006 erstmals Weltcup-Luft und sorgten schnell für Furore.

Die Tournee 2006/07 machten sie sich untereinander aus, der ehemalige Installateur hatte dabei knapp das bessere Ende für sich. Während „Schlieri“ seither so gut wie alles (WM- und Olympia-Gold, Gesamtweltcup usw.) abgeräumt hat, nahm sich Jacobsen zwischenzeitlich eine Pause vom Skispringen. „Ich war müde, mir fehlte die Leidenschaft“, erklärte er.

Urteil: Remis

  • Form

Nach einem starken Saisonauftakt – er landete zu Beginn dreimal auf dem vierten Platz – durchschritt Jacobsen ein kleines Tal und konnte bis Tournee-Beginn nur einen weiteren Top-10-Rang verbuchen. Seither ging es allerdings steil nach oben. In der Quali stets im Spitzenfeld, dazu die Siege in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen. Der „Norsker“ befindet sich in Topform, daran ändert auch der siebente Platz in Innsbruck nichts.

Schlierenzauer ist ein Wunder an Konstanz. Mit Ausnahme von Sotschi (im ersten Springen 25.) gehörte der Stubaier stets zu den Besten, in sieben von zehn Bewerben landete er auf dem Stockerl. Auch bei der Tournee ist er der ausgeglichenste aller Adler. Zunächst zweimal Zweiter, sprang er die Konkurrenz in Innsbruck in Grund und Boden.

Urteil: Leichter Vorteil Schlierenzauer

  • Momentum

Hier wendet sich das Blatt am schnellsten. Vor der Tournee zählte 06/07-Sieger Jacobsen „nur“ zu den gefährlichen Außenseitern, Schlierenzauer ging mit Andreas Kofler und Severin Freund als Topfavorit ins Rennen. Schon in Oberstdorf schlug das Pendel in Richtung des Norwegers aus. Dieser sollte in Garmisch nachlegen und brachte sich in Pole Position für den zweiten Gesamtsieg.

Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. So schlug der ÖSV-Superadler vor heimischer Kulisse eindrucksvoll zurück und streifte neben dem Gelben Trikots des Gesamtweltcup-Führenden auch jenes für den Tournee-Leader an. In der Quali für Bischofshofen zeigten beide nicht ihren besten Sprung.

Urteil: Vorteil Schlierenzauer

  • Nervenkostüm

Unbekümmert, locker, nervenstark. So präsentierte sich der Norweger bis Garmisch. Der Ruhetag sollte ihm allerdings nicht gut bekommen. „Anders war in Innsbruck doch etwas nervös“, gestand sein Trainer Alexander Stöckl. „Am Ruhetag hatte er Zeit, darüber nachzudenken, was eigentlich passiert ist in letzter Zeit. Jetzt ist er wieder in der Angreifer-Position, damit fühlt er sich ohnehin wohler.“

Schlierenzauer ist es gewohnt, dass man Siege von ihm erwartet. Die Schuh-Thematik schien ihn und den ÖSV allerdings doch nervlich zu belasten. Ein Irrglaube, wie sich herausstellte. Der Tiroler bleib cool, vertraute voll und ganz auf seine Fähigkeiten und schlug in seiner Heimat eiskalt zurück.

Urteil: Vorteil Schlierenzauer

  • Druck

Diesen ist Jacobsen zu großen Teilen wieder los. Zwar setzen die Norweger voll und ganz auf den 27-Jährigen, doch nun springt er wieder in der Rolle des Außenseiters. Wie gut er damit umgehen kann, bewies er zu Beginn der Tournee.

Ganz anders die Sachlage beim Leader. Schlierenzauer ist der „man to beat“, der Sieg führt über ihn. Da zudem seine Teamkollegen reihenweise schwächelten, liegt die Last der Verantwortung aus ÖSV-Sicht rein auf seinen Schultern. „Der Druck ist natürlich nicht ohne. Von Beginn an war er Topfavorit, damit muss man umgehen können. Er hat aber schon so viel gewonnen, obwohl er noch so jung ist. Er ist ein abgebrühter Sportler und wird dem locker standhalten“, glaubt Andreas Widhölzl.

Urteil: Vorteil Jacobsen

  • Bisherige B’hofen-Ergebnisse

Die Paul-Ausserleitner-Schanze treibt Jacobsen ein Lächeln ins Gesicht. Zwar wartet er hier noch auf einen Sieg, doch insgesamt kommt er damit bestens zurecht. Sechsmal angetreten, fünf Mal in den Top-10. Im Jänner 2007 landete er auf Rang zwei, das ist bis heute sein bestes Ergebnis in Bischofshofen.

Auch Schlierenzauer kommt gut mit der Schanze zurecht. 2007 triumphierte er hier, im Vorjahr sprang er auf den dritten Platz. 2008 wurde er allerdings Opfer einer Wind- und Wetterlotterie und musste seine Tournee-Hoffnungen begraben.

Urteil: Remis

  • Endstand

Jacobsen schlägt sich gegen den aus seiner Sicht „wahrscheinlich größten Skispringer aller Zeiten“ mehr als beachtlich, muss sich aber knapp geschlagen geben. Zwar lastet auf ihm deutlich weniger Druck, doch Schlierenzauer ist abgebrüht und hat die Tournee ebenfalls bereits gewonnen.

Der größte Vorteil des Noch-22-Jährigen ist seine Beständigkeit. Selbst, wenn er nicht den besten Tag erwischt, gehört er zu den Besten. Mit dem Vorjahressieg hat er sich seinen großen Traum erfüllt, nun will er nachlegen. Die Aussichten sind gut, denn wie Widhölzl bereits meinte: „Er hat bislang keinen Fehler gemacht.“

 

Von der Tournee berichtet Christoph Nister

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