Anders als gedacht

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Jacobsen macht aus Länderduell einen -dreikampf

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Wenn sich zwei streiten, freut sich bekanntlich der Dritte.

Ob das bei der 61. Vierschanzen-Tournee genauso ist?

Während medial vor allem der Länderkampf zwischen Österreich und Deutschland thematisiert wurde, pirschte sich ein dritter Rivale heimlich, still und leise heran.

Der lachende Dritte

Norwegen war der große Gewinner des Auftaktbewerbs in Oberstdorf. Anders Jacobsen, Tournee-Gesamtsieger der Saison 2006/07, entschied den Bewerb auf der Schattenberg-Schanze zu seinen Gunsten und schlug den Favoriten aus dem ÖSV- und DSV-Lager ein Schnippchen.

Doch nicht nur der "Wikinger" zählte zu den großen Gewinnern, auch einige Routiniers sorgten für Furore und drängten einmal mehr ins Rampenlicht.

Wo Freud ist, ist Leid nicht weit entfernt. Und so betrifft es diesmal vor allem den heimischen Adler-Horst. Die Flügel gleich mehrerer rot-weiß-roter Überflieger wurden kräftig gestutzt.

Die Gewinner und Verlierer des Tournee-Auftaktspringens:

Anders Jacobsen

Der 27-Jährige hatte seine Karriere bereits beendet, doch der Lockruf der Schanzen dieser Welt zog ihn zurück in den Springer-Zirkus. Nach einer mehrmonatigen Pause kam er Anfang 2012 zurück und gehört inzwischen längst wieder zur Weltelite. Die Krönung erfolgte nun im Landkreis Oberallgäu. Knapp sechs Jahre nach seinem Tournee-Gesamtsieg triumphierte er mit zweimaliger Höchstweite.

Die Routiniers

Dimitry Vassiliev (33), Simon Ammann (31) und Martin Schmitt (34) - sie alle ließen in Oberstdorf aufhorchen. Der Russe mit einem sensationellen zweiten Satz, der ihn von Platz sieben auf vier katapultierte. Der Schweizer mit Höchstweite im zweiten Durchgang (wie Jacobsen 139 Meter) und der Deutsche mit neu gewonnenem Selbstvertrauen. Über den Continental Cup musste er sich für die Tournee qualifizieren, mit Rang 16 hat er seine Nominierung mehr als gerechtfertigt.

Manuel Fettner

Hätte man vor dem Wettkampf auf den zweitbesten Österreicher wetten sollen, wäre wohl so manch anderer Name vor jenem von Manuel Fettner gefallen. Doch der 27-Jährige hat es all seinen Kritikern gezeigt und sich mit Rang sieben eine glänzende Ausgangsposition für die weiteren Springen verschafft. "Ich habe einiges getestet, mich gesammelt, mich gut eingestellt und eine gute Leistung gebracht", so Fettner nüchtern.

Gregor Schlierenzauer/Severin Freund

Der Druck, dem österreichische und deutsche Athleten während einer Tournee ausgesetzt sind, ist nur schwer in Worte zu fassen. Die beiden Teamleader haben sich davon aber im ersten von vier Springen nicht beeinflussen lassen und mit Glanzleistungen ihre Chancen auf den Tournee-Gesamtsieg gewahrt. Gregor Schlierenzauer und Severin Freund landeten auf den Rängen zwei beziehungsweise drei und haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie auch unter größter nervlicher Belastung zu Höchstleistungen imstande sind.

Noriaki Kasai

Im Dezember 1989 (!) gab er sein Weltcup-Debüt, seither gewann er 15 Weltcup-Bewerbe sowie WM-Gold im Skifliegen (1992). Noch heute mischt er die Jungen auf, doch in Oberstdorf sollte es für Noriaki Kasai nicht nach Wunsch verlaufen. Nur 113,5 Meter in der Qualifikation bedeuteten, dass sich der älteste aller Teilnehmer nicht für den Hauptbewerb qualifizieren konnte. In Garmisch-Partenkirchen nimmt der 40-Jährige einen neuen Anlauf.

Andreas Kofler

Aus Fehlern lernt man. So heißt es zumindest. Andreas Kofler ist ein besonderer Fall. Bereits beim Saisonauftakt in Lillehammer wurde er im Mixed-Bewerb aufgrund eines nicht regelkonformen Anzuges disqualifiziert. Selbiges Schicksal ereilte den Tiroler beim Sommer Grand Prix in Hinzenbach. Aller schlechten Dinge sind beim Tournee-Sieger von 2009/10 offenbar drei, denn auch in Oberstdorf wurde ihm der Anzug zum Verhängnis. Bleibt zu hoffen, dass ihm Hoppalas dieser Art künftig erspart bleiben.

Thomas Morgenstern

Nein, der Sprung des Kärntners war sicher nicht optimal. Für die Qualifikation zum zweiten Durchgang hätte er aber allemal gereicht. Der Wind, das teuflische Kind, machte dem Jung-Papa, der vor wenigen Tagen Vater einer Tochter (Lilly) wurde, einen Strich durch die Rechnung. Rückenwind von oben bis unten, ein Sprung auf nur 119,5 Meter und ein verlorenes K.o.-Duell ließen Morgensterns Traum vom zweiten Tournee-Gesamtsieg jäh zerplatzen.

 

Christoph Nister

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