Der Fall Beikircher: "Es gibt nichts zu vertuschen"

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„Ich habe so etwas noch nie erlebt“, erklärte Christoph Eugen, Cheftrainer der ÖSV-Kombinierer.

„Ich habe so etwas noch nie gehört“, meinte Ernst Vettori, sportlicher Leiter des ÖSV.

Gemeint ist der tragische Unfall von Marco Beikircher.

Der Salzburger, Teil der Trainingsgruppe III, verunglückte im Rahmen der teaminternen Qualifikation in Kuusamo schwer, weil ein Balken in der Anlaufspur unbemerkt blieb und er durch diesen krachte.

Dabei zog sich der 19-Jährige einen Bruch des fünften Halswirbels, eine Verstauchung der Hand, ein blaues Auge und Aufschürfungen zu.

Geheimhaltung des ÖSV

Publik wurde der Unfall zunächst nicht, was aktuell Staub aufwirbelt. Erst durch einen Bericht der „Salzburger Nachrichten“ äußerte sich der heimische Skiverband zu den Vorfällen.

Stürze gebe es ständig, heißt es von offizieller Seite. Zudem sei man zudem davon ausgegangen, dass die Verletzung nicht allzu schlimm sei. Beikircher habe signalisiert, es gehe ihm gut.

Verkettung unglücklicher Umstände

Eine Untersuchung in Kuusamo brachte die Schwere seiner Verletzungen nicht hervor, erst in der Heimat wurde der Wirbelbruch festgestellt.

Laut ÖSV handelte es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände. Ein Schanzenarbeiter habe den Balken inmitten des Anlaufs aufgestellt, jedoch nicht wieder weggeräumt. Die Schanze wurde freigegeben, die Sicht war allerdings extrem schlecht.

Sturz im Auslauf

Aufgrund des dichten Nebels sah weder Beikircher von oben noch Trainer Falko Krismayr, der am Schanzentisch das Freizeichen gab, von unten die Absperrung.

Beikircher reagierte zwar noch geistesgegenwärtig und nahm im letzten Moment den Arm hoch, um sich zu schützen. Er durchbrach den Balken, dennoch gelang es ihm noch, über den Schanzentisch zu kommen. Doch im Auslauf kam er schließlich zu Fall.

"Nichts schönreden"

„Wir waren genug Trainer aus allen Trainingsgruppen“, meinte Eugen. Ein fataler Fehler war, den vermeintlich guten Zustand von Beikircher zum Anlass zu nehmen, die Quali zu Ende zu springen und erst danach ins Krankenhaus zu fahren.

„Im Nachhinein muss man sagen: Sofort ab und weg, stabilisieren und ins Krankenhaus. Da brauchen wir nichts schönreden, das war vielleicht ein Fehler“, gesteht der Cheftrainer, der neben Krismayr am Turm stand und „einen dumpfen Knall“ hörte.

„Da wurden Fehler gemacht, es gibt nichts zu vertuschen“, beugt Vettori Vorwürfen vor.

Warten auf Pum

Die weitere Vorgehensweise seitens des ÖSV wurde bereits festgelegt. „Wenn alle (Verantwortlichen) wieder da sind, wird das genau analysiert und dann gibt es auch einen Kommentar.“ Die Rede ist in erster Linie von Sportdirektor Hans Pum, der aktuell bei den Alpinen in Übersee weilt.

Gemeinsam mit diesem wird Vettori anschließend ein weiteres Gespräch mit Beikirchers Eltern führen. Ein Gerichtsverfahren ist nicht auszuschließen, die Frage nach der Letztverantwortung bislang ungeklärt.

Kein Vorwurfe an den Schanzenarbeiter

„Das ist ganz schwierig zu sagen“, berichtet Vettori, „das werden wir uns genau anschauen. Der Schanzenarbeiter hat das nicht böse gemeint, dem kann man keinen Vorwurf machen.“

Sicher sei, dass man alles unternehmen werde, „damit das nie wieder passiert“. Beikircher befindet sich derzeit zuhause und muss vier Wochen mit einer Halskrause herumlaufen. Der Youngster hatte Glück im Unglück bei einem Unfall, der nie hätte passieren dürfen.


Aus Lillehammer berichtet Christoph Nister

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