Jungstar Orter: "Mein Vorbild ist Felix Gottwald"

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Es hat sich einiges getan im Lager der Nordischen Kombination.

Waren es in der Vergangenheit fast ausschließlich die Routiniers, die für Erfolge sorgten, rücken die Youngster nun erstmals in den Fokus der Öffentlichkeit.

ÖSV-Cheftrainer Christoph Eugen schenkt zahlreichen Zukunfts-Hoffnungen das Vertrauen und wirft sie ins kalte Wasser.

Philipp Orter ist eine dieser Hoffnungen. Während acht seiner Kollegen in der Qualifikation um ein Ticket für den Auftakt in Kuusamo (29./30. November) kämpften, hatte er seines längst in der Tasche.

Mit Gold im Team, über 5 und 10 Kilometer avancierte der Kärntner bei den Junioren-Weltmeisterschaften im Fleimstal zu Beginn des Jahres zum großen Abräumer.

Der Sieg ist das Ziel

Zugleich war es seine dauerhafte Eintrittskarte ins Konzert der Großen. War es im letzten Winter noch der Junioren-Bereich, dem er seinen Stempel aufdrückte, will er ab sofort im Weltcup-Zirkus für Furore sorgen.

"Das Ziel ist ganz klar, dass ich gewinne", hält er im Gespräch mit LAOLA1 nichts von Tiefstapelei. Wenngleich zwei 24. Plätze in Falun bzw. Seefeld seine bislang besten Ergebnisse darstellen, weiß er, dass er deutlich mehr drauf hat.

Voraussetzung dafür sei, sowohl im Springen, als auch im Langlauf sein Optimum abzurufen. "Ich muss aber schauen, dass ich mich in puncto Eifer zurückhalte. Ich will den Druck in die richtgen Bahnen lenken."

Orter stürzte spektakulär, kam aber zum Glück ohne Knochenbrüche davon

Gegen den Strom

Die richtige Bahn, sprich die Kombinierer-Bahn, hat er 2007 genommen. Mit dem Gewinn des Schüler-Meistertitels war er davon überzeugt, etwas Großes erreichen zu können.

Bis dahin hatte er auch gerne Fußball gespielt und dabei durchaus großes Talent bewiesen. "Ich wollte aber nicht mit dem Strom schwimmen, weil alle immer im Fußball tätig sind, auch meine Familie", erklärt er seine Entscheidung.

Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, sein enormes Talent gipfelte schließlich mit dem totalen Triumph im Val di Fiemme.

Salto "à la Morgenstern"

"Für die Leute, die mich kennen, bin ich wohl noch immer der gleiche", erklärt der 20-Jährige. Verändert habe sich dafür das mediale Interesse. "Es ist aufregend, dass sich Leute für mich interessieren", freut er sich über jedes Interview sowie die Wertschätzung und Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Letztere war ihm auch Anfang August gewiss, als er im Training am Bergisel eine spektakuläre "Brezn" riss, die er selbst als "Salto à la Morgenstern" bezeichnet.

Es habe bis zu eineinhalb Monate gedauert, bis er wieder schmerzfrei war. Nur wenn er es im Training übertreibt, spürt er auch heute noch Nachwirkungen. Zahlreiche Massagen und Einheiten der Physiotherapeuten haben ihm geholfen.

Die Gefahr des Übertrainings

Weniger hilfreich war sein Übereifer. Bereits vier Tage nach dem Horror-Sturz hatte er versucht, wieder Radfahren zu gehen. "Das hat mich eher zurück als nach vorne gehaut."

Generell schätzt er seine Ungeduld als Schwäche ein. "Gerade in der Loipe will ich oft in der ersten Runde alles aufholen und Erster sein." Sein Trainingseifer spricht für sich, hin und wieder ist es allerdings förderlicher, auch mal runter vom Gas zu gehen. "Wenn ich dauernd zu viel mache, komme ich ins Übertraining", weiß der Jungspund.

Orters Vorbild ist Felix Gottwald

Vorbild Felix Gottwald

Den beginnenden Generationswechsel im Kombinierer-Team betrachtet er positiv. Man lerne und profitiere voneinander. In Kuusamo sind sechs von zehn ÖSV-Athleten Jahrgang 1992 oder jünger, hinzu kommen Routiniers wie Christoph Bieler (37) oder Wilhelm Denifl (34).

"Wir sind eine gute Gruppe" findet Orter, der sich besonders gut mit seinem Zimmerkollegen Mario Seidl versteht. "Er ist ein guter Freund, aber auch mit dem Gruber Berni und dem Lemmerer Hari verstehe ich mich extrem gut."

Sein Vorbild kommt ebenfalls aus den ÖSV-Reihen, ist allerdings nicht mehr aktiv. "Das war und ist Felix Gottwald", schießt es aus ihm heraus. Der dreifache Olympiasieger sei "eine inspirierende Person".

Tipps vom dreifachen Olympiasieger

Hin und wieder treffen sich die beiden, dabei bekommt Orter Tipps vom Altmeister, dem er nicht nur nacheifert, sondern auch ähnelt. Beide haben bzw. hatten ihre größte Stärke in der Loipe, aber "auch vom Denken her" ortet Orter Parallelen.

"Ich interessiere mich für die Themen, die er anspricht, was mentale Geschichten betrifft." Er habe noch viel zu lernen und versuche, von jedem das Beste mitzunehmen. "Mit manchen versteht man sich besser, mit manchen weniger, aber alle sind dazu da, dass man sich gegenseitig hilft und pusht."

Der WM-Titel soll her

An mangelnder Motivation fehlt es dem Junioren-Dominator definitiv nicht, seine langfristigen Ziele sind hoch gesteckt und umfassen neben dem Gesamtweltcup auch Medaillen bei Olympischen Spielen.

Besonders ins Auge sticht ihm aber ein anderer Erfolg. "Ich will auf alle Fälle Weltmeister im Einzel werden." Das habe schließlich noch kein Österreicher geschafft. Nicht einmal Felix Gottwald.


Christoph Nister

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