Die jungen Wilden

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Die jungen Wilden im ÖSV-Kombinierer-Team

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"Wir haben den besten Nachwuchs weltweit."

Christoph Eugen, Cheftrainer des ÖSV-Kombinierer-Teams, lehnte sich gegenüber LAOLA1 weit hinaus, doch seine Youngster bestätigen ihn bislang.

Nicht nur im Weltcup - an diesem Wochenende stehen zwei Bewerbe in der Ramsau auf dem Programm - zeigen die Nachwuchshoffnungen bereits auf, auch im Conti-Cup sowie bei Junioren-Weltmeisterschaften drückten die rot-weiß-roten Hoffnungen den Konkurrenzen ihren Stempel auf.

Für die Zukunft des ÖSV ist das von großer Bedeutung, denn zu lange fehlte es hinter Mario Stecher, Christoph Bieler, Wilhelm Denifl oder auch Bernhard Gruber an Nachwuchs, der den Arrivierten einheizt.

"Die Mischung passt gut, die Jungen lernen von den Alten, aber auch umgekehrt", lobt Eugen, der vor allem Bieler hervorhebt. "Er nimmt sich viel Zeit für die neuen Leute."

Zeit nahm sich auch Christoph Eugen, um LAOLA1 mehr über die "jungen Wilden" zu erzählen.

Philipp Orter

Vier Junioren-WM-Titel kann der 20-Jährige sein Eigen nennen, allein drei errang er Anfang des Jahres im Fleimstal, dazu landete er gleich zum Saisonauftakt in Kuusamo in den Top-10 (Rang neun). "Er hat ein Kämpferherz, ist Vollblutsportler und hat auch seinen Killerinstinkt oft genug bewiesen", schwärmt Eugen von seinem Vorzugsschüler. Läuferisch ist der Kärntner schon jetzt auf einem hohen Level, auch im Springen hat er im Sommer - wortwörtlich - "einen großen Sprung gemacht". Seine Entwicklung ist beachtlich, wobei Orter hin und wieder vor Übereifer gebremst werden muss. "Er macht manchmal zu viel. Da müssen wir aufpassen, denn sonst kommt er ins Übertraining." Der Youngster sei "sehr lernwillig" und sauge alles auf und habe zudem in allen Bereichen - "springerisch wie läuferisch, aber auch taktisch" - noch jede Menge Luft nach oben.

 

Martin Fritz

20 Lenze zählt auch der Steirer, der gleich bei seinem Weltcup-Debüt im März in Oslo als 23. Punkte sammelte. Der Start in diese Saison missglückte dem Gold- (Team) und Bronzemedaillen-Gewinner (Einzel) der letzten Junioren-WM. "Es ist eben auch eine Typfrage", hält Eugen schützend die Hand über ihn. Er sei einfach etwas nervös gewesen und wollte "unbedingt alles zeigen. Da ist dann schnell mal der Wurm drin und das macht's schwierig." Zum Glück hat er aufgrund seiner Erfolge im Nachwuchs bis Ende Jänner einen Fixplatz. "Das ist wichtig, denn er hat Zeit und bekommt dadurch eine gewisse Ruhe, die nötige Erfahrung zu sammeln." Fritz "will im Springen oft mal zu viel, sodass man ihn bremsen muss. Er ist eben ein echter Murauer", erklärt der ebenfalls dort aufgewachsene Cheftrainer. Die Vorzüge des Talents liegen auf der springerischen Seite, läuferisch sei noch viel Luft nach oben vorhanden. "Er hat kaum Trainingsjahre, daher wird er von Jahr zu Jahr stabiler und besser."

Bernhard Flaschberger

"Er ist sehr selbstbewusst und war bereits in der Vorbereitung gut", urteilt Eugen. Dieses Selbstbewusstsein schlug sich auf seine Leistung nieder. Erst qualifizierte sich der Team-Junioren-Weltmeister aus der TG III für den Weltcup, um gleich auf Anhieb in Kuusamo Rang 14 zu erobern. Springerisch attestiert ihm Eugen "einen immensen Sprung, läuferisch kann er trotz seiner Jugend schon ganz vorne mitlaufen." Bei einem 18-Jährigen muss man freilich die Erwartungshaltung etwas dämpfen, denn Leistungsschwankungen gehören angesichts seiner Jugend dazu. Positiv stimmt seinen Vorgesetzten, dass er "sehr besonnen und für sein Alter sehr reif" ist. "Er hat eine wahnsinnige Pumpe und sein Herz-Kreislauf-System ist sensationell." Im Lauftraining muss er sich allerdings etwas zurückhalten, um nicht auf der Schanze die nötige Explosivität zu verlieren.

 

Fabian Steindl

Der Vierte im Bunde der Junioren-Weltmeister-Mannschaft ist mit einem "immensen Selbstvertrauen im Skispringen" ausgestattet und springt technisch auf einem Top-Niveau. "Er macht sogar Bieles schon Konkurrenz", schwärmt Eugen, der Schwächen im Langlauf ortet. "Er braucht noch mehr Grundlagentraining, muss Kilometer abspulen und viele Trainingsstunden absolvieren." Hinzu kommt, dass er noch Muskelmasse aufbauen muss. "Er ist ein kleines Bürscherl, da geht im Kraftbereich sicher noch einiges." Die bisherige Saison verlief vielversprechend. Eine Disqualifikation (zu großer Anzug) ausgenommen, landete er in den beiden anderen Bewerben jeweils in den Punkterängen (26. und 27.).

Mario Seidl

Vor knapp zwei Jahren enterte er die Weltspitze und landete binnen weniger Wochen dreimal in den Top-8 eines Weltcupbewerbs. Es schien, als wäre ein neuer Star geboren. Seidl ist jedoch das beste Beispiel dafür, dass es einige Zeit dauert, ehe man tatsächlich zur Weltspitze gehört, hatte er doch eine schwierige letzte Saison zu verkraften. "Mario ist enorm gewachsen, etwas kräftiger und schwerer geworden. Zudem haben die engeren Anzüge nicht zu seinem Sprungstil gepasst", erläutert sein Trainer die Gründe für die schwierige Phase. Aktuell arbeitet er sich Schritt für Schritt wieder nach vorne. "Er hat läuferisch viel gemacht, was dafür an der Spritzigkeit im Springen zehrt." Steigerungspotenzial hat der 22-Jährige und damit Älteste im Bunde der "jungen Wilden" in puncto Technik. "Da ist er auf den Skiern noch nicht so gut. Er muss exakter werden mit der Skiführung."

 

Weitere Talente

Der Pool an ÖSV-Talenten ist damit noch längst nicht erschöpft. Paul Gerstgraser gehört beispielsweise auch zu den Hoffnungsträgern der nächsten Jahre. In Kuusamo hatte er die viertbeste Laufzeit, auch in Lillehammer zeigte er in der Loipe auf. "Springerisch hat er dafür noch nicht gezeigt, was er kann. Er muss zudem noch mehr aus sich rauskommen", meint Eugen. In der Ramsau bekommt er eine Pause. Mit Lukas Greiderer rückt ein weiterer Youngster, der im Conti-Cup in Park City mit einem Podestplatz aufhorchen ließ, neu ins Team. "Wenn er sich stabilisiert, traue ich ihm einiges zu", setzt sein Coach auf ihn, um mit Harald Lemmerer und Sepp Schneider weitere Rohdiamanten zu nennen. Der Steirer blickt zuversichtlich in die Zukunft, sagt aber auch: "Man muss ihnen die nötige Zeit geben und darf die Jungen nicht verheizen." Hält sich das Trainerteam daran, steht einer goldenen Kombinierer-Zukunft nichts im Weg.


Christoph Nister

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