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"Kein Verteidiger hätte anderes Urteil geholt"

Walter Mayer sieht sich nach dem noch nicht rechtskräftigen Urteil im Doping-Prozess gegen ihn am Wiener Landesgericht weiter als Opfer einer groß angelegten Intrige.

"Meine Vermutung einer Verschwörung hat sich verstärkt. Es war ein Präzedenzfall, in dem das Urteil negativ ausgehen musste. Diese Ungerechtigkeit in diesem Ausmaß hätte ich aber nicht erwartet", meinte der 54-jährige Salzburger, dessen dreiköpfiges Verteidigerteam sofort Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung gegen den Schuldspruch von 15 Monaten Haft, davon drei Monate unbedingt, anmeldete.

"Kein Verteidiger hätte anderes Urteil geholt"

Auf die Frage, ob er sich nun in zweiter Instanz von anderen Juristen vertreten lassen werde, lautete die Antwort des ehemaligen ÖSV-Trainers: "Das Verteidigungsteam bleibt so. Kein Verteidiger der Welt hätte ein anderes Urteil herausgeholt. Das war ein vorprogrammiertes Urteil in einem klasse Showprozess. Ich hätte nicht geglaubt, dass so etwas möglich ist. Aber ich habe den Fehler gemacht, mich mit dem Imperium IOC (Internationales Olympisches Komitee, Anm.) anzulegen."

"Im Auftrag des IOC passiert"

Mit dieser Aussage vorsuchte der ehemalige Wasalauf-Sieger (1980) erneut, seine Argumentation von einer gezielten Aktion gegen seine Person zu untermauern. "Das Ganze ist im Auftrag des IOC passiert. Das hat der (IOC-Präsident Jacques, Anm.) Rogge in Absprache mit (Sportminister Norbert, Anm.) Darabos vereinbart", hatte Mayer bereits im Vorfeld des Prozesses mehrfach zu Protokoll gegeben.

Nachdem der ehemalige Nordische ÖSV-Direktor bereits von 22. März bis 30. April 2009 in Untersuchungshaft gesessen ist, sind noch knapp sieben Wochen offen, die zu verbüßen wären, sollte der nicht rechtskräftige richterliche Spruch in der Instanz bestätigt werden.

"Im Doping wird geschwiegen"

Allerdings könnte Mayer, der nach der Urteilsbekanntgabe Klagen gegen einen Mitangeklagten, Belastungszeugen sowie Journalisten angekündigte, weiteres Ungemach drohen, nachdem er im Prozess der Soko Doping vorgeworfen hatte, ein "Beschuldigtenprotokoll gefälscht" zu haben und "korrupt" zu sein.

Sogar Staatsanwältin Nina Weinberger soll laut Mayer und seinen Anwälten bei dieser "Verschwörung" mitgewirkt haben.

Weinberger, die vorläufig noch keine Rechtsmittelerklärung zum Urteil abgegeben hat, war nicht überrascht, dass kein Sportler Mayer im Zeugenstand belastet hatte, denn beim Thema Doping "wird auf Teufel komm raus geschwiegen", wie sie in ihrem Schlussplädoyer, in dem sie auch von "mafiösen Strukturen" sprach, anmerkte.

Bogen zu Fall Matschiner gespannt

Dabei erinnerte Weinberger auch an den Doping-Prozess gegen den ehemaligen Sportmanager Stefan Matschiner, der am 11. Oktober des Vorjahres zu 15 Monaten Haft, davon nur ein Monat unbedingt, verurteilt worden war.

Matschiner hatte damals vehement bestritten, beim Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann Blutdoping vorgenommen zu haben.

"Auch Hoffmann hat damals alles abgestritten, aber Matschiner hat das Urteil anerkannt", betonte Weinberger in diesem Zusammenhang.

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