Tour de Ski: Stadlober und Tritscher sollen es richten

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Mit einem kleinen Team nimmt der Österreichische Skiverband die diesjährige Tour de Ski in Angriff.

Zwei Damen (Teresa Stadlober, Nathalie Schwarz) und vier Herren (Bernhard Tritscher, Harald Wurm, Dominik Baldauf, Max Hauke) vertreten Rot-Weiß-Rot auf den sieben Etappen, die zwischen 3. und 11. Jänner stattfinden.

Ein absolutes Spitzenergebnis ist - im Gegensatz zum Vorjahr - nicht zu erwarten. Damals sorgte Johannes Dürr mit seinem dritten Gesamtrang für Furore.

Das böse Erwachen

Wenige Wochen später folgte das böse Erwachen - positive Dopingprobe bei Olympia, zwei Jahre Sperre, rückwirkend alle Ergebnisse der Saison 2013/14 gestrichen.

Die Erwartungen sind daher gedämpft, Cheftrainer Gerald Heigl und der sportliche Leiter Markus Gandler backen in diesem Winter kleinere Brötchen.

"Ich habe nie verheimlicht, dass die Durststrecke etwas länger dauern wird. Das Heilmittel wäre Dürr gewesen, um Druck rauszunehmen, das ist leider nichts geworden", stellt Gandler klar.

LAOLA1 hat mit beiden gesprochen. Dabei haben sie ihre Ziele und Wünsche verraten. Teresa Stadlober agiert dabei ganz klar als Hoffnungsträgerin, bei den Herren erwartet sich das Duo vor allen Dingen von Bernhard Tritscher starke Leistungen.

Markus Gandler und Gerald Heigl über ...

... die ÖSV-Damen

Gandler: Teresa wird am Anfang ihre Probleme haben. Je länger die Saison dauert, desto besser kommt sie rein. Wenn sie gesund durch die Tour kommt, ist einiges möglich. Der Schlussanstieg liegt ihr, sie hat schon bewiesen, dass ihr der taugt. Es ist aber ein langer Weg bis dahin, da darf nichts passieren. Ich traue ihr gesamt durchaus die Top-15 zu. Bei Nathalie geht es darum, einmal aufzuzeigen. Punkte sind sicher schwierig, aber auch das ist möglich.

Heigl: "Stadlober fehlt die Substanz"

Heigl: Teresa ist absolut die Hoffnungsträgerin und wird durchlaufen. Die Top-30 der Gesamtwertung wären schön, wenn alles gut geht, sind die Top-20 möglich. Die Bergverfolgung liegt ihr, sie ist leicht und hat eine Maschine. Ihr fehlt als junger Athletin noch die Substanz. Mit jahrelangem Training sollte das kommen, sofern alles in die richtige Richtung läuft. Bei Nathalie muss schon sehr viel zusammenspielen, damit sie Punkte holt. Sie ist noch in der Lernphase, nach dem Sprint im Münstertal wird sie aussteigen. Teresa ist schon etabliert, Nathalie springt noch zwischen Europacup und Weltcup, daher dauert das einfach noch. In den nächsten Jahren ist sie aber sicher eine unserer Damen, die das Potenzial für gute Ergebnisse hat.

 

... die ÖSV-Herren

Gandler: Tritscher und Wurm können in den Einzelrennen aufzeigen, gerade im Prolog und im Sprint. Bernhard hat wohl gleich beim Auftakt und im Münstertal die größte Chance. Auf der Distanz war er zuletzt richtig gut, er hat sich super entwickelt und hat wie Teresa internationale Klasse. Für Baldauf und Hauke ist es eine Chance, sich bei einem Rennen in Szene zu setzen. Verheizt wird sicher keiner. Baldauf hat seit Jahren die gleichen Trainingsleistungen wie Hauke, aktuell sogar wie Tritscher. Er muss da durch, sonst packt er es vom Kopf her nicht. Er muss jetzt sein Können zeigen. Insgesamt wäre es schön, wenn Tritscher mal die Top-10 oder Top-15 läuft, für Wurm wünsche ich mir Punkte - auch Hauke und Baldauf traue ich das zu.

Heigl: Tritscher ist bis Toblach dabei. Er läuft deshalb nicht die ganze Tour, weil die Woche darauf in Otepää der einzige Teamsprint vor der WM in Falun stattfindet. Den wollen wir mitnehmen, weil wir von der WM im Fleimstal einen siebten Platz zu verteidigen haben. Bei ihm geht im Sprint und auf der Distanz relativ viel. Er kann im Prolog, wenn alles passt, in die Top-10 laufen. Dazu der Sprint im Münstertal, das sind seine beiden Hauptrennen. Wurm steigt im Münstertal aus und konzentriert sich auf den Sprint dort. Er läuft dann mit Tritscher den Weltcup in Otepää. Bei Wurm wären wir ohne Punkte nicht zufrieden, da sind die Top-20 sicher drin. Heuer war es noch nicht das Wahre, aber wir erhoffen uns eine Steigerung. Hauke ist wie Tritscher bis Toblach dabei, lässt dann aber Otepää aus und steigt erst wieder in Russland ein. Er ist eher der Distanzler. Baldauf hat uns in Davos überrascht, er ist zweimal ganz knapp an Punkten vorbeigeschrammt. Er fährt wie Wurm nach dem Münstertal heim. Der Sprint dort ist sein Hauptziel. Er bewegt sich heuer echt gut und ist noch relativ jung. Da sind wir frohen Mutes, dass er uns in der Zukunft noch Freude bereiten wird.

 

... das Loch dahinter

Gandler: Im Europacup sieht es nach wie vor eher schlecht aus, wenngleich es leichte Fortschritte gibt. Die Jahrgänge 93 bis 96 sind so gut wie nicht vorhanden. Dahinter kommen wieder ein paar nach. Uns fehlen auch die Jahrgänge, die in Turin flöten gegangen sind, wie Tauber, Eder oder Pinter. Ich habe nie verheimlicht, dass die Durststrecke etwas länger dauern wird. Das Heilmittel wäre Dürr gewesen, um Druck rauszunehmen, das ist leider nichts geworden. Bei den Damen sehe ich das nicht so tragisch. Seebacher, Unterweger, Berchtold kommen nach. Dazu Barbara Walchhofer als 97er Jahrgang. Da tut sich schon einiges. Aufgrund der kürzeren Distanzen ist sogar ein schnellerer Weltcupeinstieg möglich.

Heigl: Das Grausame an unserem Sport ist, dass es ein Ausdauersport ist und es immer eine Zeit lang dauert. Niemand wird zu diesem Sport gezwungen. Wenn ich früh an der Spitze sein will, muss ich eine andere Sportart wählen. Hier gibt es ganz, ganz harte Jahre. Beim fehlenden Nachwuchs geht es um den sozialen Standard, der in Österreich vorherrscht. Der lädt nicht dazu ein, sich über Jahre zu quälen.

Gandler über die Norweger: "Nicht normal"

... den Abstand zur absoluten Spitze

Gandler: Da fehlt die Erfahrung, da fehlen die Jahre. Es wäre sonst ja zu leicht. Sie hat alle Voraussetzungen, aber es ist klar, dass die Schritte nicht mehr so groß sind wie früher. Für ganz nach vorne wird die Luft immer dünner.

Heigl: Mit den Norwegern wollen und werden wir uns nicht vergleichen. Die schöpfen aus einer ganz anderen Breite, die wir nicht haben.

 

... die Dominanz der Norweger

Gandler: Was die Norweger aufführen, ist nicht mehr normal. Die machen sich das nur noch untereinander aus, da hat kaum noch eine andere Nation eine Chance. Das Problem sind die nationalen Quoten. Man tut dem Sport nichts Gutes, wenn man 20 Norweger zuhause laufen lässt. Dann läufst du als kleine Nation gegen Übermächtige, das tut uns weh.

Heigl: Die ist extrem. Wir wissen leider nicht, was den Unterschied ausmacht. Sie haben eine ganz andere Breite und können aus dem Vollen schöpfen. Der norwegische Cheftrainer ist wie anderswo ein Fußballtrainer. Der sucht einfach einige aus vielen aus. Für den Langlauf ist eine solche Dominanz nicht gut, es schadet eher. Es werden aber auch Zeiten kommen, in denen man sie ärgern kann. Ich gehe davon aus. Ich glaube, dass es auch den Norwegern nicht recht ist, dass sie so dominieren.


Christoph Nister

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