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Die Tops und Flops des Nordisch-Wochenendes

Während Österreich weiterhin auf den Wintereinbruch warten muss, haben die nordischen Wintersportler bereits zahlreiche Weltcups in den Beinen.

Man hat sich inzwischen an den Anblick gewöhnt, dass außer einer kleinen Schneezunge oder einer kurzen, in weiß gehaltenen Loipe nichts an Väterchen Frost und Frau Holle erinnert.

Das hindert die Stars aus Skispringen, Nordische Kombination und Langlauf jedoch nicht daran, Woche für Woche Leistungen der Extraklasse abzuliefern.

Wie gewohnt blicken wir noch einmal auf die Wettkämpfe der letzten Woche zurück und zeigen auf, wer zu überzeugen wusste und bei wem Nachholbedarf besteht.

DIE TOPS:

Michael Hayböck

Er ist und bleibt "Mr. Konstanz" im ÖSV-Adlerhorst. In sämtlichen Saisonbewerben sprang der ehemalige Junioren-Weltmeister unter die Top-10, in Engelberg gelang ihm gleich zweimal der Sprung auf das Podest - er wurde jeweils Dritter. Sein Geständnis, nach der Halbzeit-Führung am Samstag enorm nervös gewesen zu sein, brachte ihm hohe Sympathiepunkte ein. Gelingt es ihm, dieses kleine Manko noch in den Griff zu kriegen, ist er heiß für den ersten Sieg. Für den Oberösterreicher kommt die Vierschanzen-Tournee genau zum richtigen Zeitpunkt.

 

Jason Lamy Chappuis

Fast auf den Tag genau ein Jahr lang musste der Franzose auf seinen 26. Einzel-Weltcupsieg warten. In der Ramsau war es soweit, der 28-Jährige zog damit mit der norwegischen Legende Bjarte Engen Vik gleich und ist Dritter der ewigen Bestenliste. Nur noch Hannu Manninen (48 Siege), der wohl unerreichbar für ihn bleibt, und Ronny Ackermann (28) liegen vor ihm. Als Draufgabe gelang ihm auch im Teambewerb mit seinen Kollegen als Dritter der Sprung aufs Podium.

 

Philipp Orter

Höchst erfrischend war seine Langlauf-Leistung im Kombi-Teambewerb zu sehen. Wie der vierfache Junioren-Weltmeister ein 44-Sekunden-Loch zur Spitze schloss, war beeindruckend. Am Ende gingen ihm zwar die Körner aus, sodass er selbst im Einzel tags darauf noch die Nachwirkungen zu spüren bekam, doch Ortner steht sinnbildlich für eine neue Generation im Lager der ÖSV-Kombinierer. Gesteht man dem Kärntner und seinen Altersgenossen die nötige Geduld zu, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die ganz großen Erfolge einstellen.

 

Marit Björgen

Sie ist ein Phänomen und kann einfach alles. Ob Sprint oder Langdistanz, ob klassisch oder Skating - die sechsfache Olympiasiegerin gehört in jedem Bewerb zu den Sieganwärtern, sodass ihre zwei Erfolge in Davos - über 10 km Freistil sowie im Freistil-Sprint - wenig überraschend erscheinen. In der Tat sind ihre 70 Weltcuperfolge das Produkt jahrelanger, konsequenter Arbeit. Da ist es nur logisch, dass sie im Weltcup der Konkurrenz längst enteilt ist und bereits 321 Zähler vor Landsfrau Therese Johaug an der Spitze thront.

Federico Pellegrino

Die Siegesserie der Norweger ist vorerst gestoppt. Nachdem sich die "Wikinger" zuletzt gnadenlos zeigten und der Konkurrenz maximal ein paar Krümel vom Erfolgskuchen abgaben, durchbrach der Italiener im Sprint von Davos diese Dominanz. Der 24-Jährige triumphierte vor dem Russen Alexey Petukhov, erst auf dem dritten Platz folgte mit Finn Haagen Krogh der erste Norweger.

 

Roman Koudelka

Auf einen Zwischenstopp in Nizhny Tagil verzichtete der Tscheche, in Engelberg schlug er dafür wieder zu. Rang zwei am Samstag, Sieg am Sonntag - mit 180 weiteren Punkten im Gepäck und Rang zwei in der Gesamtwertung (zwei Zähler hinter Anders Fannemel) reist Koudelka zur Vierschanzen-Tournee und gehört bei dieser zum engsten Favoritenrkreis. Dort will er für den ersten tschechischen Triumph seit Jakub Janda 2005/06 sorgen.

 

Bernhard Tritscher

In der Vorwoche gelang Teresa Stadlober ihr bestes Weltcupergebnis, diesmal setzte der 26-Jährige ein Ausrufezeichen. Mit Platz 15 über 15 km Freistil gelang Tritscher das beste Weltcup-Ergebnis abseits von Sprintbewerben. Auf den norwegischen Sieger Anders Glöersen fehlten ihm lediglich 46,8 Sekunden.

 

DIE FLOPS:

Dario Cologna

Schön langsam geht ihm die Zeit aus. Rang zehn über 15 km Freistil war für seine Begriff okay, aber nicht mehr. Im Sprint kam der Eidgenosse nicht über Position 36 hinaus. Die Tour de Ski ist ein großes Saisonziel des Schweizer Olympiasiegers, doch in der aktuellen Verfassung werden ihm die Norweger dabei wohl um die Ohren laufen.

Sturzpech

Das wollte wirklich niemand sehen. Christoph Bieler stürzte im Probedurchgang vor dem Kombi-Teambewerb und verletzte sich dabei schwer. Fünf Rippen und drei Querfortsätze gebrochen. Der ÖSV-Routinier muss mehrere Wochen pausieren. Für das rot-weiß-rote Team extrem bitter, ist er doch nicht nur Vorbild für die Jungen, sondern auch - trotz eines Bewerbes weniger - zweitbester Österreicher im Gesamtweltcup.

 

Finnlands Kombinierer

Die Zeiten, als Hannu Manninen und Samppa Lajunen Seriensiege hinlegten, gehören längst der Vergangenheit an. In Finnland werden inzwischen deutlich kleinere Brötchen gebacken. Rang 24 für Ilkka Herola darf schon als Erfolg gewertet werden, im Teambewerb wurde "Suomi" auf der 1,25 km Schleife sogar überrundet und kam mit mehr als drei Minuten Rückstand nicht über Position acht hinaus.

 

Wolfgang Loitzl

Der Steirer (Gedanken ans Karriereende) ist derzeit meilenweit von der Spitze entfernt. In der Schweiz ging "Wuff" leer aus. Im ersten Bewerbe scheiterte er an der Hürde 1. Durchgang und verpasste als 40. das Finale der Top-30, im zweiten war die Qualifikation bereits eine Nummer zu groß. Trauriger Tiefpunkt: Loitzl wurde von Cheftrainer Heinz Kuttin nicht für die Vierschanzen-Tournee nominiert.


Christoph Nister

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