Krug: "Der Biathlet wird im Sommer gemacht"

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Die Biathlon-Pause ist vorbei, die Wettkämpfe von Oberhof haben bereits am Donnerstag mit der Frauenstaffel - ohne ÖSV-Beteiligung - begonnen.

Am Freitag (17.30 Uhr) greifen auch österreichische Biathleten in das Geschehen ein: Für die ÖSV-Herren-Staffel treten Simon Eder, Julian Eberhard, Fritz Pinter und Dominik Landertinger an.

Am Wochenende finden im Thüringer Wald dann die Einzelbewerbe - Sprint (Samstag) und Verfolgung (Sonntag) - statt.

Der Teamchef im Gespräch

Österreichs erfolgreichster Biathlet, Christoph Sumann, ist nicht mit nach Thüringen gereist.

Im LAOLA1-Interview erklärt ÖSV-Teamchef Remo Krug, warum dies schon länger geplant war, wie schwer die Strecke in Oberhof ist und wieso das ÖSV-Pflänzchen langsam wächst.

LAOLA1: Welche Ziele haben Sie Ihrem Team für Oberhof gesetzt?

Remo Krug: Wir wollen da anknüpfen, wo wir im Dezember aufgehört haben: Mit guten Schießleistungen - optimal wäre eine Trefferquote von 90 Prozent, also maximal ein Fehler im Sprint - und mit sehr guten Laufleistungen möglichst weit nach vorne kommen.

LAOLA1: Die Bedingungen in Oberhof sind nicht immer einfach, in der Vergangenheit sorgten Nebel und Wind oft für Schwierigkeiten. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Tobias Eberhard startet in Oberhof

Krug: Es ist natürlich schon so, dass durch die drei Trainingsälteren - Pinter, Mesotitsch und Sumann - bald ein Generationswechsel ansteht. Aus diesem Grund versuche ich, auch den Jüngeren eine Chance zu geben. Natürlich müssen sie sich mit Leistungen anbieten. Das haben die beiden Eberhard-Brüder getan. Für die Zukunft müssen wir auch die Jüngeren heranführen, die jetzt im IBU-Cup starten, damit wir dann möglichst die Lücke schließen können, wenn die Älteren abtreten.

LAOLA1: Wer kommt als Nächstes?

Krug: Das wird sich zeigen. In der IBU-Cup-Mannschaft ist sicherlich Michael Reiter ein potenzieller Kandidat. Und der eine oder andere auch noch. Aber wir müssen jetzt abwarten, zielstrebig arbeiten und die Jugend mit einbeziehen. Auch ein Sven Grossegger ist einer, der nächstes Jahr wieder anklopfen wird. Er war im Sommer lange krankheitsbedingt außer Gefecht gesetzt. Es sieht also gar nicht so schlecht aus.

LAOLA1: Sie haben das ÖSV-Team als „Erfolgs-Pflänzchen“ betitelt. Wie geht es dem Pflänzchen? Ist es schon gewachsen und was braucht es noch, um weiter zu gedeihen?

Krug: Wir haben auch in der Saison schon schwierige Bedingungen gehabt, beispielsweise in Östersund oder in Hochfilzen. Das begleitet uns stetig, auch im Sommer gab es schlechte Wetterbedingungen, wie etwa in Altenberg bei den deutschen Meisterschaften. Wir müssen uns einfach darauf einstellen und das Beste daraus machen.

LAOLA1: Würden Sie die Strecke in Oberhof generell eher als einfach oder als schwierig bewerten?

Krug: Es gibt knackige, steile Anstiege und lange Zieher. Die Zielgerade ist unwahrscheinlich lang und auch beim Anlauf zum Schießstand kommt direkt nach dem Anstieg eine lange Gerade. Das macht das Schießen nicht einfacher. Insgesamt ist es eher eine schwierige Strecke.

LAOLA1: Sprechen wir über die Nichtberücksichtigungen von Sumann und Mesotitsch. Wie lassen sich diese bewerten? Geben sie schon einen Hinweis auf die Entwicklung des Teams – erfolgt eine langsame Umstrukturierung?

Krug: Die Nichtnominierung von Daniel Mesotitsch erfolgte aufgrund der Leistungen im IBU-Cup, wo sich Tobias Eberhard angeboten hat. Christoph Sumann legt planmäßig eine Trainingsphase ein und wird in Ruhpolding wieder einsteigen. Wer Leistung bringt, bekommt die Möglichkeit, zu starten. Ich rechne in dieser Saison auch wieder mit einem Christoph Sumann und einem Daniel Mesotitsch - ebenso in der nächsten Saison. Wir haben aber momentan einen gesunden Konkurrenzkampf im Team. Ich kann nur fünf Startplätze besetzen und das bedeutet, dass nicht alle starten können.

LAOLA1: Julian und Tobias Eberhard scheinen jetzt durchzustarten, allerdings sind sie auch schon 26 beziehungsweise 27 Jahre alt. Wie sehen Sie die Nachwuchs-Situation des ÖSV?

Fritz Pinter ist konditionell topfit

LAOLA1: Inwiefern unterscheidet sich Ihre Arbeitsweise von der Ihres Vorgängers?

Krug: Das ist schwierig für mich einzuschätzen. Wir haben die Trainingsumfänge sowie die Intensität etwas erhöht. Jeder Trainer hat sicherlich seine eigene Handschrift. Im Endeffekt ist klar, dass es nur über hartes, kontinuierliches und zielstrebiges Training geht. Der Biathlet wird im Sommer gemacht. Bis Ende Oktober muss man sich die Grundlagen erarbeitet haben, um gut über den Winter zu kommen. Die Wettkampfsaison ist lang und hart, sie zehrt. Es sind auch viele Reisen zwischen den Wettkämpfen zu absolvieren. Wenn man da nicht von der Grundlagen- und Kraftausdauer entsprechend vorbereitet ist, wird es sicher schwierig, eine ganze Saison auf hohem Niveau durchzukommen.

LAOLA1: Führen sie viele Einzelgespräche mit den Athleten?

Krug: Ja sicherlich. Das sollte ein Geben und Nehmen sein. Mir ist auch wichtig, dass die Athleten Ihre Meinung sagen, besonders, wenn wir nicht einer Meinung sind. Das gehört dazu, es wird dann ausdiskutiert, bevor es gemeinsam nach vorne geht.

LAOLA1: Wie gefällt Ihnen die Arbeit beim ÖSV bisher?

Krug: Es macht mir sehr viel Spaß. Ich bin froh, dass ich den Schritt gegangen bin. Ich habe gewusst, dass in der Mannschaft sehr viel Potenzial steckt und viel machbar ist. Erste Früchte hat die Arbeit schon getragen, aber wir dürfen nicht locker lassen. Nächstes Jahr ist Olympia, da wollen wir noch einen Zacken drauflegen. Und längerfristig gesehen hat Hochfilzen 2017 die WM bekommen, das ist sicherlich ein Ziel – gerade für jüngere Athleten.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch. 

 

Das Interview führte Henriette Werner

Krug: Ein Stück gewachsen ist es schon, es braucht weiter Stabilität, Trainingsfleiß und harte Arbeit. Wir müssen jedes Rennen nicht nur als Wettkampf, sondern auch als Trainingsmöglichkeit sehen, um uns mit der Weltspitze messen und dadurch weiterentwickeln zu können. Man hat gesehen, dass uns speziell im Schießen noch die Stabilität fehlt. Wenn es uns gelingt, dass wir dort die angesprochene 90-Prozent-Trefferquote umsetzen können, sind wir ganz vorne dabei. Wenn uns das nicht ganz gelingt, sind wir dementsprechend weiter hinten. Da fehlt uns noch die Stabilität, beziehungsweise der Schuss Kaltschnäuzigkeit oder auch das Selbstbewusstsein, den Sack zu zu machen.

LAOLA1: Sie sind mit einem sehr guten Einstieg (zwei Podestplätze durch Dominik Landertinger und Christoph Sumann, Anm.) in die Saison gestartet. Welche Saisonziele haben Sie gesetzt?

Krug: Wir wollen in der Endabrechnung den fünften Platz im Nationencup holen, um uns für die nächste Saison wieder sechs Startplätze zu sichern. In diesem Jahr haben wir ja nur fünf. Dann war ein Ziel, den einen oder anderen Podestplatz zu erringen. Das haben wir schon geschafft. Eine Medaille bei der WM wollen wir auch holen.

LAOLA1: Fritz Pinter ist nach einigen schwierigen Jahren nun der beste ÖSV-Athlet im Gesamtweltcup – was hat sich bei ihm geändert?

Krug: Er hat konsequent trainiert und sehr hart an sich gearbeitet. Im Jahresverlauf hat er vor allem viel Stehenschießen trainiert und es verstanden, mit Start der Rennen seine Schwankungen in den Griff zu bekommen und gute Schießleistungen zu bringen. Auch konditionell ist er topfit. Der Knackpunkt wird bei Fritz sein, inwieweit er das Schießen auf hohem Niveau durchbringt. Dann kann er noch viel erreichen in dieser Saison.

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