ÖSV-Cheftrainer Krug: "Bin mit Saison zufrieden"

Aufmacherbild
 

Mit einem - aus österreichischer Sicht - beinahe pefekten Biathlon-Wochende ging die Weltcup-Saison in Khanty-Mansiysk zu Ende.

Der Sportliche Leiter des ÖSV, Markus Gandler, freute sich gegenüber der "APA" über den "großen Sprung", den das Team vollzogen hat.

"Wir sind wieder dort, wo wir schon einmal waren, aber es geht noch mehr", so der Tiroler.

Im Gespräch mit LAOLA1 erklärt Cheftrainer Remo Krug, ob er das ähnlich sieht, was im Hinblick auf Olympia 2014 noch verbessert werden kann und wie das Fazit seines ersten Jahres im ÖSV-Team ausfällt.

LAOLA1: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum tollen Saisonabschluss, Herr Krug! Auffällig ist, dass die besten Ergebnisse zu Beginn und am Ende der Saison erzielt wurden. Wie kann im Hinblick auf Olympia gewährleistet werden, dass zum Saison-Höhepunkt die Form am besten ist?

Remo Krug: Das ist eine gute Frage. Wenn ich die gleich beantworten könnte, wär es gut, aber soweit bin ich noch nicht. Natürlich wird das ein Schwerpunkt sein, dass wir im nächsten Jahr bei Olympia unsere Leistungen bringen. Aber wir haben gesehen, dass wir gut eingestiegen sind und dass wir Stehvermögen haben über die ganze Saison – zum Schluss haben wir es in der Komplexität zusammengebracht, das heißt Laufen und Schießen auf sehr hohem Niveau. Wir waren während der gesamten Saison konditionell auf einem sehr guten Niveau, unser Hauptmanko war, dass wir es nicht oft genug geschafft haben, dies mit dem Schießen in Einklang zu bringen. Das hat uns sicherlich den einen oder anderen Spitzenplatz gekostet.

LAOLA1: Welche Änderungen wird es im Trainingsaufbau geben?

Krug: Es wird individuell auf einzelne Stärken und Reserven eingegangen werden. Speziell, was das Schießen einiger Athleten betrifft - nach liegend oder stehend differenziert - werden wir einen größeren Aufwand betreiben und uns genau überlegen müssen, wie wir das angehen. Somit wird der Schießausbildung eine größere Bedeutung beigemessen, dabei werden wir aber auch das Laufen weiter forcieren. Genaueres kann ich erst Anfang April sagen, da haben wir die Analyse-Sitzung, in der wir uns gemeinsam beraten und eine Strategie beschließen.

LAOLA1: Mit Christoph Sumann hat nun ausgerechnet ein Athlet gewonnen, den Sie zwischendurch in den IBU-Cup geschickt haben. War diese Entscheidung dennoch richtig?

Krug: Auf jeden Fall war die Entscheidung richtig, weil der Leistungsverlauf in der Saison zu schwankend war, dementsprechend haben wir reagiert. Mich freut es für Christoph, dass er zum Schluss der Saison beweisen konnte, dass er punktuell in der Lage ist, Spitzenleistungen zu erbringen.

LAOLA1: Welches Fazit ziehen Sie aus der Saison? Im Januar haben sie gesagt, ihr ÖSV-Pflänzchen sei schon ein Stück gewachsen – ist es inzwischen schon eine richtige Pflanze?

Krug: Es ist sicherlich noch ein Stück weiter gewachsen. Betrachtet man das Wochenende in Khanty für sich, waren wir da die stärkste Nation - Martin Fourcade einmal ausgeklammert. So etwas über eine gesamte Saison zu schaffen, ist sehr schwierig, aber wir sind auf einem guten Weg. Bei der WM haben wir leider keine Medaille gemacht, aber wir haben Podestplätze, wir haben sehr viele Top-Ten-Ergebnisse und wir sind mannschaftlich deutlich stärker geworden als in den letzten Jahren.

LAOLA1: Welcher Athlet hat Sie heuer besonders überrascht?

Krug: Die Überlegenheit von Martin Fourcade ist schon frappierend, weil er das Feld nach Belieben beherrscht und es eigentlich nur darum geht, wer hinter ihm Zweiter wird. Umso überraschender war dann der Sieg von Sumi, obwohl Martin mit seinen Leistungen am Schießstand an dem Tag das Angebot mit fünf Fehler auch gemacht hat. Die Saison war außerdem von einer wahnsinnig hohen Leistungsdichte geprägt, mit einem extrem hohen Lauf- und Schießniveau, das haben mir alle Trainerkollegen bestätigt. Man kann sich kaum noch Fehler leisten, im Sprint muss man null schießen, im Einzel, im Verfolger, im Massenstart, wo viermal geschossen wird, darf man sich maximal einen Fehler leisten.

LAOLA1: Welche Erkenntnisse können Sie aus der Saison mitnehmen?

Krug: Sotschi war für alle neu, da muss man sich auf das Streckenprofil einstellen, die Strecken sind nicht ganz so glücklich angelegt und weisen ein sehr schweres Profil auf: Lange Anstiege und schnelle Abfahrten mit gefährlichen Kurven. Diese Erkenntnisse muss man mitnehmen und sich im Training darauf einstellen. Jeder muss an sich selbst höchste Ansprüche stellen, wenn er nächstes Jahr bei Olympia mitmischen will. Die Trauben hängen hoch: Man darf sich keine Fehler leisten und man muss nicht nur ein guter, sondern ein Topläufer sein – so lautet das Resumée dieser Saison.

LAOLA1: Wie geht es nun weiter?

Krug: In Obertilliach geht es jetzt unmittelbar mit den österreichischen Meisterschaften weiter, einige sind dann noch bei der Militärweltmeisterschaft – also die, die beim Bundesheer sind, wie etwa Landi oder Simon. Dann ist auch noch die internationale Zollmeisterschaft. Es gibt auch noch Einladungen für internationale Rennen wie zum Beispiel in Moskau. Die Saison ist noch nicht wirklich zu Ende. Ende April sollte dann Ruhe einkehren, so dass wir im Mai wieder starten können.

LAOLA1: Vielen Dank für das Interview.

 

Das Interview führte Henriette Werner

LAOLA1: Was würden Sie als Ihr persönliches Saison-Highlight bezeichnen?

Krug: Das waren die letzten drei Wettkämpfe in Khanty. Im Sprint waren wir auf den Plätzen 4,5,6 und 12. Da hat zwar das Podest noch gefehlt, aber es war eine ganz starke Mannschaftsleistung. Dann der Sieg von Sumi und der Massenstart mit Platz zwei von Landi und Platz fünf von Simon. Dort waren wir die stärkste Mannschaft und das zum Ende der Saison. Das zeigt, dass wir die Saison gut verkraftet haben und auch zum Schluss noch hochmotiviert waren. Das war bei den Slowenen zum Beispiel nicht mehr so, Jakov Fak etwa war nicht mehr in Topform. Wobei auch der Saisoneinstieg - das waren ja auch für mich als Cheftrainer die ersten Rennen – zu meinen Highlights gehört.

LAOLA1: Wie zufrieden sind Sie nun generell mit der Saison?

Krug: Ich bin insgesamt zufrieden. Wir haben eine Trendwende geschafft und den Abwärtstrend der letzten Jahre nicht nur gestoppt, sondern umgekehrt. Das muss weitergeführt werden. Wir sind noch nicht am Ziel, da wir das Potential der Mannschaft noch nicht vollkommen ausgeschöpft haben. Was wir heuer bei der WM nicht geschafft haben, soll im nächsten Jahr besser werden: Wir wollen eine Medaille bei Olympia. Dazu wollen wir uns wieder unter den Top Fünf im Nationencup etablieren - heuer haben wir das ja mit Platz fünf geschafft und dadurch im nächsten Jahr sechs Startplätze. Außerdem wollen wir das eine oder andere Mal öfter auf dem Stockerl stehen als heuer.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen