Sumann: "Mich muss keiner motivieren"

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Einer verkorksten Saison ist es zu verdanken, dass Österreichs Vorzeige-Biathlet Christoph Sumann seinen Rücktrittsbeschluss noch einmal überdachte und sich zu einer Fortsetzung seiner Karriere entschloss.

Zwei weitere Jahre will er den Weltcup-Zirkus aufmischen, ehe nach den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 endgültig Schluss sein soll.

Um einerseits seine Familie permanent um sich zu haben und andererseits neue Reize zu setzen, stand über den Sommer ein Tapetenwechsel ins Haus.

Gesundheitliche Probleme

Für zwei Jahre verlässt Familie Sumann die steirische Heimat, um ihre Zelte in Tirol aufzuschlagen. Während das Einleben in der neuen Umgebung bestens klappt, spielte die Gesundheit „Sumi“ in der Vorbereitung einen Streich.

Die Stirn- und Nebenhöhlen streikten und zwangen ihn zu einer Trainingspause. Wie der Steirer damit umging, erklärt der 36-Jährige im Interview mit LAOLA1.

Außerdem spricht der Steirer über die Veränderungen, die der Standortwechsel mit sich brachte und verrät, ob er sich nach den Enttäuschungen des letzten Winters noch als Siegläufer betrachtet.

LAOLA1: Christoph, deine Vorbereitung verlief krankheitsbedingt alles anderes als optimal. Wie sieht der Status quo aus und inwieweit konntest du verlorene Trainingszeit wieder wettmachen?

Sumann: Ja, es lief besser als erwartet. Ich habe mich null darauf vorbereitet. So gesehen bin ich gar nicht so weit weg. Im ersten Moment musste ich wegen der Pause schon schlucken. Vor allem, wenn man weiß, dass die anderen hart trainieren und Kilometer fressen und man selbst zum Nichtstun verdammt ist. Aber wer weiß, wofür es gut war.

LAOLA1: Für dich war es ein Sommer der Veränderungen, du bist mit der ganzen Familie nach Innsbruck gezogen. Habt ihr euch schon eingelebt?

Sumann: Im Großen und Ganzen ja. Den Kindern gefällt es, meiner Frau ebenfalls. Ich habe mein tägliches Training, das ist ideal. Seefeld hat alles, was ich brauche. Im November steige ich wie geplant ins Mannschaftstraining ein.

LAOLA1: Ein Ortswechsel bringt den gewohnten Tagesablauf durcheinander. Worin liegen die Vor- und Nachteile im neuen Umfeld?

Sumann: Pluspunkt ist die perfekte Infrastruktur, zudem gibt es keine langen Wege. Ich fahre in der Früh zum Training und bin zum Mittagessen wieder zuhause. Mit Seefeld habe ich die perfekte Umgebung für mein Training. Was natürlich fehlt, ist der tägliche Vergleich zu meinen Kollegen. Ich bin aber alt genug, um meine tägliche Leistung auch so einschätzen zu können. Bei den nächsten Kurstagen sehe ich dann sofort, ob meine Einschätzung richtig war oder nicht.

LAOLA1: Dein Training ist sehr individuell. Betrachtest du dich dennoch zu 100 Prozent als Teil des Teams?

Sumann: Logisch, daran ändert sich nichts. Ich freue mich ja schon wieder darauf, mit den Burschen unterwegs zu sein. Es hat aber auch gut getan, alleine zu trainieren. Ich habe es genossen. Mich muss keiner motivieren, ich weiß, was zu tun ist.

LAOLA1: Der Konkurrenzkampf innerhalb des Teams hat sich mit der schwachen letzten Saison verschärft, da ein Startplatz verloren ging und nur noch fünf vorhanden sind. Sorgst du dich um deine Teilnahme?

Sumann: Nicht wirklich. Soweit ich weiß, sind für die ersten Rennen vier Startplätze fixiert. Einer wird ein Platz ausgelaufen. Die vier sind die Staffelläufer der letzten WM.

LAOLA1: Nach Jahren unter Reinhard Gösweiner ist nun mit Remo Krug ein neuer Cheftrainer am Ruder. Was macht er anders? Wie verläuft eure Zusammenarbeit?

Christoph Sumann: Ich glaube, dass ich die verlorene Zeit gut aufgearbeitet habe. Wichtig war, dass ich das alles richtig auskuriert habe. Ich bin sicher, dass es bei mir Langzeitschäden sind und nichts Akutes. Ich habe seit Jahren Neben- und Stirnhöhlenprobleme mitgeschleppt. Das waren immer Problemzonen. Das Ganze hat sich immer weiter ausgeweitet und in diesem Sommer war dann Schluss. Im Juni habe ich mich verkühlt, danach kurz pausiert und zu früh wieder begonnen. Ich hatte Entzündungen auf beiden Seiten, eine Pause war nicht zu vermeiden.

LAOLA1: Du sprichst von Langzeitschäden. Haben die Ärzte ein Rezept gefunden, um deine Gesundheit voll wiederherzustellen?

Sumann: Bei mir geht es in die chronische Richtung. Es gab immer wieder dieselben Probleme. Leistungssport ist eben nicht gesund. Immer bei den kalten Temperaturen laufen, oft auch noch leicht angeschlagen. Dann kuriert man das nicht richtig aus und auf Dauer summiert sich das. Ob ich das je wieder loswerde? Ich wage es zu bezweifeln. Ich habe den Ärzte-Rat befolgt, Medikamente genommen und alles auskuriert. Ich war dann auch im Urlaub am Meer, was ideal war. Anfang August habe ich wieder mit dem Training begonnen, seither bin ich beschwerdefrei.

LAOLA1: Bedeutet das, dass du mit 100 Prozent in die Saison startest oder gibt es trotzdem noch Beeinträchtigungen?

Sumann: Bei 100 Prozent kann ich nicht sein, da ich doch einen Monat ausgefallen bin. Ich bin eingestiegen und musste langsam wieder anfangen. Die Summe an Intensitäten fehlt mir, was ich bei den Meisterschaften deutlich gemerkt habe.

LAOLA1: Dafür lief es mit der Silbermedaille, geschlagen nur von Dominik Landertinger, beachtlich.

Sumann: Im Grunde genommen kommunizieren wir häufig per E-Mail. Er schickt mir die Trainingspläne, die wir dann ausführlich durchgehen, um abzuklären, wie wir weiter vorgehen. Wir sind ständig in Kontakt. Es ist eine neue, eine andere Philosophie, die er hat. Ein Trainer wird immer nach den Leistungen der Mannschaft beurteilt. Daher müssen wir noch abwarten, wie es läuft.

LAOLA1: Die letzte Saison verlief mit nur drei Top-10-Resultaten äußerst mäßig. Hast du dir platzierungstechnisch Erwartungen für den kommenden Winter gesteckt?

Sumann: Es bleiben immer die gleichen Ziele. Zuhause in Hochfilzen sollte die Leistung passen, zudem gibt es eine WM in Nove Mesto, bei der die Form auch stimmen sollte. Ansonsten will ich mir nicht groß etwas vornehmen. Ich will am Punkt meine Leistung abrufen können. Ich will fit sein und so gesund wie möglich durch die Saison kommen. Dazu möchte ich so konstant wie möglich sein.

LAOLA1: Dein letzter Erfolg im Weltcup liegt knapp drei Jahre zurück. Betrachtest du dich selbst noch als Siegläufer?

Sumann: Wenn ich die letzte Saison hernehme, dann nicht. Wobei ich auch da gewinnen hätte können. Es ist sicher nicht unmöglich, Rennen zu gewinnen. Zuerst muss ich aber wieder Fuß fassen und meine Leistungen erbringen. Dann kommt das Eine zum Anderen.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Christoph Nister

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