LAOLA1: Wie wichtig ist diesbezüglich der Weltcup in Annecy?

Poiree: Ungemein wichtig. Wir haben viele Jahre dafür gekämpft, um einen Weltcup zu erhalten. Das Problem ist, dass Frankreich kein (Winter-)Sportland ist. Es geht bei uns um Fußball, weil dort Geld dahinter steckt, Formel 1 und Radsport. Das hängt auch damit zusammen, weil jeder Fußball spielen und Rad fahren kann. Es gibt auch Berge in Frankreich, aber das betrifft nur einen sehr kleinen Teil des Landes.

LAOLA1: Hast du nicht die Hoffnung, dass es stetig bergauf geht, denn die Begeisterung in Annecy war enorm und so nicht zu erwarten?

Poiree: Das liegt an den Olympischen Spielen, darum drehte sich alles. Olympia hat in Frankreich einen hohen Stellenwert. Jeder berichtet darüber, weil es nur alle vier Jahre stattfindet. Nach den Spielen ist das Interesse wieder weg.

LAOLA1: Wie schätzt du das österreichische Team ein?

Poiree: Die Österreicher leisten wirklich gute Arbeit. Landertinger hat mich im Sprint überrascht, obwohl er eigentlich keine Überraschung ist. Ich hörte aber, dass er davor krank war. Er hatte ja einige schwierige Jahre, aber jeder weiß, dass er ein ungemein schneller Läufer ist. Generell ist eines sicher: Die Österreicher haben ein tolles Team und gehören zu den stärksten.

LAOLA1: Kommen wir zu Ole Einar Björndalen, deinem langjährigen Widersacher. Er gewann im Sprint und in der Mixed-Staffel Gold. Ist er aus deiner Sicht der größte Wintersportler aller Zeiten?

Poiree: Er ist mehr als das. Wie viele Goldmedaillen er gewann, ist gar nicht so wichtig. Er ist ganz einfach DER Athlet schlechthin. Ich kenne niemanden, der seinem Sport auch nur annähernd so viel gegeben hat wie er. Er opfert so unglaublich viel, um seine Ziele zu erreichen. Ich kennen niemanden, der das ihn ähnlicher Weise durchzieht. Emil (Hegle Svendsen) ist vielleicht sogar das größere Talent, aber er ist nicht bereit, dasselbe dafür zu tun.

LAOLA1: Feiert er zu viel?

Poiree: (lacht) So möchte ich das nicht sagen. Es ist sein Lebensstil, der ihn unterscheidet.

LAOLA1: Die Konkurrenz lobt Björndalen immer für seinen starken Charakter. Wie schätzt du ihn ein?

Poiree: Er hat zwei Persönlichkeiten. Die eine betrifft den Sport. Dort will er alles im Blick haben und immer über alles die Kontrolle behalten. Auf der anderen Seite ist er ein ganz normaler Typ, der gerne schnelle Autos fährt und das Leben genießt. Er ist aber keiner, der wie andere ständig ausgeht und Partys feiert. Darin unterscheidet er sich von den meisten.

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