Sumann: "Ich stehe mit dem Rücken zur Wand"

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"Die WM wird das Größte sein, das es im Biathlon je gab", gab Christoph Sumann im September letzten Jahres bei LAOLA1 zu Protokoll.

Damit dürfte der Steirer Recht behalten, denn Ruhpolding, das Gastgeber der Titelkämpfe ist, gilt als Biathlon-Mekka und wird dem Sport eine noch nie dagewesene Show liefern.

Weltmeisterschaft ohne Sumann?

Ob "Sumi" die WM hautnah als Athlet miterleben darf, steht indes noch in den Sternen. "Ich muss mich erst einmal qualifizieren", spricht er seine durchwachsene Saison an.

"Die Ergebnisse sprechen nicht wirklich für mich." Das Glück des 36-Jährigen: "Auch die Anderen haben keine überragenden Resultate."

Nichtsdestotrotz ist die Ausgangslage für den Routinier, der seit Jahren als Aushängeschild des rot-weiß-roten Teams voranschreitet, eine ungewohnte.

"Stehe mit dem Rücken zur Wand"

"In den letzten zehn Jahren war ich im Vorfeld schon fix qualifiziert. Ich stehe mit dem Rücken zur Wand. Jetzt muss ich schauen, wie ich das meistere. Es wird schwierig."

Schwierig nicht nur aufgrund der hinter den Erwartungen liegenden Leistungen in den bisherigen Weltcups. Schwierig auch, weil Sumann angeschlagen ist.

Ein Schnupfen als Spielverderber

Nachdem er formbedingt Antholz ausließ, um sich in der Heimat gezielt auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten, warf ihn ein hartnäckiger Schnupfen in seinen Planungen zurück.

"Zunächst war er gar nicht tragisch, aber gegen Ende hin wurde er immer schlimmer." Selbst Sumanns Start beim Sprint in Oslo (14:30 Uhr) stand lange Zeit in den Sternen.

Ein Fitnesscheck brachte am Mittwoch Licht ins Dunkel: Sumann nimmt den Bewerb in Angriff.

Einzeltraining machte sich bezahlt

Wenngleich das Einzel-Training mit Cheftrainer Reinhard Gösweiner aufgrund des angeschlagenen Körpers nicht mit jener Intensität betrieben werden konnte, wie der zweifache Silbermedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele 2010 sich das vorstellte, ist er dennoch nicht unzufrieden.

Sumann braucht dringend gute Resultate

"Teilweise sieht man die Fehler, die man macht, selber gar nicht. Dafür ist der Chef da. Er hatte vier Tage Zeit für mich."

Im Rahmen eines Weltcups ein Ding der Unmöglichkeit. "Da sind sechs Leute dabei und er kann auf keinen spezifisch eingehen." Wo lag der Hund denn nun begraben?

Fehlende Puzzle-Teile gefunden?

"Im Abzugsverhalten gab es Probleme, auch an der Position habe ich etwas verändert. Ich neige dazu, (beim Schießen) nach vorne zu kippen. Das sind Sachen, die mich immer wieder belasten."

Dank seiner Extraschichten hofft Sumann, die fehlenden Puzzle-Teile, um erfolgreich zu sein, zusammensetzen zu können.

In den Körper hineinhorchen

Dem besonderen Gefühl, das ein Spitzensportler über Jahre für seinen Körper hinweg entwickelt, wird dabei eine nicht unbedeutende Rolle zuteil.

"Man merkt oft schon nach den ersten Metern, ob etwas geht oder nicht. Wenn man spürt, dass die Form kommt, tut man sich leichter. Plötzlich passt jeder Schritt."

Ähnlich verhalte es sich am Schießstand. Mit jedem fehlerfreien Schießen entwickle man mehr Sicherheit. Vieles gehe leichter von der Hand.

Gezwungen zum Sparprogramm

Während des Trainingsblocks mit Gösweiner wähnte sich Sumann auf dem richtigen Weg, letztendlich spielte ihm die Gesundheit einen Streich.

"Ich wollte ein richtig intensives Programm fahren. Am Ende wurde es ein Sparprogramm. Bleibt die Frage, ob ich gut genug vorbereitet bin."

Die Bewerbe in Oslo werden Aufschluss darüber geben. Der Ort an sich weckt in Sumann positive Gefühle. "Ich komme gerne hier her, weil der Holmenkollen ein Mythos ist. Die Stimmung ist super, das Ambiente passt."

Ein Mann für Großereignisse

Unnötig stressen will sich schlagfertige Ex-Langläufer nicht, dafür hat er in der Vergangenheit schon zu viel erlebt. Auch im letzten Winter lief es so gar nicht nach seinem Geschmack.

"Da hat im Dezember und Jänner auch nichts funktioniert", erinnert sich der zweifache Familienvater zurück. Bei der WM in Khanty Mansiysk war Sumann jedoch punktgenau in Form. Im Einzel staubte er die Bronzemedaille ab.

Es war das sechste Edelmetall, das "Mr. Großereignis" nach Hause brachte. Ruhpolding erscheint somit als genau richtige Kragenweite für den nervenstarken Sumann. Umso schlimmer wäre es, sollte er sich für "das Größte, das es im Biathlon je gab", nicht qualifizieren.

 

Christoph Nister

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