"Es gibt nichts schönzureden"

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Simon Eder: "Im Nachhinein ist man immer gescheiter"

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Ruhpolding war bislang wahrlich nicht die Weltmeisterschaft des Simon Eder.

Nicht nur, dass die Medaillen außer Reichweite waren, der 29-Jährige verpasste zudem mit den Plätzen 46 (Sprint), 34 (Verfolgung) und 23 (Einzel) auch noch die Qualifikation für den Massenstart.

Die Einzelbewerbe sind für den Salzburger damit beendet, der Staffelbewerb (Samstag, 15:15 Uhr) bietet sich somit als letzte Chance für einen versöhnlichen Abschluss.

„Man kann sich vorstellen, dass meine Bilanz durchwachsen ausfällt“, spricht er gegenüber LAOLA1 nicht lange um den heißen Brei herum.

Läuferisch ohne Chance

Während er am Schießstand durchaus mit den Besten mithalten kann, läuft es in der Loipe alles andere als nach Wunsch. „Die Laufperformance passt natürlich nicht.“

Dies sei aus gesundheitlichen Gründen der Fall. „Wenn man zwei, drei Monate nicht topfit ist, zehrt das am Körper. Die Rechnung habe ich präsentiert bekommen.“

Eder könnte unter die Autoren gehen


Schon in der Saisonvorbereitung in Finnland wurde Eder krankheitsbedingt zurückgeworfen, in den Monaten danach wurden diverse Therapiemöglichkeiten ausprobiert. „Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben“, so Eder ironisch.

Da er der Mannschaft trotzdem helfen konnte, ging er auch angeschlagen in manche Wettkämpfe. Eine längere Wettkampfpause – möglicherweise das frühzeitige Saisonaus, um bestmöglich zu regenerieren – war aus verschiedenen Gründen nahezu ein Ding der Unmöglichkeit.

Simon Eder sieht die ÖSV-Staffel in der Außenseiterrolle

In bester Gesellschaft

In Antholz klappte das ganz gut, Österreich landete auf Rang drei. Wirklich vergleichbar ist diese Staffel mit jener bei der WM freilich nicht. „Die Nerven spielen eine große Rolle, die müssen wir im Zaum halten.“

Leichter gesagt als getan, wie Eder aus eigener Erfahrung zu berichten weiß. „Es kommt immer wieder vor, dass man welche zeigt. Die Liste derer, die in der Staffel in die Strafrunde mussten, ist lang. Sie führt von Björndalen über Birnbacher zu Fourcade, auch ein Eder ist da mit dabei.“

Wichtig sei das Grundgerüst, welches ein Athlet mitbringt. Jede noch so kleine Unstimmigkeit könne zu Problemen führen „und schon geht man baden“. Man müsse darauf vorbereitet sein, dass etwas schief gehen kann und dürfe sich keinesfalls aus dem Konzept bringen lassen.

„Da gibt es nichts schönzureden“

Um auch wirklich nichts dem Zufall zu überlassen, arbeitet der Sohn von Trainer Alfred Eder mit einem Mentalcoach zusammen. „Wir haben ein paar Tricks entwickelt“, erklärt Eder Junior. „Die letzten Rennen waren in puncto Schießleistung sicher nicht verkehrt. Daran baue ich mich auf.“

Voraussetzung für einen möglichen Top-3-Platz ist ein herausragendes Schießergebnis Pflicht. „Auf jeden Fall. Läuferisch sind wir eben nicht mehr so stark wie noch vor zwei Jahren. Da gibt es nichts schönzureden.“

Schönzureden gäbe es auch nichts, wenn Österreich mit leeren Händen aus Ruhpolding abreisen müsste. „Es wäre auf jeden Fall eine Enttäuschung.“ Nachdem er diese Saison schon mehr als genug davon verkraften musste, will er sich diese ersparen.

„Wir werden alles geben – was dabei rauskommt, werden wir dann sehen.“


Christoph Nister

Hinterher ist man immer gescheiter

„Es hängt zu viel dran, das es zu berücksichtigen gilt. Es gibt Sponsoren und man hat natürlich auch hohe Erwartungen an sich selbst. Zwischendurch gibt es wieder Erfolgserlebnisse, durch die man hofft, dass es besser wird.“

Eines hat er aber gelernt: „Es wäre besser gewesen, ich wäre zwischendurch für zehn bis 14 Tage weggeflogen, um alles auszukurieren. Im Nachhinein ist man halt immer gescheiter.“

ÖSV-Team nicht unter den Topfavoriten

Eder, der aufgrund seiner Schnellfeuereinlagen den Spitznamen „Lucky Luke“ verpasst bekam („Ich finde es gut. Heutzutage muss man ja froh sein, so einen Stempel aufgedrückt zu bekommen.“, will sich jedoch nicht wirklich mit Vergangenem beschäftigen, schließlich könne man es nicht mehr ändern.

So richtet er den Fokus voll und ganz auf die Staffel. Erstmals seit Jahren zählt das österreichische Aufgebot (Eder, Sumann, Mesotitsch, Landertinger) nicht zum engsten Favoritenkreis. „Wir sind ganz klar in der Außenseiterrolle.“

Allerdings fügt der Gewinner eines Weltcuprennens an: „Eine Medaille ist durchaus möglich. Die anderen müssen auch dran glauben und am Schießstand brauchen wir das nötige Glück, das dazugehört.“

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