Neuner taucht ab - Deutsche ist kein Einzelfall

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„Nach dieser Saison ist Schluss!“

Lena Neuners Fans werden sich den 6. Dezember 2012 als Trauertag im Kalender markieren. Die deutsche Biathletin verkündete im Alter von 24 Jahren, ihre Karriere mit Ende des Winters zu beenden.

„Ich habe es mir mit Sicherheit nicht leicht gemacht. Doch mittlerweile habe ich eine Entscheidung getroffen und habe einfach das Gefühl, dass die Zeit reif ist für eine Veränderung und mich nach dem Sport etwas Neues, ganz Tolles erwartet!“, erklärte die Rekord-Weltmeisterin (zehn Titel) auf ihrer Homepage.

Heim-WM als letzter Höhepunkt

Kurz nach ihrem 25. Geburstag  (9. Februar) wird die Ausnahmeerscheinung zum letzten Mal als Loipenjägerin zu sehen sein. Die Heim-WM im Biathlon-Mekka Ruhpolding soll den letzten großen Höhepunkt einer viel zu kurzen und dennoch mit zahlreichen Highlights bespickten Karriere bilden.

Neuners Abschied – sie sehnt sich nach einem ruhigeren Leben ohne permanenten Stress und dauernder Reiserei – bedeutet nicht nur für das deutsche Team, sondern für den Biathlon-Sport im Allgemeinen einen herben Verlust.

  • Petra Kronberger

Wenn man mit 23 Jahren zwei Olympiasiege, eine WM-Goldmedaille, drei große Kristallkugeln und dazu Weltcup-Triumphe in sämtlichen Disziplinen vorweisen kann, ist es durchaus verständlich, nach neuen Herausforderungen zu suchen. So erging es Petra Kronberger, die 1992 wegen „mangelnder Motivation“ ihre Zelte im alpinen Ski-Weltcup abbrach und die Ski in die Ecke stellte. Österreichs dreifache Sportlerin des Jahres blieb bei ihrem Entschluss, sie kam nicht wieder zurück.

Viele "Sport-Frührentner"

Es wird eine Weile dauern, bis die Lücke, die die Wallgauerin hinterlässt, geschlossen werden kann. Neuner ist allerdings beileibe nicht der erste Star, der schon in jungen Jahren vom Spitzensport genug hat und sich auf andere Aufgaben konzentriert.

Auch andere Sportarten waren gezwungen, großen Aderlass zu kompensieren, nachdem sich markante Gesichter zurückzogen.

Hier eine kleine, aber keinesfalls vollständige Auswahl an prominenten „Sport-Frührentnern“:

  • Björn Borg

Sechs Siege bei den French Open, fünf Erfolge auf dem „Heiligen Rasen“ von Wimbledon: Björn Borg hatte längst Geschichte geschrieben, als er 1983 nach einem Kurzgastspiel in Monte Carlo im Alter von 26 Lenzen seinen Rücktritt bekanntgab. Während Neuners Rücktritt (vorerst) in Stein gemeißelt scheint, konnte der schwedische Filzkugeljäger nicht lange stillhalten. Mehrere Comeback-Versuche scheiterten allerdings kläglich.

Mark Spitz gewann neun Mal Olympia-Gold

  • Mark Spitz

Die Olympischen Spiele 1972 in München wurden zur großen Machtdemonstration des Mark Spitz. Mit sieben Goldmedaillen samt ebenso vielen Weltrekorden war ihm ein Ehrenplatz in der Olympia-Historie sicher. Nach insgesamt neun Goldenen (davon zwei 1968 in Mexiko City) hatte der US-Amerikaner genug. Erst in seiner Midlife-Crisis kamen Gedanken an eine Rückkehr auf. Sein Versuch, sich für Barcelona 1992 zu qualifizieren, schlug jedoch fehl.

  • Rosi Mittermaier

In Innsbruck 1976 fuhr sich Rosi Mittermaier in die Herzen der Ski-Fans. Gold in Abfahrt und Slalom standen zu Buche, zum Drüberstreuen gewann sie Silber im Riesenslalom. Da sie sich im selben Jahr auch noch Kombinations-Weltmeisterin und Gesamtweltcup-Triumphatorin schimpfen durfte, hatte sie genug gesehen und sagte „Goodbye“. Noch heute gehört „Gold-Rosi“ zu Deutschlands beliebtesten Sportler-Persönlichkeiten.

  • Ian Thorpe

In Australien hat er längst den Status eines Nationalhelden. Drei Goldmedaillen bei den Heim-Spielen in Sydney 2000 folgten vier Jahre später in Athen zwei weitere. Ian Thorpe ist damit erfolgreichster australischer Schwimmer aller Zeiten. Nach einer längeren Pause samt anschließenden Verletzungsproblemen verkündete er im November 2006 24-jährig seinen Rücktritt. Inzwischen ist dieser längst überholt, Thorpe gab 2011 sein Comeback.

Katja Seizinger trat mit 26 Jahren zurück

  • Katja Weber (geb. Seizinger)

Drei Mal war sie bei Olympischen Spielen mit von der Partie, jedes Mal brachte sie Edelmetall mit nach Hause. Insgesamt gewann die Siegerin von 36 Weltcup-Bewerben und zwei großen Kristallkugeln (1995/96, 1997/98) fünf Olympia-Medaillen (3x Gold, 2x Bronze). Mit 26 wurde es ihr schließlich zu bunt, nach einer längeren Verletzungspause hatte sie keine Lust mehr, sich weiter zu quälen. Es dauerte 13 Jahre, bis mit Maria Höfl-Riesch wieder eine Deutsche den Gesamtweltcup für sich entschied.

  • Toni Sailer

Österreichs Sportler des letzten Jahrhunderts stieg 1956 in Cortina d’Ampezzo zum internationalen Superstar empor. Der Tiroler gewann alle drei alpinen Olympia-Bewerbe (Abfahrt, Slalom und Riesenslalom). Zwei Jahre später legte er bei der WM in Bad Gastein mit drei Goldmedaillen (plus einmal Bronze) nach. Der „Schwarze Blitz aus Kitz“ war damals 22 Jahre jung, hatte aber vom Skizirkus genug. Fortan konzentrierte er sich auf seine Karriere als Filmstar.

 

Christoph Nister

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