Magdalena Neuner - auch nur ein Mensch!

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„Mein Ziel sind sechs Medaillen!“

Magdalena Neuner war noch nie um forsche Ansagen verlegen, daher setzte sie sich von Anfang an die Messlatte selbst am höchsten.

Beim letzten Großereignis ihrer Karriere wollte sie es noch einmal allen beweisen. Mit Bronze in der Mixed-Staffel, Gold im Sprint und Silber in der Verfolgung hatte sie bereits einen kompletten Medaillensatz vorzuweisen.

Einzel-Traum ist ausgeträumt

Für das Einzel hatte sie „den Traum, Gold zu gewinnen“. Es war schließlich der einzige WM-Titel, der ihr in ihrer einzigartigen Sammlung noch fehlte. Das wird auch so bleiben, da sich die 25-Jährige mit sechs Fehlern selbst aus dem Kampf um die Medaillen beförderte.

Ihre Trauer hielt sich allerdings in Grenzen. „Ein vierter Platz wäre blöder gewesen“, so die Rekord-Weltmeisterin. „Wenn, dann schon lieber gar nichts. Ich habe versucht, ruhig zu bleiben, aber irgendwie war schon nach dem ersten Schießen (zwei Fehler, Anm.) die Luft raus.“

Durch die verpasste Medaille ist nun auch der Druck zu einem gewissen Teil raus. Ein nicht unwesentlicher Faktor bei den „Neuner-Festspielen“ von Ruhpolding.

„Hatte sie nicht auf der Liste“

„Für sechs Medaillen braucht man Glück“, erklärte Trainer-Legende Wolfgang Pichler, ein gebürtiger Ruhpoldinger.

„Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass ich sie nicht auf meiner Liste hatte. Das Einzel ist nicht unbedingt ihre Disziplin.“

Der Druck hinterlässt Spuren

Ein berechtigtes Argument, konnte Neuner doch erst ein Weltcuprennen im Einzel gewinnen und blieb bei Großereignissen in dieser Disziplin stets ohne Edelmetall.

Zugleich sei auch der riesige Druck, der auf der Deutschen laste, nicht spurlos an ihr vorübergegangen. „Sie hat unglaublichen Stress. Sie versucht zwar, diesen nicht an sich rankommen zulassen und macht das richtig gut, aber ganz ausblenden kann man ihn auch nicht.“

„Irgendwann lässt die Konzentration nach“

Ähnlich denkt auch sein Bruder, Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler. „Jeder muss das Riesen-Programm, das Magdalena zu absolvieren hatte, betrachten. Irgendwann lässt auch einmal die Konzentration einen Tick nach.“

Er hofft, dass der Ausrutscher ihr „einen Schub“ verpasst, damit sie mit ihren Staffelkolleginnen und im Massenstart noch einmal zuschlagen kann.

Auch Neuner ist nur ein Mensch


„Wir hätten uns alle gewünscht, dass sie am Stockerl steht. Wir müssen aber mehr als zufrieden sein mit dem, was sie schon erreicht hat.“

Einen Punkt will der 51-Jährige unbedingt noch loswerden. Es gebe keine Maschine Neuner, die auf Medaillen getrimmt ist. Auch sie sei nur ein Mensch.

Revanche in der Staffel?


„Es ist für mich enorm wichtig, dass man sie auch so wahrnimmt. Es wäre verkehrt, wenn sich der Sport dahingehend entwickeln würde, dass man nur noch Siege erwartet.“

Biathlon zeichnet eben aus, dass viele gewinnen können. Vieles ist von der Tagesform abhängig. Dadurch ist auch die Spannung immer aufs Neue gewährleistet.“

Und wer weiß: Vielleicht gelingt Neuner ja schon in der Staffel die große Revanche.


Christoph Nister

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