Daniel Mesotitsch: "Es geht in die verkorkste Richtung"

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Er ist 35 Jahre alt, gehört seit rund einer Dekade zu Österreichs Besten und will sich in Ruhpolding einen Traum erfüllen.

Daniel Mesotitsch hat zahlreiche Weltmeisterschaften bestritten, war bei drei Olympischen Spielen dabei und heimste dabei drei Medaillen ein. Bronze in Hochfilzen 2005, Silber in Pyeongchang 2009, Silber auch in Vancouver 2010. Allesamt errungen in der Staffel.

Was fehlt, ist Edelmetall in einem Einzelbewerb. "Ich habe schon alles mitgemacht, war ganz oben und ganz unten", erklärt der Kärntner im Gespräch mit LAOLA1. "Ich habe die ganze Palette durch, einzig die Einzelmedaille fehlt noch. Das möchte ich noch packen, das motiviert mich."

"Dafür will ich mich nicht so hart plagen"

Die Vorzeichen, diesen Traum ausgerechnet in Ruhpolding, wo von 29. Februar bis 11. März die 45. Biathlon-Weltmeisterschaften ausgetragen werden, in die Tat umzusetzen, sind allerdings nicht unbedingt die besten.

Für den Loipenjäger lief es in dieser Saison nicht nach Wunsch, ein fünfter Platz im Einzel von Nove Mesto war das höchste der Gefühle. Entsprechend durchwachsen fällt auch sein bisheriges Saison-Resümee aus.

"Es geht in die verkorkste Richtung. Nach Lichtblicken folgte schnell eine Katastrophe. Mir fehlte die Konstanz, am Schießstand und in der Loipe. Mit drei Top-10-Platzierungen kann ich nicht zufrieden sein. Dafür will ich mich nicht so hart plagen."

Volle Unterstützung von der Familie

Unabhängig vom Ausgang der globalen Titelkämpfe in der bayrischen 6.000-Seelen-Gemeinde Ruhpolding bleibt Mesotitsch dem Sport auch über die Saison hinaus als Aktiver erhalten. Sotschi 2014 ist längst eingeplant. Auch, weil die Familie voll hinter dem Familienoberhaupt steht.

"Meine Familie ist stolz auf mich. Und meine Frau hat zuhause alles perfekt unter Kontrolle. Sie braucht mich nicht. Außerdem kennen es die Kinder nicht anders." Hat Mesotitsch dann mal etwas Freizeit, ist klar, dass er sie "zu 100 Prozent mit meiner Familie" verbringt.

Während Biathlon-Österreich somit weiter auf seine Dienste zählen kann, kündigte ein weiterer Leistungsträger, Christoph Sumann, an, nach diesem Winter seine Karriere zu beenden. Mesotitsch will noch nicht so recht daran glauben.

Sumanns Abschied "nicht so sicher"

"Ich bin mir gar nicht so sicher." Zwar würde er ihn nie zu überreden versuchen, doch glaubt er, dass der Steirer aufgrund seiner durchwachsenen Saison eine weitere dranhängt. "Ich hoffe doch, dass er noch so viel Kampfgeist in sich hat und sich sagt, dass man nach einer derartigen Karriere nicht so abtreten kann."

Ganz uneigennützig sieht er die Thematik natürlich nicht, Freund Sumann würde schließlich "eine große Lücke hinterlassen. Er war der erfolgreichste von uns, für die Staffel wäre sein Karriereende eine mittlere Katastrophe".

Bleibt zu hoffen, dass Sumann tatsächlich noch einmal ins Grübeln kommt. Ein Plädoyer schiebt Mesotitsch zum Abschluss noch hinterher. Der Beruf des Biathleten sei ein Traumberuf. "Wir haben eine super Trainingsgruppe, es läuft der Schmäh. Wir sind alle miteinander befreundet. Wenn dann noch Erfolg dazu kommt, gibt es doch nichts Schöneres."

 

Christoph Nister

"Es war eine komplette Katastrophe"

Mesotitsch erklärt, das Grundniveau im ÖSV-Team sei in diesem Winter nicht so hoch wie in den Jahren davor. Neben Abstimmungsschwierigkeiten punkto Material habe man auch in der Vorbereitung am Training leichte Änderungen vorgenommen. "Das hat nicht so gegriffen, wie wir uns das vorstellten."

Das Ziel müsse dennoch sein, das Ruder beim Saison-Höhepunkt herumzureißen. Schließlich erwartet die Athleten das größte Event, das es im Biathlon je gab. "Wenn Zehntausende an der Strecke stehen, beflügelt das", spürt man Mesotitsch die Vorfreude an.

Angesichts des Lärmes überlegen manche Teilnehmer, mit Ohrenstöpsel zu laufen. Für den Routinier kommt das nicht in Frage. "Das habe ich probiert, es war eine komplette Katastrophe.“ Der Grund ist simpel: „Man bekommt ja vom Rennen und von der tollen Atmosphäre nichts mehr mit."

Das Einzel als Lieblingsbewerb

In der Vergangenheit war die mitreißende Stimmung für den Routinier kein Grund, um zu Höchstform aufzulaufen. Ein 13. Platz im Massenstart 2010 steht als beste Ausbeute zu Buche. Der Familienvater nimmt es gelassen. "Das ist mir egal."

Insgesamt bieten sich ihm, der als Gesamt-26. bester ÖSV-Vertreter im Gesamtweltcup ist, drei bis maximal vier Chancen auf Einzelmetall an. Die größten sieht "Meso", wie er von seinen Kollegen genannt wird, im 20-km-Bewerb.

"Da war ich seit jeher am besten. Das Rennen liegt mir, hier habe ich zwei meiner drei Weltcuprennen gewonnen. Man kann ohne großen Stress weglaufen und das Rennen sich entwickeln lassen", erklärt er.

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