Juniorin Lisa Hauser: Die Abräumerin des Winters

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Gregor Schlierenzauer ist es nicht. Thomas Morgenstern auch nicht. Und selbst Marcel Hirscher hat keine Chance.

Mit fünf Medaillen bei Großveranstaltungen ist Lisa Hauser die große Abräumerin dieses Winters.

Zunächst gewann die 19-jährige Biathletin zweimal Edelmetall (1x Silber, 1x Bronze) bei der Junioren-Heim-Weltmeisterschaft in Obertilliach, um wenig später bei der EM in Bansko drei weitere Schmuckstücke (2x Silber, 1x Bronze) nachzulegen.

Ein Winter, den man kaum in Worte fassen kann.

Fünf Medaillen sind "unglaublich"

„Eigentlich ist es unglaublich“, erklärt die Tirolerin im Gespräch mit LAOLA1. „Die WM war schon unfassbar und jetzt noch drei weitere Medaillen – das ist eine tolle Draufgabe!“

Dabei waren die Bedingungen gerade zuletzt in Bansko alles andere als einfach. Einige Bewerbe mussten wegen des dichten Nebels verschoben und zum Teil sogar abgesagt werden.

Mit der nötigen Coolness ausgestattet

Auch den Juniorinnen wurde kräftig zugesetzt. Letztendlich konnte das Wetter Hauser jedoch nichts anhaben. „Ich habe Nervenstärke bewiesen“, erklärt das Supertalent nicht ohne Stolz.

In der Verfolgung sei sie beispielsweise bei widrigen Verhältnissen als Einzige einer Spitzengruppe stehend fehlerfrei geblieben.

„Ich denke, dass ich die nötige Coolness habe. Vor keinem einzigen Rennen in dieser Saison war ich wirklich nervös.“

Der Druck hielt sich in Grenzen

Das bewies sie auch auf höchster Ebene. Bei ihren Staffel-Einsätzen im Weltcup und bei der Weltmeisterschaft in Nové Město war sie im Gegensatz zu routinierteren Kolleginnen stets ein Ruhepol, der sich auch von der tollen Atmosphäre in den einzelnen Arenen nicht verrückt machen ließ.

Dabei gibt sie allerdings offen zu, „dass ich ganz einfach weniger Druck hatte als alle anderen.“

Nach den ereignisreichen letzten Wochen sind in diesem Winter nur noch kleinere Aufgaben zu erledigen (Alpencup, österreichische Meisterschaft), sodass aus sportlicher Sicht der Fokus bereits in die Zukunft gerichtet werden kann.

Lisa Hauser mit ihren EM-Medaillen

Erst die Matura, dann zum Heer

Davor steht allerdings auch Hausers Intellekt noch im Vordergrund. Die Schülerin befindet sich in der Maturaklasse („meine wichtigste Nebenbeschäftigung“) und will anschließend beim Bundesheer einsteigen, da dort die Trainingsmöglichkeiten für sie optimal sind.

Hauser, die als größte Stärke angibt, kameradschaftlich zu sein und sich auch mit Kolleginnen mitfreuen zu können, wenn diese einmal besser sind als sie, wirkt für eine 19-Jährige sehr abgeklärt und will deshalb auch nichts überstürzen.

Geduld nicht die größte Stärke

Logischerweise sei der Weltcup auf Dauer ein Thema, vorerst strebt sie jedoch den IBU-Cup, die zweite Liga im Biathlon, an. Dort will sie „öfter mal die Top 10 erreichen“, um den nächsten Schritt in Richtung Weltspitze zu unternehmen.

Wichtig wird dabei sein, dabei die nötige Geduld aufzubringen, was nicht unbedingt die Sache der Lisa Hauser ist. „Ich bin oft zu selbstkritisch. Selbst bei guten Ergebnissen bin ich nicht wirklich zufrieden.“

Den Stars der Szene nacheifern

Das Streben nach immer mehr zeichnet jedoch viele Spitzensportler aus, da verwundert es auch nicht, dass die Tirolerin sich von zwei Größen des Sports einiges abzuschauen versucht.

Lisa Hauser ist die Abräumerin des Winters

„Bei Martin Fourcade ist es das Laufen, er ist den anderen meistens eine Nasenlänge voraus. Simon Eder schießt dagegen unglaublich schnell. Wenn man diese Leute beobachtet, will man ihnen nacheifern.“

Spätestens bis zur Heim-Weltmeisterschaft 2017 in Hochfilzen will sie endgültig mit den Besten mithalten. „Bis dahin habe ich dann auch einige Trainingsjahre in den Beinen. Hochfilzen sollte daher ein realistisches Ziel sein.“

Vielversprechende Voraussetzungen

Am liebsten würde sie dabei aber nicht nur solo für Furore sorgen, sondern mit der kompletten rot-weiß-roten Damenmannschaft.

„Es wurden große Schritte getätigt“, streut Hauser der Arbeit des ÖSV in den letzten Jahren Rosen. Speziell im Nachwuchs gebe es zahlreiche hoffnungsvolle Talente. „Im Jugendalter gibt es richtig viele Mädchen und vor allem auch sehr gute.“

Die Voraussetzungen seien „vielversprechend“. Das gilt für die Biathletinnen allgemein, für Hauser aber ganz besonders.

 

Christoph Nister

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