Reinhard Gösweiner: Die Leiden eines Trainers

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Es wurde gehofft, gezittert, gebangt und gelitten. Am Ende hingen die Mundwinkel nach unten. Blech. Schon wieder.

Reinhard Gösweiner musste hilflos mitansehen, wie sein Schützling Daniel Mesotitsch nach dem Sprint auch in der Verfolgung eine außergewöhnliche Leistung abrief und den Besten der Welt Paroli bot, am Ende jedoch mit leeren Händen dastand.

Der Schock sei nicht leicht zu verdauen gewesen, verriet er im Gespräch mit LAOLA1.

Lange damit zu hadern bringe aber auch nichts. "Wir müssen ja nach vorne schauen zu den nächsten Bewerben."

"Das letzte Eitzerl hat leider gefehlt"

Allerdings sei der vierte Platz vom Sonntag noch eine Ecke schmerzhafter zu verarbeiten gewesen. "Es ist halt doch bitter, wenn es gleich zwei Mal so knapp hergeht."

Schon nach dem vierten Schießen, als Mesotitsch noch knapp vor dem Russen Anton Shipulin, der ihm letztendlich die erhoffte Medaille wegschnappte, wusste Gösweiner, dass es eng werden würde.

"Meso hat stark dagegen gehalten, aber das letzte Eitzerl hat leider gefehlt."

"Es hat ihn natürlich angezipft"

Trotz aller Enttäuschung ist der Oberösterreicher bemüht, das Positive hervorkehren. "Man muss mehr als zufrieden sein", gibt er zu Protokoll.

Bisher seien unter seiner Führung noch nie so gute WM-Ergebnisse in Sprint und Verfolgung rausgekommen.

Ein schwacher Trost für Mesotitsch, der weiter auf seine erste Einzel-Medaille bei einem Großereignis warten muss.

"Es hat ihn natürlich angezipft", so Gösweiner. "Er hat das aber gut im Griff. Meso weiß, dass er noch einige Chancen hat und er weiß auch, dass er sich in guter Verfassung befindet. Das ist wichtig für das Selbstvertrauen."

Sumann, das Sorgenkind

Beim Kärntner zeigt die Formkurve tatsächlich steil nach oben, er ist es, der Österreichs Punktekonto in Ruhpolding aufgebessert hat. (siehe Grafik)

Zweifelsohne muss aber auch festgehalten werden, dass der Rest des ÖSV-Teams nicht mit dem 35-Jährigen Schritt halten kann.

Speziell Christoph Sumann, in den vergangenen Jahren die Zuverlässigkeit in Person, entwickelt sich bei den Titelkämpfen zum Sorgenkind.

In der Loipe ohne Chance

Läuferisch war er meilenweit von der Spitze entfernt, im Sprint hatte er trotz fehlerfreier Schießleistung knapp zwei Minuten Rückstand auf Weltmeister Martin Fourcade (2  Fehler), im Verfolger war es kaum besser.

"Sumi hat nicht das gebracht, was wir uns erwartet hatten", redet Gösweiner nicht um den heißen Brei herum. Dabei sei der Steirer im Training auf einem Niveau mit Mesotitsch und Dominik Landertinger gewesen.

Wenig förderliche Bauchgrippe

Auch die starken Leistungen in Kontiolahti, wo der Routinier die Plätze acht und sechs als Ausbeute vorweisen konnte, sprachen für eine klar ansteigende Tendenz.

Eine Bauchgrippe warf ihn allerdings wieder zurück. "Es stellt sich die Frage, ob sie ihm doch mehr Energie gekostet hat als angenommen. Ansonsten ist es unerklärlich, dass er so weit weg war."

Eder "von Tag zu Tag stärker"

Gesundheitliche Probleme setzten auch Simon Eder kräftig zu. Um diese endlich in den Griff zu bekommen, ließ der Schnellschütze die Reise nach Finnland aus.

"Er merkt, dass er von Tag zu Tag stärker wird in der Loipe, auch beim Schießen wird es besser." Klarerweise sei der Salzburger aber noch nicht dort, wo ihn Gösweiner gerne sehen würde.

"Blackout" bei Landertinger

Vierter im Bunde ist Dominik Landertinger. Der Ex-Weltmeister verpatzte den Sprint, um in der Verfolgung eine grandiose Aufholjagd zu starten. Just als ein Top-10-Platz in Reichweite war, ging plötzlich nichts mehr.

Vier Fehler beim letzten Schießen warfen ihn weit zurück, in der Endabrechnung wurde es der enttäuschende 31. Rang. Was war passiert?

"Er sagt, es war ein Blackout. Es kommt immer wieder vor, dass man komplett von der Rolle ist."

Doch auch beim Tiroler erkennt Gösweiner Fortschritte. Diese stimmen ihn vor dem Einzel am Dienstag positiv.

Das Hoffen und Bangen geht weiter

"Im Schießen haben alle ganz gute Leistungen gebracht. Das Einzel war zudem schon die ganze Saison unsere stärkste Disziplin. Wenn die eine oder andere Laufleistung noch etwas besser wird, sind wir bestimmt konkurrenzfähig."

Ein Erfolgserlebnis in Form einer Medaille wäre enorm wichtig, nachdem dieser Winter deutlich mehr Tiefen als Höhen für Österreichs Loipenjäger parat hielt.

Da Biathlon allerdings kein Wunschkonzert ist, geht das Hoffen, Zittern, Bangen und Leiden am Dienstag weiter.

 

Christoph Nister

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