Drama, Baby!

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Schießbude Pokljuka: Dramen, Stürze und Podestplätze

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Ein dramatisches Wochenende im schönen Slowenien ist zu Ende. Den ÖSV-Herren gelang es endlich, den Bann zu brechen und aufs Podest zu klettern - und das sogar gleich zweimal.

Im Massenstart spielten sowohl bei den Damen als auch bei den Herren Stürze eine wichtige Rolle und auch der Finne Olli Hiidensalo machte Bekanntschaft mit dem Schnee auf dem Hochplateau Pokljuka.

Kaisa Mäkäräinen feierte einen Punktsieg gegen Darya Domracheva, die im Massenstart sogar K.o. ging. Bei den Herren war ein Russe der große Abräumer, machte sich aber im Lager der "Grande Nation" nicht allzu viele Freunde.

LAOLA1 mit dem Besten vom letzten Biathlon-Weltcup des Jahres in Pokljuka:

Das TRIO INFERNALE

 Erster, Zweiter, Erster - Anton Shipulin verlässt Pokljuka mit einem breiten Grinsen. Der Staffel-Olympiasieger gibt im russischen Team derzeit klar den Ton an und mischt sogar im Gesamtweltcup mit. Nur noch 25 Punkte trennen ihn von Martin Fourcade, der den Platz an der Sonne einnimmt. Im Massenstart hat er sich zwar den Zorn einiger Franzosen zugezogen (später mehr dazu), doch am Ende zählen die 174 Punkte, die er mit in die Weihnachtspause nimmt. "Ich bin natürlich sehr glücklich damit. Ich hätte nicht gedacht, im Dezember schon in so guter Form zu sein", erklärte der 27-Jährige. Ganz so überraschend kommen seine Leistungen auf der Hochebene allerdings nicht, gewann er doch im März bereits die Verfolgung von Pokljuka.

 

 Sie waren Österreichs Aushängeschilder und sie bleiben es auch. Auf Dominik Landertinger und Simon Eder ist Verlass. Der Tiroler brach den Bann und bescherte dem ÖSV-Team mit Rang zwei im Sprint den ersten Podestplatz, der Salzburger ließ sich trotz durchwachsener Ergebnisse bis dahin nicht aus der Ruhe bringen und durfte als Massenstart-Dritter seine erste Top-3-Platzierung feiern. "Das war endlich wieder einmal ein Rennen nach Plan", war vor allem Jung-Vater Eder erleichtert. Landertinger sah eine "gute Werbung für unseren Sport".

 

 Ein Unfall beim Bergsteigen hat sie weit zurück, jedoch nicht aus der Bahn geworfen. Laura Dahlmeier war gezwungen, sich die Wettkämpfe von Östersund und Hochfilzen vor dem Bildschirm anzuschauen, in Slowenien feierte sie schließlich ihr Comeback. Ein beeindruckendes, um genau zu sein. Gleich beim Saison-Debüt gelang ihr der Sprung unter die Top-10, die Deutsche wurde im Sprint Neunte. Platz fünf im Verfolger sowie erneut Position neun im Massenstart untermauerten, dass der DSV mit Dahlmeier einen echten Rohdiamanten in den eigenen Reihen hat, der den deutschen Fans in den nächsten Jahren noch jede Menge Glücksmomente bescheren wird. "Ich wollte erst zurückkommen, wenn ich hundertprozentig sicher bin, dass ich vorne mitlaufen kann. Das ist mir gelungen, es war ein sehr schönes Wochenende", freute sich die 21-Jährige.

Das TRIO FATALE

Das französische Team erwies sich nach dem Sturz von Jean-Guillaume Beatrix im Massenstart als schlechter Verlierer. "Während der Attacke im Anstieg ist Shipulin auf die Ski von Beatrix gestiegen. Das ist bereits das zweite Mal in dieser Woche. Im Sprint hat er bereits Martin Fourcade hart attackiert. Wir finden, dass er auf der Strecke zu aggressiv ist und deshalb disqualifiziert werden sollte", lautete der Protest des französischen Teams. Pikanterweise distanzierten sich die Athleten davon. "Das ist Teil des Spiels", urteilte Martin Fourcade, der einen Sturz seinerseits artistisch vermied, "ich bin sicher, dass es zu 100 Prozent keine Absicht war." Beatrix sprach zwar von einem "riskanten Manöver", glaubte aber auch, dass der Russe nie die Intention hatte, jemanden zu Fall zu bringen. Anton Shipulin entschuldigte sich bei den Franzosen, durfte den Siegerscheck aber mit nach Hause nehmen, denn die IBU sah ebenfalls keine vorsätzliche Tat und wies den Protest ab.

 

Die deutschen Herren enttäuschten in Pokljuka, abgesehen vom sechsten Rang im Sprint durch Simon Schempp blieb unseren Nachbarn ein Spitzenresultat verwehrt. Sinnbildlich für ein enttäuschendes Wochenende steht Arnd Peiffer, der als Sprint-64. die Verfolgung und zugleich auch den Massenstart verpasste. Auch Erik Lesser würde die letzten Tage nur alllzu gern aus seinem Gedächtnis streichen. Trauriger Tiefpunkt für den zweifachen Olympia-Medaillengewinner war der Massenstart, den er nach neun (!) Strafrunden abgeschlagen und einsam als Letzter beendete. "Das beste Wetter hatten wir, nur die Erfolge blieben bei mir ... irgendwo", nahm er es wenige Stunden nach dem Rennen schon wieder mit Humor. Einziger Lichtblick im DSV war übrigens Johannes Kühn, der kurzfristig ins Weltcup-Team berufen wurde und im Verfolger mit fehlerfreier Schießleistung und Rang 13 überzeugte.

 

In Östersund feierte sie noch einen Sieg im Sprint und auch in Hochfilzen landete die Norwegerin im selben Bewerb auf dem Treppchen (3.). Doch bereits im Pillerseetal zwickte und zwackte der Körper von Tiril Eckhoff. Krankheitsbedingt verzichtete sie auf eine Teilnahme am Verfolger. Ein Schicksal, das sich in Pokljuka wiederholen sollte. Eckhoff reiste vorzeitig nach dem Sprint (Rang 23) ab und rutschte dadurch im Gesamtweltcup aus den Top-Ten. Über Weihnachten will sie Kraft tanken, um in Oberhof in alter Frische wieder durchzustarten.

Kurioses

 Ungarn und Biathlon verbindet man nicht wirklich auf den ersten Blick. Doch es gibt ein paar Verrückte, die den Loipenjägern frönen. Da sie keinen "Local Hero" haben, feuern sie die Französin Anais Besond lautstark an. Im Massenstart pushten sie ihren Liebling immerhin zu Rang zwei.

 

In Hochfilzen erwischte es Miriam Gössner, diesmal offenbarte Annelies Cook Schwächen im Einmaleins. "Biathlon ist ein lustiger, komplizierter Sport", führte die Amerikanerin aus. "Nach einer so netten letzten Woche war ich wirklich guter Dinge. ABER, eine Strafrunde zu vergessen nach meinem Liegendfehler = zwei Minuten Zeitstrafe. Ein Anfänger-Fehler, der bedeutet, dass mein Rennwochenende vorbei ist." Und weil aller guten Dinge drei sind, fabrizierte einen Tag nach Cook Teamkollegin Hannah Dreissigacker genau denselben Fehler.

Für eine "Brezn" zeichnete Olli Hiidensalo verantwortlich. Auf einer der Highspeed-Abfahrten kam der Finne zu Fall und stürzte mit voller Wucht in den Schnee. Heftige Abschürfungen (siehe Diashow) waren die Folge, zudem erlitt er eine leichte Gehirnerschütterung. "Ich brauche jetzt ein paar Tage Ruhe", meinte das Sturzopfer. Wie passend, dass Weihnachten die stillste Zeit des Jahres ist.

Hiidensalo war beileibe nicht der einzige, der den slowenischen Schnee küsste. Auch Timofey Lapshin, der dabei einen Ski verlor, oder Andreas Birnbacher machten damit Bekanntschaft. Besonders spektakulär war der Purzelbaum, den Darya Domracheva schlug. Die Weißrussin kam gerade aus einer Strafrunde, die Französin Sophie Boilley bog in selbige ein. Da passierte es - die beiden berührten sich und die Weißrussin flog in hohem Bogen auf den Boden. Dabei verlor sie zwei Magazine und musste zur Ersatzwaffe greifen. Vier Strafrunden im zweiten Liegendanschlag waren die Folge, entnervt warf sie daraufhin das Handtuch und gab w.o. "Macht euch keine Sorgen, mir geht's gut", ließ sie ihre Fans wissen. Im Weltcup hat sie nun allerdings schon 119 Punkte Rückstand auf Kaisa Mäkäräinen.

Was sonst noch auffiel

Valj Semerenko überzeugte in Slowenien am Schießstand: 96 Prozent aller Schüsse trafen an diesem Wochenende ins Ziel. Nur ein einziger Schuss ging daneben.


Timofey Lapshin war im Verfolger - betrachtet man die Netto-Zeit - der Beste und machte unglaubliche 39 Positionen gut. Benjamin Weger legte zum ersten Mal in seiner Karriere die beste Laufzeit hin, Emil Hegle Svendsen und Johannes Kühn blieben als einzige fehlerfrei.

 

Johannes Thingnes Boe war in Pokljuka bei weitem der Schnellste in der Loipe, allerdings auch der schlechteste Schütze der besten 40 Athleten: Der Norweger traf nur mit 74 Prozent seiner Schüsse ins Schwarze.


 Gabriela Soukalova ist zurück! Nach ihrem schlechten Saisonstart gelang es der Tschechin, am Ort ihres Premieren-Weltcup-Sieges den Sprint für sich zu entscheiden und ihren ersten Saisonsieg zu feiern. Kein Zufall, denn für "Gabi" ist Pokljuka "ein zweites Zuhause", verbrachte sie doch große Teile ihrer Vorbereitung im Nationalpark Triglav.

 

Reihenweise Bestleistungen brachte der Damen-Sprint am Donnerstag. Rosanna Crawford, die schon in Hochfilzen tolle Form bewies, landete auf Rang vier und schrammte hauchdünn an ihrem ersten Podestplatz vorbei. Die erst 18-jährige Französin Justine Braisaz schrieb als 14. an, die um zehn Jahre ältere US-Amerikanerin Hannah Dreissigacker wurde 17 und Kaia Nicolaisen (NOR/24) holte als 29. erstmals in ihrer Karriere Punkte.


Geschichte schrieb Fuyuko Suzuki bereits vor einigen Wochen, als sie beim IBU-Cup in Beitostölen als erste Japanerin das Podest enterte. Für Furore sorgte sie auch in Slowenien, denn ihre beiden zwölften Plätze (Sprint und Verfolgung) waren die besten Resultate einer Japanerin seit Ryoko Takahashis achtem Platz im März 2001.


Nicole Gontier und Pokljuka - das ist die ganz große Liebe. Ihre fünf besten Weltcup-Ergebnisse hat die Italienerin errungen in ... na klar: Pokljuka. Rang acht war überhaupt das bisherige Highlight ihrer Karriere. Wenn wir schon bei den Italienerinnen sind: Die sind absolut "on fire"! Sowohl im Sprint, als auch in der Verfolgung brachten unsere südlichen Nachbarn mit Gontier, Dorothea Wierer und Karin Oberhofer jeweils drei Athletinnen in die Top Ten. Hut ab!

Rot-weiß-rote Brille

*) Nachdem er im IBU-Cup mit Rang zwei überzeugte, wurde Sven Grossegger zurück ins Weltcup-Team berufen. Seine Bilanz: Rang 43 im Sprint, damit einhergehend die Qualifikation für die Verfolgung, wo er mit Rang 24 sein drittbestes Karriere-Resultat einfuhr und zahlreiche Weltcup-Punkte sammelte.

*) Bei David Komatz ist der Wurm drin. Nachdem es schon beim Heim-Weltcup nicht nach Wunsch klappte, wurde ihm auch in Slowenien der Liegenanschlag zum Verhängnis. Drei Fehler und Rang 67 bedeuteten das frühe Aus nach dem Sprint.

*) Höchst erfreulich waren erneut die Leistungen der ÖSV-Ladies. Erstmals überhaupt gelang es mit Lisa Hauser (17. im Sprint), Vorjahressiegerin Katharina Innerhofer (24.) und Dunja Zdouc (37.) gleich drei Athletinnen, sich in die Punkteränge zu schieben. Hauser wurde überdies aufgrund ihrer Konstanz mit ihrer ersten Massenstart-Teilnahme belohnt.

 

 Die Sprüche des Wochenendes

"Da ich keine guten Ergebnisse erziele, gibt es für mich keine Motivation, weiter zumachen", Sergey Sedney hat das ukrainische Team verlassen.

 "Totgesagte leben länger!" Simon Eders Podestplatz war die Antwort auf seine Kritiker.

 

Henriette Werner/Christoph Nister

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