Schießbude aus Oslo: Ein "Trottel" und zwei Verliebte

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Der Valentinstag ließ nicht nur die Herzen vieler Fans beim Anblick ihrer Biathlon-Stars höher schlagen, auch die Sportler selbst ließen sich herzerwärmende Nachrichten zukommen.

Martin Fourcade musste lernen, dass man niemals zu früh jubelt und wurde von Christoph Sumann als "Trottel" bezeichnet - allerdings aus einem anderen Grund.

Im ÖSV-Team feierte eine Läuferin ihr Debüt und die Herren konnten endlich wieder überzeugen. Die Norweger hingegen traten stark geschwächt zum Heim-Weltcup an, scheinen aber den Grund für ihre schlechten Leistungen ausgemacht zu haben.

LAOLA1 blickt wie gewohnt auf die Ereignisse des Weltcup-Wochenendes zurück und präsentiert euch die Schießbude aus Oslo:

Das TRIO INFERNALE

Mit der hohen Startnummer 70 ins Rennen gegangen, überraschte Arnd Peiffer im Sprint die gesamte Konkurrenz und feierte dank fehlerfreiem Schießen sowie einer starken Leistung in der Loipe seinen siebenten Weltcup-Sieg - den ersten seit drei Jahren. Dabei nahm der Deutsche Martin Fourcade den bereits sicher geglaubten Erfolg um gerade einmal 3,3 Sekunden ab und sorgte für einen Krimi der besonderen Art, nach welchem sich der Franzose als fairer Verlierer erwies. Auf "Facebook" bekannt er, seine Lektion gelernt zu haben: "Jubele niemals zu früh, vor allem, wenn ein Peiffer in der Nähe ist".

 

 Der Bann ist gebrochen! Österreichs Staffel kommt rechtzeitig vor der WM in Schuss und landet erstmals in dieser Saison auf dem Podest. Daniel Mesotitsch, Simon Eder, Sven Grossegger und Dominik Landertinger zeigen eine geschlossen starke Mannschaftsleistung und landen hinter Russland und Deutschland auf Rang drei. "Das Stehendschießen war ein Horror, weil mir der Wind so stark in die Augen blies, dass sie zu tränen begonnen haben. Das war ein harter Kampf, die Scheiben abzuarbeiten", gestand "Landi" nach dem Rennen. Umso größer war die Freude über den souveränden Sprung auf das Treppchen (die viertplatzierten Tschechen lagen beinahe 40 Sekunden zurück).

 

Nach Rang sieben im Einzel konnte Anton Shipulin im Sprint mit Rang drei seinen bereits sechsten Podiumsplatz in diesem Winter einfahren. Der Russe schoss in allen drei Bewerben nur zweimal daneben und sorgte in der Staffel für den Sieg: Er hängte den Deutschen Simon Schempp auf der Zielgeraden ab und bewies eindrucksvoll seine gute Laufform. Auch in der Gesamtwertung kann er noch eine Rolle spielen - momentan liegt er mit 684 Zählern hinter Fourcade (777) und Simon Schempp (699) auf Rang drei, rechnet man allerdings die Streichergebnisse mit ein, schiebt er sich sieben Rennen vor Saisonende bereis auf Platz zwei.

Das TRIO FATALE


Für Teamkollege Dmitry Malyshko läuft es in dieser Saison hingegen gar nicht nach Plan. War es der Russe in den letzten Jahren gewohnt, um den Sieg oder zumindest einen Podestplatz mitzulaufen und auch im Gesamtklassement um die Top Ten zu kreisen, liegt er dort derzeit gerade einmal auf Rang 27. In Oslo standen mit Platz 38 im Einzel sowie Rang 35 im Sprint einmal mehr keine berauschenden Ergebnisse zu Buche. Lediglich in der Staffel durfte der Russe dank seiner Teamkollegen einen Sieg feiern, allerdings brachte er diesen mit einer Strafrunde sowie drei Nachladern beinahe noch ins Wanken.

 

Es ist Jammern auf hohem Niveau, doch auch für den Überflieger der letzten Rennen, Simon Schempp, verlief der letzte Weltcup vor der WM nicht nach Wunsch. Im Einzel kam der Deutsche aufgrund dreier Schießfehler nur auf Rang 27, im Sprint (13.) reichte es ebenfalls nicht für die Top Ten. Damit riss nicht nur seine eindrucksvolle Podiumsserie - zuvor stand er sechsmal in Serie auf dem Stockerl - er verlor zudem auch wertvolle Punkte im Kampf um den Gesamtweltcup, da Martin Fourcade Rang eins und zwei einfuhr. 78 Punkte liegt der Deutsche nun bereits hinter dem Franzosen (vor Oslo waren es gerade einmal sechs). Auch in der Staffel vergab der sonst so sichere Schütze aufgrund zweier Fehlschüsse sowie dem verlorenen Zielsprint gegen Shipulin den Sieg.

 

In der letzten Schießbude dominierten die Norweger die Enttäuschungen des Wochenendes, auch beim Heim-Weltcup gab es keinen Podestplatz für die erfolgsverwöhnten Wikinger (siehe weiter unten). Die Staffel landete aufgrund von neun Nachladern und schlechten Zeiten in der Loipe nur auf Rang neun. Der Hauptgrund für die enttäuschend verlaufende Saison scheint nun aber gefunden: Das Material. Schon den ganzen Winter läuft bei der Präparation der Ski wohl nicht alles rund. "Um erfolgreich zu sein, benötigen wir nicht nur gutes Training, sondern auch gute Ski", sprach Emil Hegle Svendsen das Problem an.

Unzertrennlich 1: Felix und Miri

  Die Liebesbeziehung zwischen Miriam Gössner und Felix Neureuther ist längst bekannt, im Winter sind sie allerdings berufsbedingt häufig getrennt. So auch am Valentinstag. "Willst du mein Valentin sein?", fragte sie ihn via "Instagram" und fügte an, glücklich verliebt zu sein. Die Antwort des Ski-Stars ließ nicht lange auf sich warten. "Schönen Valentinstag, Mimi!!! Ich würde dich bis ans andere Ende der Welt tragen." Als Sahnehäubchen lief es für beide auch noch sportlich nach Wunsch. Gössner zeigte eine starke Staffelleistung, während Neureuther bei der WM in Beaver Creek zu Slalom-Bronze raste.

 

Mit dem fünften Platz im Einzel sowie Rang sieben im Sprint erlebte Monika Hojnisz das beste Weltcup-Wochenende ihrer Karriere. Nur bei der WM 2013 erreichte die Polin, die ebenso wie Laura Dahlmeier alle Scheiben in den Individual-Bewerben traf, mit der Bronze-Medaille ein noch besserers Resultat.

 

Aufschwung: Rang fünf in der Staffel bedeutete das beste Ergebnis einer kanadischen Herren-Staffel in der Weltcup-Geschichte. Die Brüder Christian und Gow Scott sowie Nathan Smith und Brendan Green benötigten ebenso nur sechs Nachlader wie Deutschland und Österreich. Smith und Green überzeugen seit Wochen bereits immer wieder mit starken Leistungen, in Oslo fuhr ersterer einen beachtlichen 12. Rang im Einzel ein.

Was sonst noch auffiel


Der Schweizer Benjamin Weger blieb erstmals seit den Schweizer Meisterschaften 2013 fehlerfrei und platzierte sich auf Rang fünf. Damit landete er bereits das fünfte Mal in dieser Saison in den Top Ten.

 

Bereits zum dritten Mal konnte das tschechische Damen-Team um Eva Puskarcikova, Gabriela Soukalova, Jitka Landova und Veronika Vitkova, welches bei fünf Rennen fünfmal in derselben Besetzung antrat, eine Staffel für sich entscheiden. Damit führen sie diese Wertung an und gehen als Favoriten bei der WM an den Start.

 

Der Lauf von Laura Dahlmeier hält an: Im Einzel verpasste sie mit Rang vier nur knapp die Top 3, im Sprint musste sie sich nur Darya Domracheva geschlagen geben. Der zweite Rang ist bereits ihr vierter Podestplatz in den letzten sechs Rennen. Klammert man die Staffel aus, traf die 21-Jährige alle Scheiben und schob sich im Gesamtklassement auf Rang 14 vor - womit sie sich direkt für das WM-Massenstartrennen qualifiziert hat.

 

Die Französin Marie Dorin Habert stellte am Holmenkollen erneut ihre tolle Laufform unter Beweis (bereits zum fünften Mal in Folge gehörte sie zu den vier Schnellsten in der Loipe) und durfte sich mit Rang drei im Sprint über den ersten Podiumsplatz nach ihrer Babypause freuen. Insgesamt war es der neunte Stockerlrang ihrer Karriere.

Gabriela Soukalova singt ein Ständchen und alle tanzen:

 

 

Kurioses

 

Unglaublich, welchen Aderlass die Norweger ausgerechnet beim Heimweltcup zu verkraften hatten. Ole Einar Björndalen begab sich aufgrund nicht zufriedenstellender Leistungen in ein Höhentrainingslager, Emil Hegle Svendsen, Tarjei Boe und Erlend Bjöntegaard mussten aus gesundheitlichen Gründen passen. Der einzig verbliebene Star war Johannes Thingnes Boe. Es war jedoch nicht der 21-Jährige, der für das Highlight bei den Herren sorgte, sondern Lars Helge Birkeland. Aus dem Nichts kommend zeigte er wenige Tage nach seinem 27. Geburtstag, dass er zu mehr im Stande ist, als nur die Rolle des Wasserträgers auszufüllen. Im Sprint reichte es für Rang fünf, dem zweitbesten Ergebnis seiner Karriere.

 

Endlich hat sie es geschafft. Es ist kaum zu glauben, doch vor ihrem beeindruckenden Einzel-Sieg stand Kaisa Mäkäräinen in Oslo noch nie auf dem Podest. Es war der einzige traditionelle Weltcup-Ort, der der Finnin auf ihrer Liste noch fehlte. Dennoch musste sie nach Rang 24 im Sprint ihre Führung im Gesamtweltcup an Darya Domracheva, die nun zehn Punkte mehr auf dem Konto hat, abgeben. Doch noch sind sieben Rennen zu absolvieren...

Unzertrennlich 2: Biathlon und Tora Berger

 

Möchte man das Schießen lernen, kann man dies bei der zweifachen Olympiasiegerin Tora Berger tun. Die Norwegerin, die im April ein Kind ewartet und dennoch beinahe jeden Tag auf Skiern steht, ist unter die Lehrenden gegangen. "Ich bringe nun norwegischen Kindern Biathlon näher - das ist jetzt mein neuer Job", so die 33-Jährige gegenüber der "ARD". Ein Comeback schließt sie derzeit aus.

 

Rot-weiß-rote Brille


*) Es war nicht das Wochenende der Lisa Hauser. Am Donnerstag als Einzel-27. noch gut gestartet, sollte es am Samstag und Sonntag nicht nach Wunsch verlaufen. Mit Rang 41 schrammte sie im Sprint hauchdünn an den Punkten vorbei, in der Staffel musste die sonst so sichere Schützin liegend gleich vier Mal in die Strafrunde. "Tut mir leid für meine Kolleginnen", verkündete sie. Beim nächsten Mal werde es wieder besser klappen. Das nächste Mal ist übrigens bei der WM ...

 

*) Ein weiterer ÖSV-Rohdiamant durfte sich auf der großen Bühne präsentieren. Magdalena Fankhauser bestritt in der Staffel ihr Weltcup-Debüt und zeigte eine ansprechende Leistung. Liegend benötigte sie zwei Nachlader, stehend kam sie ohne aus. Die 19-Jährige empfahl sich durchaus für weitere Auftritte.

 

*)  "Die Schlussrunde war unvorstellbar. Der Körper wollte nicht mehr an Martin Fourcade dranbleiben, aber der Geist war heute stärker. Das war absolut am oder sogar über dem Limit", so Dominik Landertinger, der langsam wieder zu seiner Form zurückfindet, nach Rang neun im Sprint.         

 

 *) Es geht doch! Sven Grossegger und Daniel Mesotitsch machten Werbung in eigener Sache und empfahlen sich für ein WM-Ticket. Grossegger holte im Sprint als 28. wertvolle Punkte und glänzte in der Staffel, Mesotitsch gelang mit Rang 17 im Sprint seine zweitbeste Saisonplatzierung.

Sprüche des Wochenendes


 "Des is a Trottel!" - Christoph Sumann scherzte über die Sprung-und-Telemark-Einlage von Martin Fourcade.

 

Der Franzose selbst, der mit Rang eins und zwei vor den Augen seiner Freundin, die im Stadion am Holmenkollen anwesend war, seine Führung im Gesamtweltcup ausbauen konnte, zollte seinem schärfsten Konkurrenten Tribut: "Ich habe Simon Schempp zu danken, er gab mir die Motivation, mich selbst zu verbessen."

 

Henriette Werner / Christoph Nister

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