Ruhpolding: Ein Rekord, ein Dieb und eine Liaison

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Es war die Rückkehr an den WM-Ort der letzten Saison - der Biathlon-Zirkus gastierte wieder einmal im oberbayrischen Ruhpolding.

Sechs Wettkämpfe wurden in der 6.000-Seelen-Gemeinde ausgetragen. Sechs Bewerbe voller Spannung, Dramatik und Höhepunkte.

Liaison, Diebstahl, Comebacks

Doch nicht nur auf der Loipe und am Schießstand hat sich einiges getan, auch abseits der Wettkämpfe ging es hoch her.

Eine Liaison sorgte ebenso für Gesprächsstoff wie ein "Diebstahl" des Franzosen Martin Fourcade, dazu gab es jede Menge Comebacks.

Die Biathlon-Woche in Ruhpolding im Rückspiegel:

 

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+ + + Die ÖSV-Staffel der Damen um Lisa Hauser, Christina Rieder, Romana Schrempf und Iris Schwabl gelang mit Rang elf und nur vier Schießfehlern das bisher beste Staffelergebnis, noch nie zuvor beendetete eine Damen-Staffel aus Österreich einen Staffelbewerb. + + +

 

+ + + Stark lief es auch für die rot-weiß-roten Herren. Knapp ein Jahr mussten sie warten, ehe sie wieder einmal auf dem Stockerl Platz nehmen durften. Simon Eder, Fritz Pinter, Dominik Landertinger und Christoph Sumann landeten im WM-Ort von 2012 auf Platz drei und mussten sich nur Frankreich und Norwegen geschlagen geben. + + +

+ + + 40 Schüsse, 40 Treffer: Neben Ruhpolding-Dreifach-Sieger Martin Fourcade vollbrachte auch der für Ole Einar Björndalen eingesprungene Lars Helge Birkeland diese ungewöhnliche Leistung. Für Birkeland sprangen dabei mit Platz zwei in der Staffel, Platz sechs im Sprint und Platz zehn im Massenstart die ersten Top-Ten-Platzierungen seiner Karriere heraus. + + +

 

 + + + Martin Fourcade erwies sich nach dem Staffel-Sieg der Franzosen einmal mehr als Familienmensch. "Ich bin richtig stolz auf meinen Bruder", lobte er Simon, der zu Saisonbeginn verletzungsbedingt zum Zuschauen verdammt war. "Es freut mich, dass er sich so schnell erholt und so ein starkes Rennen abgeliefert hat. Ich bin froh, dass er wieder bei uns ist." + + +

 

+ + + Die letzten Wochen waren für Kaisa Mäkäräinen nicht einfach, doch just an ihrem 30. Geburtstag fand die Finnin zurück in die Erfolgsspur. "Heute werde ich 29+1 Jahre alt. Kein Mann, kein Haus, keine Kinder, keine Ausbildung. Ein Leben nur für den Sport! Viel Erfolg und Freude, aber auch Tränen und Schweiß. Ich habe es genossen. Jeder Tag bietet eine neue Chance, um ein neues Kapitel zu schreiben. Heute heißt sie Sprint in Ruhpolding", teilte sie ihren Fans mit, um prompt auf Platz drei zu landen und erstmals im neuen Jahr den Sprung auf das Podest zu schaffen. Wir gratulieren herzlich - im doppelten Sinne! + + +

+ + + Und wieder einmal hat Amor im Biathlon-Zirkus zugeschlagen! Gerüchten zufolge hat sich "König" Ole Einar Björndalen neu verliebt. Die Auserkorene soll keine Geringere als Darya Domracheva sein. Die beiden wurden händchenhaltend ertappt und sollen im siebenten Himmel schweben, eine offizielle Bestätigung steht freilich noch aus. + + +


Flop

 

+ + + Im Staffel-Liegendschießen lief es für Michal Slesingr noch nach Wunsch, der Tscheche kam ohne Nachlader durch. Was allerdings stehend passierte, kann sich der 29-Jährige wohl selbst nicht erklären. Slesingr fabrizierte zwei Strafrunden und übergab nur an 25. Stelle unter 26 Startern. Selbst Biathlon-"Entwicklungsländer" wie Japan, Kasachstan oder Großbritannien waren schneller. + + +

 

+ + + Biathlon unter Fluchtlicht - spektakuläre (TV-)Bilder sind dabei garantiert. Während die WM noch untertags über die Bühne ging, fanden in diesem Jahr gleich vier Rennen am Abend statt. Nicht wirklich zur Freude der Verantwortlichen. "Die Angelegenheit mit den Nachtrennen ist uns grundsätzlich nicht so recht", hält Bürgermeister und OK-Präsident Claus Pichler mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Die Kosten seien enorm: 250.000 Euro für die Installationen zusätzlicher Lampen, hinzu gesellen sich Ausgaben für temporäre Lichtanlagen und hohe Stromkosten. + + +

 

+ + + Erik Lesser erwischte im Massenstart einen rabenschwarzen Tag: Bereits vor dem ersten Schießen kam er zu Sturz, anschließend schoss er insgesamt sechs Fehler und landete auf dem letzten Platz. Dieser hielt das faire Publikum in Ruhpolding nicht davon ab, Lesser bei jedem Schuss anzufeuern. Auch die letzte Dame im Massenstart, Gabriela Soukalova, wurde bis zum Ende begeistert bejubelt. + + +

Wiederkehrer


+ + + Ann Kristin Aafedt Flatland kehrte nach ihrer Babypause äußerst erfolgreich zurück: Mit Platz eins in der Staffel meldete sich die Norwegerin eindrucksvoll zurück. + + +



+ + + Auch Kathrin Lang (ehemals Hitzer) startete als junge Mutter nur sechs Monate nach der Geburt ihrer Torchter Lenia Maria in Ruhpolding ihr Comeback und schlug sich als 67. achtbar, wobei ihr die Platzierung nicht so wichtig war. "Ich bin überglücklich, das alles wieder erleben zu dürfen", strahlte sie im Ziel. + + +

 

+ + + Erstmals seit ihrem Rücktritt ließ sich auch Deutschlands Sportlerin des Jahres, Magdalena Neuner, wieder bei einem Weltcup-Bewerb blicken. Die Rekord-Weltmeisterin genoss dabei ihre Rolle als Zuseherin. "Zuschauen ist schon viel entspannter", erklärte die 25-Jährige, "aber ich bin trotzdem noch voll dabei".

 

+ + + Atemwegsprobleme machten Tarjei Boe das Leben in der Vorbereitungsphase schwer, der Norweger musste deshalb die ersten Weltcup-Stationen allesamt auslassen. In der Staffel feierte der ehemalige Gesamtweltcup-Sieger sein Comeback. "Es war ein persönlicher Sieg für mich", zeigte er sich gegenüber "Dagbladet" erleichtert. "Mit jedem Workout fühle ich mich besser und besser."

Kurioses

 

+ + + Rutschig: Carl Johan Bergman und Erik Lesser stürzten in derselben Kurve des Staffelbewerbes. Auch die schnellste Frau - Miriam Gössner - kam in der Staffel zu Fall. Auf ihrer Heim- und Hausstrecke gehörte auch Rückkehrerin Kathrin Lang (mehr dazu weiter unten) zu den Sturzopfern. "Es hat mich zwischendurch hingeschmissen", nahm sie es locker. + + +

 

+ + + Das Interview, das Russen-Trainer Wolfgang Pichler der "Welt" gab, mutete doch etwas seltsam an. Darin verteidigte er Wladimir Putin nach Kräften. "In Russland gibt es schon eine Art Demokratie, sie ist nur anders als bei uns. Wir müssen fair bleiben, bei uns wird viel zu einseitig berichtet, aber so richtig einseitig." + + +

 

+ + + Miriam Gössner ist die überragende Athletin auf den Biathlon-Loipen dieser Welt. Da ihr in dieser Hinsicht keine Konkurrentin gewachsen scheint, schielt die Deutsche auf die Nordische Ski-WM. Ein Antreten im Langlauf käme der 22-Jährigen nicht ungelegen. "Ich stehe generell sehr positiv zu der Sache", so Gössner, die 2010 Olympia-Silber mit der DSV-Staffel gewann. "Ich würde gerne noch mal im Langlauf starten wollen." + + +

 

+ + + Eigentlich sollte man meinen, Martin Fourcade hat keinen Grund, sich bei der Konkurrenz zu bedienen. Der Franzose hat sich allerdings einen Scherz erlaubt und Fritz Pinter bei der Siegerehrung der Staffel eiskalt "bestohlen" (Video). Hinterher gab er den Schießriemen natürlich wieder zurück, doch das ÖSV-Team bittet auf seiner Facebook-Seite bereits um Hilfe, wie man sich an Fourcade revanchieren könnte. + + +

Spruch des Wochenendes

"Das war definitiv nicht mein bestes Rennen heute", hatte Sprint-Siegerin Miriam Gössner nach ihrem Sieg-Lauf erstmal kein gutes Gefühl. "Es war heute irgendwie komisch zu laufen, es war so glatt, ich bin koordinativ hin- und hergeschwommen."

 

Henriette Werner/Christoph Nister

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