Von Zähnen, Monden und Stürzen

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Sumann und der Vollmond - Das Biathlon-Wochenende

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Endlich ist sie losgegangen, die Saison der Biathleten.

Nach monatelangem hartem Training war in Östersund die Stunde gekommen, um die Karten auf den Tisch zu legen.

Wer hat im Sommer am besten gearbeitet? Wer hat die Zügel etwas schleifen lassen? Im hohen Norden wurden erstmals die Messer gewetzt.

Für manche Teams entwickelten sich die Bewerbe zu einem Offenbarungseid, andere wiederum reisen mit einem guten Gefühl nach Hochfilzen, wo ab Freitag der zweite Weltcup über die Bühne geht.

LAOLA1 blickt auf ein spannendes Biathlon-Wochenende zurück:

Top


+ + + Starker Auftakt für die ÖSV-Biathleten: Nach dem zweiten Platz von Dominik Landertinger im Einzel belegte Christoph Sumann im Sprint Rang drei. Cheftrainer Remo Krug war mit den Leistungen seines Teams zufrieden: "Die Richtung stimmt, wir können mit breiter Brust nach Hochfilzen reisen." + + +

+ + + Mit zwei Podestplätzen haben die österreichischen Biathleten damit in der neuen Saison an einem Wochenende schon mehr Stockerlplätze erreicht als in der gesamten letzten Saison. + + +

+ + + Neben der Weltcup- überzeugte auch die IBU-Cup-Mannschaft. Julian Eberhard gewann drei der bisher vier Bewerbe (allesamt im Sprint), zudem sorgten Bruder Tobias und Michael Reiter für weitere Spitzenplätze. Der von den Verantwortlichen geforderte Druck der zweiten Garde auf die "Etablierten" könnte größer kaum sein. + + +

Leguellec schrieb Biathlon-Geschichte

+ + + Überraschungssieger Jean Philippe Leguellec sorgte im Sprint für den ersten kanadischen Weltcup-Erfolg im Herren-Biathlon. Bei den Damen war das Myriam Bedarf in den 90er Jahren fünf Mal gelungen. + + +

+ + + Tora Berger dominierte bei den Damen das Wochenende: Ihr gelang der Sieg-Hattrick im Einzel, Sprint und Verfolgung. Mit nunmehr fünf Siegen sowie insgesamt acht Podestplätzen avancierte Östersund zu ihrem erfolgreichsten Weltcup-Ort. + + +

+ + + In Abwesenheit seines Bruders Simon Fourcade, der aufgrund eines Kompartmentsyndroms den Weltcupauftakt verpasste, gewinnt Martin Fourcade im Einzel und - von Platz zehn gestartet - auch in der Verfolgung. + + +

+ + + Schon am ersten Weltcup-Wochenende gab es allerhand Überraschungen. Erik Lesser (GER), bisher noch nie besser als 22., durfte sich über die Ränge drei, 13 und 14 freuen. Auch die Russin Ekaterina Glazyrina (Dritte im Einzel) sowie die Ukrainerin Olena Pidhrushna (Zweite im Sprint) standen erstmals in ihrer Karriere am Podium. + + +

 

Flop

 

+ + + Die im Vorjahr mannschaftlich so stark aufgetretenen US-Amerikaner konnten in Schweden nicht überzeugen. Mit Ausnahme von Tim Burke, der im Sprint 13. wurde und in der Verfolgung als 15. die Ziellinie überquerte, kam niemand auch nur in die Nähe eines Top-10-Platzes.

+ + + Läuferisch gab Kaisa Mäkäräinen in den ersten Bewerben den Ton an, wirklich genutzt hat ihr das allerdings wenig. Die Finnin hat sich bei den Schießeinheiten stets aus dem Spitzenfeld geschossen. Ihre Trefferquote von bislang nur 70, 3 Prozent bedeutet Negativ-Wert unter den Top 40 des Gesamtweltcups. Besonders erschreckend sind ihre 56 Prozent im Stehendanschlag.

 

Kurioses


Mut zur Lücke: Gössner verlor einen Zahn

+ + + Nach dem Einzelrennen machte sich die deutsche Miriam Gössner (LAOLA1-Interview) noch einmal auf die Strecke - sie hatte einen Zahn verloren. Es handelte sich dabei um ein Provisorium, welches sie nach einer komplizierten Zahn-OP eingesetzt bekam. Die 22-Jährige nahm es jedoch mit Humor. "Ich habe ihn gleich in der zweiten Runde verloren, aber ich konnte auch nicht anhalten. Und dann sind so viele Mädels rübergelaufen, da war nichts mehr", beschrieb sie ihre vergebliche Suche. + + +

+ + + Stolpern oder in ihrem Fall Stürzen ins Glück: Auf dem Weg zu ihren Siegen stürzte Tora Berger an diesem Wochenende zweimal in derselben Kurve - trotzdem war ihr der Hattrick von Östersturz nicht zu nehmen. + + +

+ + + Vor Schreck vergaß Jean Philippe Leguellec, nach seinem Sieg zur Pressekonferenz zu gehen und fuhr stattdessen in den Wald zum Auslaufen. "Wenn man nie auf dem Podium stand, weiß man das ja nicht", lachte der 27-Jährige, als man ihn schließlich wiederfand. + + +

+ + + Vor einem Jahr noch wegen ihrer Schwangerschaft eine der großen Abwesenden, klopft Jung-Mutter Ann Kristin Flatland nun wieder lautstark an die Weltcup-Tür. Mit zwei Erfolgen im IBU-Cup hat die Norwegerin Ansprüche angemeldet. In ihrer derzeitigen Verfassung wäre sie auch für die Beletage des Biathlons eine Bereicherung. + + +

 


Spruch des Wochenendes


+ + + Christoph Sumann fand gewohnt locker eine Erklärung für seinen schwachen Auftritt im Einzel (34.): "Jemand hat mir gesagt, es war Vollmond, da lag es sicher daran, dass ich so ein beschissenes Rennen geliefert habe. Das war wirklich furchtbar und überhaupt nicht nötig, daher war das (Sprint-)Ergebnis heute definitiv mehr, als ich erwartet habe!" + + +

 

Henriette Werner / Christoph Nister

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