Erfrierungen als "Mitbringsel"

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Hochfilzen '12: Erfrierungen, Rücktritte, Heimatgefühle

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Das zweite Biathlon-Wochenende ist vorüber, Hochfilzen präsentierte sich wieder einmal von seiner besten Seite und servierte schönstes Winterwetter mit viel Schnee und Sonnenschein.

Wer hat beim Heimweltcup überzeugt, wer enttäuscht? Was gab es abseits der Strecke Kurioses zu berichten? Und warum treten plötzlich so viele Olympiasieger zurück?

LAOLA1 mit dem Rückblick auf abwechslungsreiche Biathlon-Wettbewerbe in Hochfilzen:

 

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+ + + Den ersten Weltcup-Sieg ihrer Karriere holte Synnoeve Solemdal in Hochfilzen. Die Norwegerin strahlte nach dem Sieg in der Verfolgung: “Ich bin so glücklich heute! Ich mache seit 2002 Biathlon, davon habe ich immer geträumt". Die 23-Jährige hatte zuvor im Einzelwettbewerb noch nie auf dem Podest eines Weltcup-Rennens gestanden. + + +

+ + + Ein zweiter Platz im Sprint, ein dritter in der Verfolgung, als Draufgabe der Sieg mit der Staffel - Tora Berger hat nun auch im Pillerseetal den Sprung auf das Stockerl eines Einzelbewerbs geschafft. Damit gelang es der Norwegerin, in allen aktuellen Weltcup-Orten zumindest einmal auf dem Podest zu landen. + + +

Kurioses


+ + + Das hat die Welt noch nicht gesehen. Am Sonntag ging erstmals in der Biathlon-Historie ein Staffelbewerb über die Bühne, in dem ein Teilnehmerland drei Schwestern aufbot. Das „Dreimäderl-Haus“ der Gasparins – Selina, Elisa und Aita – nahm gemeinsam mit Ladina Meier-Ruge die 4x6 Kilometer in Angriff. Auch wenn der „Sister-Act“ einen Spitzenplatz verpasste, so ging für die Gasparin-Schwestern dennoch ein lang gehegter Traum in Erfüllung. + + +

+ + + Die skandinavische Kälte setzte Natalya Burdyga ordentlich zu. Leichte Erfrierungen an den Zehen brachte sie als „Mitbringsel“ aus Östersund mit ins Pillerseetal. „Sie kann keine Schuhe anziehen“, erklärt der ukrainische Biathlon-Präsident Vladimir Brynzak nach den Wettkämpfen im hohen Norden. Die 29-Jährige erholte sich rasch, biss zudem auf die Zähne und war bereits im Sprint von Hochfilzen (Rang 34) wieder im Einsatz. + + +

+ + + Die Geheimniskrämerei seitens der „Wikinger“ war groß nach dem Saisonstart. Emil Hegle Svendsen und Ole Einar Björndalen hatten offenbar eine neue Wunderwaffe entwickelt. Nur im übertragenen Sinne, denn nicht die Waffe war neu, sondern die Schuhe. Steifer sollen sie sein und eine bessere Kraftübertragung ermöglichen. Beide Athleten hielten sich bedeckt, Fotos wurden den Fotografen strengstens untersagt. Ist dies das Geheimnis des Staffelgewinns der Norweger? + + +

+ + + Der Norweger Henrik L’Abee-Lund sprang in der Staffel kurzfristig für seinen Teamkollegen Svendsen ein. Der Wechsel von Vetle Sjastad Chistiansen kam wohl etwas überraschend, denn L’Abee-Lund war noch nicht einmal in den Stockschlaufen. Nichtsdestotrotz lief der 26-Jährige die norwegische Staffel souverän zum Sieg. + + +

+ + + Zwar gab es auch heuer keinen Podestplatz für das österreichische Team, doch mit zwei vierten Plätzen fuhren Fritz Pinter sowie die ÖSV-Staffel nur ganz knapp am Stockerl vorbei. Für Pinter endete eine lange Durststrecke: Mit dem sechsten Platz im Einzel von Östersund und dem vierten Platz im Sprint von Hochfilzen fuhr er erstmals seit über drei Jahren wieder in die Top-Ten. "Man sollte niemanden abschreiben. Ich habe immer an mich geglaubt", freute sich der Routinier. + + +

+ + + Hauchdünne Entscheidung zwischen Andreas Birnbacher und Martin Fourcade: 0,4 Sekunden trennten den deutschen Sprint-Sieger am Ende vom Zweitplatzierten Franzosen. Das knappe Ergebnis machte Fourcade bei der Siegerehrung noch einmal deutlich und stellte einen Fuß ganz oben aufs Treppchen, während er mit dem anderen unten stehen blieb. + + +

 

Flop


+ + +  Platz 34 im Sprint, 14. in der Verfolgung - diese Ergebnisse schienen Emil Hegle Svendsen nicht sonderlich gut gefallen zu haben. Die Staffel bestritt der zweifache Olympiasieger und mehrfache Weltmeister zumindest kurzerhand "aus privaten Gründen" nicht und reiste vorzeitig aus Hochfilzen ab. + + +

+ + + Im letzten Winter noch der mit Abständ stärkste Österreicher, läuft es für Daniel Mesotitsch bislang alles andere als rund. Nach schwachen Ergebnissen in Östersund musste er in den Einzelbewerben von Hochfilzen für Julian Eberhard Platz machen. In der Staffel wollte er seine Chancen nützen, patzte jedoch beim Stehendanschlag und musste in die Strafrunde. + + +

+ + + Klemen Bauer erwies seinem Team in der Staffel einen Bärendienst: Dreimal musste der Slowene in die Strafrunde. Damit kamen Jakov Fak, Peter Dokl, Lenart Oblak und Bauer nicht über Platz 18 hinaus. + + +

Verletzung

+ + + Grüße aus dem Krankenhaus: „Zum Saisonstart konnte ich meine rote Startnummer nicht tragen … ich revanchiere mich und trage sie nach meiner Operation im Krankenhaus“. Das Foto davon veröffentlichte Simon Fourcade auf seiner Facebook-Seite. Der Franzose musste sich aufgrund eines Kompartment-Syndroms im Unterschenkel, das zur Verminderung der Gewebedurchblutung führt, einem operativen Eingriff unterziehen. Wir wünschen gute Besserung. + + +

 

Rücktritte

+ + + „Aus, Schluss, vorbei“, lautete am Mittwoch die Schlagzeile. Michael Greis kündigte in seinem „Eurosport“-Blog seinen Rückzug vom aktiven Leistungssport an. Beim Einzel in Östersund habe er gemerkt: „Hey Michi, hier fehlt etwas. Und zwar was ganz Entscheidendes.“ Der Kampfgeist und Biss, der ihn immer auszeichnete, war verloren gegangen. Was auf ewig bleibt, sind je drei Olympia- und WM-Goldmedaillen sowie sein Gesamtweltcupsieg in der Saison 2006/07. Mach’s gut, Michi! + + +

+ + + Rücktritte in der Saison scheinen in Mode gekommen zu sein: Mit Vincent Jay gibt der zweite Olympiasieger (2010 holte er Gold im Sprint von Vancouver) seinen Abschied bekannt. Nach der Verfolgung in Hochfilzen begründete er seinen Rückzug damit, nicht mehr an vergangene Erfolge anknüpfen zu können. "Seit drei Jahren arbeite ich hart, vielleicht härter als viele andere Biathleten. Ich kämpfe, um mein Niveau wieder zu finden. Heute sehe ich es ein, dass ich es nicht mehr schaffen werde", so Jay auf seiner Homepage. "Natürlich hätte ich gerne meine Leistung in Sotchi wiederholt. Aber ich weiß, dass ich sportlich gesehen nicht dazu in der Lage bin". Zum Abschied lief Jay mit der Staffel noch einmal auf Platz zwei. Au revoir, Vincent! + + +

 

Spruch des Wochenendes

+ + + Gab es auch keinen Heimsieg für das ÖSV-Team, hat zumindest einer gewonnen, der sich in Hochfilzen zu Hause fühlt: Andreas Birnbacher sagte nach seinem Sieg im Sprint von Hochfilzen: "Ich habe gewusst, dass ich ein gutes Rennen hatte, aber dass es so gut ist, hätte ich nicht gedacht! Hochfilzen ist ja fast wie meine Heimat, ich wohne 30 Minuten von hier, das gibt zusätzlich Motivation!“ + + +

 

Henriette Werner/Christoph Nister

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