Grossegger vor WM-Debüt: "Es ist eine große Ehre"

Aufmacherbild
 

Es geht Schlag auf Schlag. Auf die Ski-WM in Vail/Beaver Creek folgte die Nordische WM in Falun und nun beginnt bereits die Biathlon-WM in Kontiolahti. Den Auftakt macht am Donnerstag um 17:15 Uhr die Mixed-Staffel.

Die knapp 15.000-Seelen Gemeinde im Osten Finnlands ist bereits zum dritten Mal Austragungsort einer Weltmeisterschaft der Loipenjäger - bereits 1990 und 1999 war die Welt-Elite des Biathlonsports hier zu Gast.

Medaillen gab es bisher in Kontiolahti keine für Österreich, allerdings war Ludwig Gredler 1999 mit Rang vier im Sprint sowie Platz fünf im Massenstart ganz nah dran.

Platz 17 verbessern

Im Jahr 2015 gibt es mit sechs Bewerben (Mixed-Staffel, Sprint, Verfolgung, Einzel, Staffel, Massenstart) einige Möglichkeiten auf Edelmetall. "Wenn man zu einer WM fährt, will man natürlich eine Medaille", gab Chefcoach Reinhard Gösweiner im Vorfeld der Titelkämpfe die Parole aus.

Lisa Theresa Hauser, Katharina Innerhofer, Sven Grossegger und Simon Eder vertreten zum Auftakt die rot-weiß-roten Farben - es gilt, einen 17. Platz von vor zwei Jahren in Nove Mesto zu verbessern.

Grossegger feiert dabei sieben Jahre nach seiner Weltcup-Premiere sein WM-Debüt.

"Es ist eine große Ehre, überhaupt bei der WM zu sein und sehr schön, dass man das Vertrauen der Trainer bekommt und die Chance hat, sich in den Rennen zu beweisen. Das ist einfach ein tolles Gefühl", freut sich der 27-Jährige im Gespräch mit LAOLA1. "Es sind alle fit und gut vorbereitet. Wenn jeder macht, was er kann, haben wir eine gute Chance auf eine Top-Platzierung", so der Salzburger, der die Favoriten-Rolle bei großen Nationen wie Norwegen, Tschechien oder Deutschland sieht.

Überrascht

Für die WM empfahl sich Grossegger, der in Nove Mesto auch den erstmals im Weltcup ausgetragenen Single-Mixed-Bewerb ("Das Format ist noch nicht so ganz ausgereift") bestritt, nicht zuletzt durch seine guten Leistung in Oslo. Gemeinsam mit dem ÖSV-Team erklomm er das Podest ("Das war ein sehr gutes Gefühl. Es hat alles super zusammengepasst"), zudem holte er als 28. des Sprints Weltcup-Punkte.

"Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet", kommentiert er seine Mixed-Staffel-Nominierung. "Aber ich habe mich im Weltcup in der normalen Staffel gut etabliert und gute Leistungen gebracht. Ich freue mich und werde mein Bestes geben, dann wird morgen sicher etwas Gutes herausschauen."

Nötiges Glück fehlte bislang

Mit seiner bisherigen Saison ist Grossegger "sehr zufrieden" - in Nove Mesto stand ein 18. Rang in seiner Lieblings-Disziplin, dem Verfolger, als bestes Einzel-Ergebnis zu Buche.

"Leider hat es im Sprint nicht ganz hingehauen, dass ich zweimal null schieße und mal ganz vorne bin, aber im Verfolger habe ich mich immer ganz gut nach vorne gearbeitet", bilanziert er.

Warum es insgesamt bislang im ÖSV-Team noch nicht so nach Wunsch läuft, weiß er allerdings auch nicht. "Wir verstehen es selbst nicht. Es ist schwierig, zu sagen. Jeder will null schießen, aber das ist nicht immer so ganz einfach. Alle wollen gute Platzierungen und haben gut gearbeitet, aber das Quäntchen Glück hat bisher meistens gefehlt."

"Möchte mich beweisen"

Nichtsdestotrotz gibt er die Hoffnung auf eine Medaille für Österreich nicht auf. "In den Einzelbewerben haben wir sicherlich mit Simon und Landi gute Chancen. Es können immer Überraschungen kommen. In der Staffel ist die Medaillenchance sicher gegeben", so Grossegger, der seine eigenen Ziele naturgemäß niedriger ansetzt. "Ich möchte meine Leistung bringen und mich beweisen, meine Vorzüge zeigen und mich für weitere Starts empfehlen."

Langfristig soll es natürlich nicht dabei bleiben. Ein berühmtes Vorbild gibt es für ihn gleich in der eigenen Familie: Grosseggers Mutter Andrea ist die bislang einzige österreichische Biathletin, die eine WM-Medaille gewinnen konnte.

"Ich sage mal, ich möchte natürlich auch gerne mal eine Medaillen machen", lacht er. "Es war eine super Leistung und ist ein Ansporn für mich, das gleich zu schaffen." Gedrängt wurde er trotz der 'familiären Vorbelastung' allerdings nie zum Sport.

Kein leichter Weg

"Wir hatten die Option, doch mein Bruder studiert zum Beispiel Bauingenieurswesen, obwohl er auch die Gene und super Voraussetzungen gehabt hätte. Aber er hat sich für einen anderen Weg entschieden und meine Eltern haben uns nie gedrängt", berichtet der Saalfeldener, den vor zwei Jahren eine Herzmuskelentzündung ziemlich aus der Bahn geworfen hatte.

"Nach meiner sehr guten Saison 2011/12, in der ich die WM nur knapp verpasst habe, hat mich eine Herzmuskelentzündung um zwei Jahre zurückgehauen. Jetzt bin ich wieder da und hoffe auf Gutes für die Zukunft", hat der 27-Jährige nie aufgegeben und sich innerhalb von zwei Jahren wieder an die Weltspitze herangekämpft.

"Ich habe keine Probleme mehr", sagt Grossegger, der sich am liebsten mit einem Buch vom Druck der Bewerbe ablenkt. "Ich lese zurzeit das Buch „Heilpflanzen der Homöopathie“, das ist sehr informativ, es geht um Heilkunde und man lernt, wofür man einige Pflanzen verwenden kann und verbessert seine Allgemeinbildung", berichtet er von seiner doch eher ungewöhnlichen Lektüre, fügt aber hinzu, dass ihm auch Musik beim Abschalten und Relaxen helfe.

Keine guten Bedingungen

Bleibt noch ein Punkt zu klären, den niemand beeinflussen kann: Das Wetter.

Derzeit sind die Bedingungen in Kontiolathi mit Plusgraden nicht gerade perfekt.

"Es ist zurzeit ein bissl wärmer und nass, die Spur ist tief. Ich weiß nicht, ob sie salzen werden, aber ich hoffe, dass es gerechte Rennen gibt, in denen auch die hinteren Starter gute Platzierungen einfahren können."

 

Henriette Werner

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen