Premiere: Österreichs erste Damen-WM-Staffel

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Österreich rühmt sich seit Jahrzehnten als Wintersportland.

Zu Recht, feierten die Alpinen, Skispringer, Kombinierer oder Biathlon-Herren doch zahlreiche Erfolge.

Die Biathlon-Damen wurden hingegen lange etwas stiefmütterlich behandelt.

Bis Markus Gandler das Ziel verfolgte, auch in diesem Bereich ein Team auf die Beine zu stellen, das in absehbarer Zeit konkurrenzfähig ist.

Erste WM-Staffel der Geschichte

In Ruhpolding erfolgt nun ein wichtiger Schritt auf dem Weg nach oben. Erstmals in der Geschichte stellt der ÖSV eine Damen-Staffel.

„Wir sind schon stolz, machen uns aber keinen besonderen Druck“, erklärte Iris Waldhuber, die im Einzel mit Rang 32 zu überzeugen wusste.

Neben ihr leisten auch Ramona Düringer, Katharina Innerhofer und Romana Schrempf Pionierarbeit. LAOLA1 stellt das Quartett vor und bat auch Trainer Markus Michelak um eine kurze Einschätzung seiner Schützlinge:

Ramona Düringer

2. Dezember 1989

Vorarlberg

"Die Ruhige"

Die 22-Jährige war einst Langläuferin, ehe sie Ende des letzten Jahrzehnts erstmals zur Waffe griff. „Es war meine letzte Chance, sonst hätte ich wohl mit dem Sport aufgehört. Der ÖSV hat mir diese Möglichkeit angeboten“, so die Vorarlbergerin, die lange Zeit mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte und erst seit einigen Wochen beschwerdefrei trainieren kann.

Neben Familie und Freunden war auch Mentaltraining eine wichtige Unterstützung, um den Mut nicht zu verlieren. „Ich mache das seit ein paar Monaten. Je nach Situation wird der Kontakt intensiviert. Mir persönlich hat es extrem geholfen.“ In der Staffel kommt sie als Dritte zum Einsatz. Ihr Ziel: „Möglichst gut schießen.“

Markus Michelaks Einschätzung: „Bei Ramona ist es so, dass wir läuferisch nicht dort sind, wo wir Ende letzter Saison waren. Das erklärt sich damit, dass bis August alles nach Plan funktionierte, sie danach aber immer wieder krank war. Die Saison war eigentlich beendet, ehe es plötzlich wieder besser ging und wir fünf Wochen gut trainieren konnten. Mit ihrer körperlichen Verfassung hat sie im Einzel das Maximum rausgeholt.“

Katharina Innerhofer

17. Jänner 1991

Salzburg

"Das Küken"

Mit 20 Jahren ist sie die Jüngste im Bunde und zugleich die Unerfahrenste. Zum Biathlon kam sie, weil in ihrer Heimat Maria Alm all ihre Freunde diesen Sport ausprobierten. „Ich habe daher auch mitgemacht. Mir hat es Spaß bereitet, darum bin ich dabei geblieben.“In ihrer Entwicklung ging es lange steil bergauf, momentan muss die Salzburgerin kleinere Brötchen backen.

„In den letzten beiden Jahren gingen große Schritte nach vorne, momentan sind es eher kleine.“ Rückschläge hakt sie schnell ab, „es kommen ja wieder neue Rennen“. Für die Staffel hat sie einen Wunsch: Das Rennen zu Ende zu laufen. Bislang wurden die ÖSV-Damen im Weltcup wegen Überrundung aus dem Bewerb genommen. „Es wäre schon mal schön, fertig zu laufen.“

Markus Michelaks Einschätzung: „Kathi kam wie Ramona im letzten Jahr zum Bundesheer. Die Grundausbildung war sicher eine Umstellung. Die Entwicklung ist nicht ganz so groß gewesen, wie wir es gerne gesehen hätten. Sie kann sich sowohl im läuferischen Bereich, als auch im Schießen noch enorm entwickeln. Liegend ist sie schon sehr gut, stehend haben wir Probleme.“

Romana Schrempf

24. November 1986

Steiermark

"Die Mama"

Die 25-Jährige ist die einzige im Kreis der ÖSV-Ladies, die bereits verheiratet ist und einen Sohn hat. Ihre Familie nennt Schrempf als größte Motivationsquelle, Biathlon übt für sie einen besonderen Reiz aus, da „man nie weiß, wie es ausgeht. Es kann immer alles passieren, in jedem Rennen werden die Karten neu gemischt.“

Mit einem 21. Platz in Hochfilzen sorgte die Ennstalerin für das beste Saisonergebnis, ihr größtes Manko ist für die ehemalige Langläuferin das Schießen. Ihr persönlicher Anspruch für die WM-Staffel: „Ich will gut starten und nicht viel Zeit verlieren, um gut an Iris übergeben zu können.“

Markus Michelaks Einschätzung: „Romana ist die älteste und hat die größte Lebenserfahrung, was natürlich prägt. Ihr Saisoneinstieg hat sehr gut gepasst. Wir wollten schauen, dass sie Weltcup-Punkte macht und den Anschluss zur Weltspitze verringert. In der Saison hatten wir dann das eine oder andere Problem beim Schießen. Ich traue ihr aber auf alle Fälle zu, dass sie in absehbarer Zeit mit den Besten mithält.“

Iris Waldhuber

2. Juli 1987

Steiermark

"Die Ungeduldige"

In Sachen Biathlon ist die aus Aigen im Ennstal stammende Steirerin die mit Abstand erfahrenste. Im Junioren-Bereich gewann sie bereits WM-Gold, weshalb sie beim Sprung in den Weltcup größere Schritte erwartet hatte. „Ich hätte mir schon vorgestellt, dass alles schneller geht. Ich bin wahrscheinlich zu ungeduldig.“

Bei den Titelkämpfen in Ruhpolding machte Waldhuber unangenehme Erfahrungen mit Idioten, die sich Fans schimpfen. „Da wurde reingeschrien: Du fette Sau, beweg dich rauf!“ Den Mut ließ sie sich davon nicht nehmen, die 24-Jährige konterte im Einzel mit Rang 32 und der Einstellung ihres besten Resultats in der Elite. Ihr Motto für die Staffel: „Ich will mein Ding durchziehen.“

Markus Michelaks Einschätzung: “Bei Iris hat im Training vor der Saison alles gut gepasst. Im Weltcup kam sie aber nicht auf Touren, die Rennen verliefen nicht nach Wunsch. Nachdem es über Weihnachten Besserung gab, wurde sie krank. Antholz sollte als EM-Vorbereitung dienen, doch das war ein Fehler. Es war zu früh, sie bekam den Gnadenstoß. Mit ihren WM-Rennen muss ich sehr zufrieden sein.“

Christoph Nister

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