Biathlon-WM-Awards: And the winner is ...

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240.000 Zuschauer gaben sich bei der Biathlon-WM in Ruhpolding die Ehre.

1.200 ehrenamtliche Helfer stellten sich in den Dienst der guten Sache, 800 Medienvertreter berichteten vor Ort über das Saison-Highlight.

110 Kilogramm Brezlsalz wurden vor einem Rennen auf der Strecke verteilt, in Deutschland lockten die Bewerbe durchschnittlich mehr als fünf Millionen Menschen vor die TV-Schirme.

Zehn Nationen durften sich über den Gewinn einer Medaille freuen, Österreich zählte leider nicht dazu.

In knapp zwei Wochen beehrten Adelige die Titelkämpfe, kristallierten sich Hauptdarsteller heraus und wurden zahlreiche schöne, aber auch bittere Geschichten geschrieben.

Aus diesem Anlass vergibt LAOLA1 die Biathlon-WM-Awards. And the winners are ...

  •  Bestes Familien-Drama

Kommt er oder kommt er nicht? Das war hier die Frage! Carl Johan Bergman entschied sich trotz bevorstehender Geburt seines ersten Kindes mit Frau und Ex-Biathletin Liv Kjersti kurzfristig für die Teilnahme an Sprint und Verfolgung. Und siehe da: Erst schnappte er Daniel Mesotitsch am Samstag Sprint-Bronze vor der Nase weg, um am Sonntag Silber nachzulegen. Gold folgte am wettkampffreien Montag: Bergman wurde Vater einer gesunden Tochter. Kitschiger als jede Hollywood-Schnulze!

  • Beste Filmmusik

„Simply the best“, „The winner takes it all“, „We are the champions“ – man kennt sie, die immer gleichen Lieder, die für gewöhnlich bei Siegerehrungen gespielt werden. In Oberbayern hat man sich daher etwas einfallen lassen und entgegen des Trends Klassiker ausgepackt, die nicht unbedingt dem Sport zuzuordnen sind. So erklangen Töne des mehrfach Oscar-prämierten Blockbusters „Forrest Gump“. Irgendwie passend bei all den „Lauf, Lena, lauf!“-Rufen.

Martin Fourcade & Magdalena Neuner räumten die Hauptdarsteller-Preise ab

  • Bester Hauptdarsteller

Gold im Sprint und im Verfolger, Silber in der Staffel und zum Abschluss noch einmal Gold im Massenstart: Auf die Frage nach dem besten Hauptdarsteller gibt es nur eine Antwort: Martin Fourcade! Der Franzose hatte die Konkurrenz läuferisch derart im Griff, dass er die eine oder andere Strafrunde locker wettzumachen im Stande war. So ganz nebenbei gelang ihm auch eine kleine Vorentscheidung im Kampf um den Gesamtweltcup.

  • Beste Hauptdarstellerin

Sie ging als große Favoritin ins Rennen und hielt dem Druck stand. Magdalena Neuner räumte bei ihrer letzten Weltmeisterschaft groß ab und verlässt Ruhpolding mit vier Medaillen – zwei aus Gold, eine aus Silber und eine aus Bronze. Trotz des riesigen Medienrummels und der Fanbelagerung blieb die 25-Jährige cool und baute ihre Vormachtstellung als erfolgreichste Biathletin aller Zeiten eindrucksvoll aus.

  • Bodenständigster Adeliger

Als akkreditierter Medienvertreter ist man befugt, direkt hinter den Trainern das Geschehen am Schießstand zu beobachten. Diese Chance darf man sich keinesfalls entgehen lassen, dachte ich bei der Damen-Staffel, und gönnte mir den Bewerb aus nächster Nähe. Direkt neben mir machte es sich niemand Geringerer als Fürst Albert von Monaco bequem. Und eines sei verraten: Während sich andere VIPs gerne mal für etwas Besseres halten, zeigte das Oberhaupt der Familie Grimaldi keinerlei Allüren. Der 53-Jährige hat ein Herz für den Wintersport und stellte mit seiner Präsenz selbst "Kaiser" Franz Beckenbauer klar in den Schatten.

Fischer ging vor Andrea Henkel in die Knie

  • Beste Ehrdarbietung

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zweier deutscher Oscar-Anwärter. Miriam Gössner küsste während der Staffel unfreiwillig in einem Anstieg den Boden und erklärte dies nach dem Rennen wie folgt: "Ich wollte mich nur mal vor den Trainern verbeugen." Der Titel blieb der 21-Jährigen jedoch knapp verwehrt. Fritz Fischer, Co-Trainer der Herren-Mannschaft, ging in Ehrfurcht vor der Leistung von Schlussläuferin Andrea Henkel auf deren Schlussrunde, als die Goldmedaille so gut wie in trockenen Tüchern war, ehrfürchtig in die Knie, um sich zu verneigen.

  • Bestes Original-Drehbuch

Die Mixed-Staffel genießt nun wahrlich nicht das größte Prestige unter den Biathlon-Bewerben. In Ruhpolding belehrte sie sämtliche Kritiker eines Besseren. Simon Fourcade zerschoss Frankreichs Medaillen-Träume, Ole Einar Björndalen musste in die Strafrunde, Arnd Peiffer zeigte Nerven und verschenkte deutsches Gold und Slowenien überquerte als erstes Team die Ziellinie. Noch nicht genug? Kein Problem, es kam schließlich noch besser: Norwegen legte Protest ein, die Schießanlage spielte verrückt und die „Wikinger“ bekamen doch noch Gold.

  • Bestes adaptiertes Drehbuch

Erinnert ihr euch noch an die Damen-Staffel von Khanty Mansiysk? Falls nicht, hier die Kurzzusammenfassung. Miriam Gössner musste in die Strafrunde, Deutschland war abgeschlagen. Magdalena Neuner riss das Ruder herum und unsere Lieblingsnachbarn gewannen Gold. In diesem Jahr tauschten die beiden die Rollen. Neuner lief 150 Extrameter, während Gössner ihr Team trotz eines Sturzes auf die Siegerstraße führte. Schlussläuferin Andrea Henkel brachte den Sieg souverän nach Hause. War das unter den Zimmerkolleginnen Gössner und Neuner etwa so abgesprochen? „Nein, nein“, lachte Gössner bei LAOLA1. „Aber man könnte es fast glauben.“

Vom Deutschen zum Wikinger: Der Fans rechts bekam den Helm geschenkt

  • Bestes Kostümdesign

Zuschauer mit Schießscheiben am Kopf, angemalt in ihren Landesfarben, eingehüllt in Fahnen oder ausgerüstet mit Schals und Fan-Shirts. Die rund 240.000 Besucher ließen sich allerhand einfallen. Zwei „Elche“ toppten alles: Mit Wikinger-Helmen und Elch-Geweihen ausgerüstet stapften sie Tag für Tag an die Strecke, um ihre Lieblinge aus dem hohen Norden anzufeuern.

  • Dümmster Nebendarsteller

Ein Deutscher (Name der Redaktion bekannt) hielt sich für besonders schlau. 14 Akkreditierungen hatte er sich für die WM besorgt. Rein zufällig und völlig schuldlos wurden sie ihm „gestohlen“. Gutherzig, wie die Bayern sind, besorgten sie ihm 14 neue. Der Dummkopf war nun in Besitz von 28 Eintrittskarten. Blöd nur, dass der Schwindel bei der Einlasskontrolle aufflog. Jede Karte war codiert – am Ende musste er die Titelkämpfe aus der Ferne betrachten.

  • Bester fremdsprachiger Film

Pflichtbewusst, wie die Russen sind, machten sie von ihrem Wahlrecht bei den Präsidentschaftswahlen Gebrauch. Direkt nach dem Verfolger wurden die Damen – begleitet von einem TV-Team, ins Hotel chauffiert, um per „mobiler Wahlbox“ ihre Stimme abzugeben. Cheftrainer Wolfgang Pichler fungierte als Wahlhelfer, während ein Team des russischen Generalkonsulats die Stimmabgabe streng überwachte. Eine fehlte dabei allerdings. Olga Vilukhina konnte nicht teilnehmen. Der Grund war simpel: Aufgrund ihrer Bronzemedaille hatte sie schlicht keine Zeit. Vladimir Putin wird’s egal sein: Zum einen dürften die Athletinnen wohl eher für seinen Gegner Mikhail Prokhorov, seines Zeichens Biathlon-Präsident Russlands, gestimmt haben. Zum anderen sind Medaillen doch die beste Propaganda für sein Land.

  • Größter Pechvogel

9,4 Sekunden fehlten ihm im Sprint auf Edelmetall. Gar nur 6,3 Sekunden waren es in der Verfolgung. Daniel Mesotitsch kam rechtzeitig zur WM in Form, der Gewinn einer Medaille war ihm allerdings nicht vergönnt. Dem Kärntner blieb zweimal „Blech“, dazu kam er in der Staffel gemeinsam mit Simon Eder, Christoph Sumann und Dominik Landertinger auf den fünften Platz. Die erste Einzel-Medaille bei einem Großereignis muss der Routinier somit auf Nove Mesto 2013 verschieben.

 

Christoph Nister

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