Not the yellow from the egg

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Not the yellow from the egg

In den USA ist alles anders. Irgendwie größer. Die Autos, die Straßen, die Häuser, die Hotels – böse Zungen würden meinen, selbst die Menschen sind „bigger“. Auch die Supermärkte sind kein Vergleich zu jenen in Österreich.

Reizüberflutung par excellence, dennoch wagte ich den Selbstversuch. Ab in den „City Market“ in Avon, der Ortschaft zwischen Beaver Creek und Vail, wo ich während der WM logiere.

Vier Gänge füllen alleine Chips und Knabbereien – einer davon länger als jeder, den ich in Österreichs größten Supermärkten gesehen habe. Hier findet man alles, was man braucht (und mehr), von Lebensmitteln über Gewand und Geschenken bis hin zu Arzneimitteln.

Mein Ziel waren drei simple Dinge: Brot, Butter und Käse. Um diese drei Produkte zu finden, irrte ich eine halbe Stunde durch das Geschäft. Doch ich war nicht der einzige, der Probleme hatte.

Ein unbeholfener Mann irrte ebenfalls von Gang zu Gang, sein Gesicht glich einem Fragezeichen. Immer wieder kreuzten sich unsere Wege, jedes Mal standen wir beide mit leeren Händen da. Beim dritten Mal hatte ich das Gefühl, er kannte mich bereits und ihm war die Angelegenheit ähnlich unangenehm.

Gerade als ich alles gefunden hatte, belauschte ich ein Gespräch zwischen zwei Männern. Einer davon ein Kunde, der andere Verkäufer. „Excuse me, in which Gang find I the Schoko?“, fragte der Mann in gebrochenem Englisch. Als ich mich umdrehte, sah ich, dass es sich um meinen „Freund“ von vorhin handelte.

Der Verkäufer verstand nur Bahnhof. Kein Wunder, die Englischkenntnisse des Mannes waren wahrlich „not the yellow from the egg“, wie er wahrscheinlich sagen würde.

Glücklicherweise wusste ich, wo Schokolade und Süßigkeiten zu finden waren. Ich griff ein und half dem Herrn zu seiner Schokolade. Schnell stellte sich heraus, dass er ein Deutscher Ski-Fan war. Danach trennten sich unsere Wege wieder.

Anschließend ging es in die Pizzeria. Mein Wunsch nach einer einfachen Salami-Pizza stieß auf Verwunderung. „Keine Extra-Toppings? Keine spezielle Kruste? Kein dreifach-Belag?“ - „Nein, eine normale Salami-Pizza reicht mir.“

Als die Pizza fertig war, meinte die Verkäuferin, ich bekomme in wenigen Minuten eine zweite Pizza. Ich antwortete, dass mir eine reichen würde. „Aber wir haben deine Pizza in acht, statt in sechs Stücke geschnitten“, sagte sie entschuldigend. „Das ist mir egal. Ich nehme sie auch, wenn sie in zehn Stücke geschnitten ist“, entgegnete ich mit einem Lächeln.

Staunen. Schweigen. Totenstille in der ganzen Pizzeria. „Aber, aber, sie ist falsch geschnitten! Du hast das Recht auf eine zweite, richtige Pizza." Ich wollte aber nur diese. Die Dame sah mich mit großen Augen an und bedankte sich anschließend so oft, dass es mir schon unangenehm wurde. In den USA ist eben alles anders.

 

Euer Matthias

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