"Es war alles angerichtet"

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"Enttäuschung ist groß, weil die Chance groß war"

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Man kann sich momentan wohl nur schwer in Benjamin Raichs Gefühlswelt hineinversetzen.

Aus im WM-Riesentorlauf. Nach nur 30 Sekunden. Bei seinem womöglich letzten Großereignis.

Auf diesen Tag hat sich der Tiroler den ganzen Sommer und den halben Winter vorbereitet. Dann die Welle, Bodenkontakt verloren und das nächste Tor nicht mehr erwischt.

„Die Enttäuschung ist natürlich groß, weil die Chance heute sehr groß war“, zeigte sich der 36-Jährige geknickt.

Die „Tiroler-Welle“

Ähnlich wie Eva-Maria Brem einen Tag zuvor, warf die „Birds of Prey“ mit Raich einen weiteren Tiroler ab. Auch Brem war schneller dran als gedacht und hob bei einer Welle ab.

„Ich habe etwas den Kontakt zum Schnee verloren und war etwas zu gerade dran, das war es dann auch schon“, beschreibt er seinen Ausfall.

Dabei habe man schon bei der Besichtigung erahnen können, dass die Welle entscheidend wird: „Man konnte es schon sehen, dass das eine wichtige Stelle ist. Ich wusste auch, wie ich es fahren wollte, habe es aber leider nicht ganz umgesetzt.“

„Es war angerichtet“

Ärgerlich ist der Ausfall vor allem, weil Raich oben gut ins Rennen gekommen ist. 0,67 Sekunden lag er bei seinem Torfehler vor Hirscher. Zwar waren an dieser Stelle einige Läufer schneller als der Halbzeit-Führende, im Spitzenfeld wäre Raich aber definitiv gelegen.

„Die 0,67 Sekunden wären ohne Fehler vielleicht 0,30 bis 0,50 gewesen, das muss man schon sagen“, weiß der Pitztaler ob seines Vorsprungs.

Die Chance auf eine Medaille sei so groß gewesen, wie schon lange nicht: „Es war alles angerichtet und perfekt für mich. Die Bedingungen liegen mir, der Lauf hat gepasst, da wäre es richtig dahingegangen.“

Benjamin Raich kam in den ersten Toren gut auf Zug - dann das Aus

Keine Ausreden

Die Tatsache, als erster Läufer keine Erfahrungswerte anderer Athleten zur Verfügung gehabt zu haben, nimmt er nicht als Ausrede.

„Die Nummer eins war grundsätzlich sehr gut. Ich bin oben auch sehr gut reingekommen, hatte viel Zug am Ski“, blickt er zurück.

„Ich kann niemandem die Schuld geben, das lag nur an mir.“

Viel mehr will er seinen Blick nach vorne richten. „Ich muss das jetzt verarbeiten und mich so gut es geht auf den Slalom vorbereiten. Mal schauen, was ich am Sonntag zusammenbringe.“

Vielleicht wird das der letzte WM-Auftritt der lebenden Ski-Legende Benjamin Raich.

 

Aus Vail/Beaver Creek berichtet Matthias Nemetz

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