"Zum Zusehen eine Katastrophe"

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"Lauf war eine Katastrophe, fast eine Frechheit"

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Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Sagt man. Benjamin Raich und Mario Matt haben wohl wenig davon, im WM-Slalom ein ähnliches Schicksal erlitten zu haben.

Beide schieden nach durchaus ansprechenden Zwischenzeiten aus. Für beide könnte es der letzte Auftritt bei einem Großereignis gewesen sein.

"Für meine Slalom-Künste, die ich bislang in dieser Saison gezeigt habe, war es sehr gut. Ich hatte ein gutes Gefühl“, bedauerte Raich seinen Fauxpas.

"Tolle Form wird nicht belohnt“

Auch Matt hätte sich Großes zugetraut. „Es ist die ganze Saison schon so, dass ich eine tolle Form habe und im Training Top-Leistungen zeige. Im Rennen wird es einfach nie belohnt.“

„Ich wäre schnell, es will einfach nicht sein“, haderte der Slalom-Olympiasieger mit dem Schicksal.

Seine Knöchel-Verletzung, die er sich wenige Tage vor dem Rennen zugezogen hatte, spielte dabei keine Rolle: „Es war okay, das habe ich ausgeblendet. Danach spürt man es ein wenig, im Lauf hat es mich nicht behindert.“

„Wenn du als Sportler große Ziele hast, und wie ich im Riesentorlauf große Chancen, dann ist es schon sehr enttäuschend. Heute nicht ganz so, aber am Freitag nach dem Riesenslalom war ich schwerst enttäuscht“, blies Raich durch.

Kritik an der Kurssetzung

Auch beim Thema Kurssetzung herrscht bei den beiden Routiniers Einigkeit. „Es gibt attraktivere Slaloms. Es ist schade, dass manche Trainer meinen, sie müssen immer etwas Spezielles machen. Oben hat es zwar gedreht, aber es war okay. Unten sieht es nicht gut aus, das könnte flüssiger sein“, ärgerte sich Matt.

Raich wird noch etwas deutlicher: „Die Piste war sehr eisig, mir ist das aber gut gelegen. Der Lauf war zum Zusehen eine Katastrophe, fast eine Frechheit. Die Frauen sind super runtergezogen, wir sehen aus wie die ersten Menschen.“

„Man kann es fahren, es soll aber auch für den Zuseher attraktiv sein. Was auffällt ist, dass sie sich selbst ins eigene Knie schießen. Die eigenen Läufer sind nirgends. Für mich hat es gepasst, es hat also nichts mit meinem Ausfall zu tun“, wollte er die drehende Kurssetzung nicht als Ausrede für seinen Ausfall gelten lassen.

Karriereende oder noch ein Jahr?

Beim Thema Zukunftsplanung lassen sich weder Matt, noch Raich in die Karten blicken.

„Das ist im Moment schwer zu sagen. Die WM war ein riesiges Ziel, darauf habe ich in den letzten Wochen meinen Fokus gelegt. Es hat leider nicht geklappt. Alles weitere wird man sehen“, klang Matt nicht allzu optimistisch und euphorisch.

Raich wolle erst die Enttäuschung der Ausfälle abklingen lassen, ehe er entscheidet, ob er noch eine Saison dranhängt. „Ich werde meine Entscheidung im Sommer oder im Herbst bekannt geben. Daran hat sich nichts geändert. Ich möchte nicht jetzt in der Emotion entscheiden, wie es weitergeht.“

Derzeit sei noch alles offen: „Du musst spüren, ob du noch Freude und Chancen hast. Wenn das passt, dann kannst du noch weitermachen. Sonst kannst du auch sagen, es ist genug.“

Matt wird im April 36, Raich Ende Februar gar schon 37 Jahre alt. Es wäre keine große Überraschung, wenn sich beide mit einem Ausfall von der großen Bühne verabschiedet haben.

 

Aus Vail/Beaver Creek berichtet Matthias Nemetz

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