"Oft sehr schwierig, Skifahrer in der Schweiz zu sein"

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Die traditionell wichtigste Goldmedaille bei einem Ski-Großereignis ist erstmals seit 1997 wieder an die Schweiz gegangen.

Patrick Küng, von den Stadionsprechern in Beaver Creek kurzerhand zu "King Küng" geadelt, raste in der WM-Abfahrt am Samstag zu Gold. Und das, obwohl der 31-Jährige 24 Stunden vor dem Rennen noch nicht einmal seinen Startplatz in der Tasche hatte.

Wie im ÖSV-Team entschied auch bei den Schweizern das Freitag-Training über die letzten offenen Startplätze. Küng setzte sich dabei gegen Silvan Zurbriggen durch und legte damit den Grundstein für seine Goldmedaille.

"Für mich bestand nie Zweifel, dass ich es ins Rennen schaffe. Ich wusste, dass ich schnell bin", sagte Küng mit - ganz offensichtlich berechtigtem - Selbstvertrauen.

"Musste nicht ans Limit gehen"

Küngs Verhältnis zu Beaver Creek war bis Samstag gespalten gewesen.

Im Dezember 2013 feierte Küng im Super-G in Beaver Creek seinen ersten Weltcup-Erfolg, ein Jahr später warf ihn die "Birds-of-Prey"-Piste jedoch in der Abfahrt wild ab. Auch die aktuelle WM hatte für Küng mit Platz 16 im Super-G sehr bescheiden begonnen.

"Ich denke, dass ich mich jetzt mit Beaver Creek versöhnt habe", freute sich Küng. "Heute war es leicht für mich. Ich war fast fehlerlos, der Ski ist gelaufen, ich musste nicht einmal ans Limit gehen", berichtete Küng über seine anscheinend fast spielerisch leichte Goldfahrt.

Endlich klappt es bei der WM

Wie die Schweizer Legende Vreni Schneider (dreimal Olympia-Gold, dreimal WM-Gold, 55 Weltcup-Siege) ist auch Küng aus dem Schweizerischen Kanton Glarus.

Bei Großereignissen hatte Küng jedoch bis Samstag kein Glück gehabt, Rang sieben bei der WM-Abfahrt in Schladming war das Maximum gewesen.

"Großanlässe sind bei mir bis jetzt immer nach hinten losgegangen. Dass ich jetzt in der Königsdisziplin Abfahrt die Goldene geholt habe, ist das Beste, was mir passieren konnte", sagte Küng.

Nachwuchsprojekt als Kopfsponsor

Um Sponsoren-Angebote wird sich der Weltmeister in nächster Zeit keine Sorgen machen müssen. Das war jedoch nicht immer so. Küng suchte lange vergeblich nach einem Kopfsponsor.

Im November 2014 entschied er sich dann, mit der Aufschrift "Küng & friends" für ein von ihm lanciertes Nachwuchsskiprojekt in der Ostschweiz und in Liechtenstein zu werben. Zugunsten dieses Projekts wird Küng auch seinen Rennhelm von der WM-Abfahrt versteigern.

Mit Küng jubelten im Schweizer Verband auch jede Menge Österreicher über die Goldene. Der Salzburger Rudi Huber arbeitet als Alpinchef bei den Schweizern, der Steirer Sepp Brunner ist Cheftrainer der Abfahrer Küng, Beat Feuz und Co..

"Schwer, Skifahrer in der Schweiz zu sein"

Der ehemalige Vorarlberger Bobpilot Jürgen Loacker fungiert zudem als Konditionstrainer bei den Schweizer Herren.

Den öffentlichen Druck auf die Skifahrer in der Schweiz sieht Küng ähnlich groß wie in Österreich.

Und er ist sich sicher, dass dieser Druck auch leistungshemmend ist. "Sehr oft ist es sehr schwierig, ein Skifahrer in der Schweiz zu sein. Wir haben großen Druck und können unsere Leistung daher nicht immer umsetzen."

"Jetzt war es aber endlich Zeit, dass dieses Abfahrtsgold wieder in die Schweiz kommt."

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