"Komme immer mehr dorthin, wo ich angefangen habe"

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Marcel Hirschers Serie geht weiter. Drittes WM-Rennen – dritte Medaille.

Nach zwei Goldenen in Kombi und Teambewerb legte der Salzburger im Riesentorlauf Silber nach. Den zweiten Platz hinter Weltmeister Ted Ligety wertet er auch trotz Halbzeitführung nicht als Niederlage.

„Ich bin so gut Ski gefahren, wie ich konnte – hundert Prozent. Ich habe alles gegeben. Ted fährt einfach brillant, speziell hier in Beaver Creek“, zollt er dem US-Amerikaner Respekt.

Die Erfolge dieser WM stellen ihn zufrieden und lassen ihn an seine Anfänge im Ski-Weltcup erinnern: „Für mich wird alles immer leichter. Ich komme immer mehr dorthin, wo ich angefangen habe. Da ging es um gar nichts, jetzt kann ich auch wieder das machen, was ich damals gemacht habe.“

Warum er im zweiten Durchgang am Start unbedingt wissen wollte, wie es steht, er keine allzu großen Erwartungen für den Slalom hat und er den Ski-Hype in den USA mag, erklärt Marcel Hirscher im Interview:

Frage: Dritte Medaille im dritten WM-Rennen. Begreifst du, was du hier leistest?

Hirscher: Ich versuche immer, dem Ganzen nicht zu viel Bedeutung zu geben. Natürlich freue ich mich, es wäre gelogen, wenn es anders wäre. Es ist eine coole Geschichte. Für mich wird alles immer leichter. Ich komme immer mehr dorthin, wo ich angefangen habe. Fast so wie es mit 18 Jahren war. Da ging es um gar nichts, jetzt kann ich auch wieder das machen, was ich damals gemacht habe. Ich fahre Ski, weil ich es gerne mache – nicht, weil ich muss.

Frage: Was nimmst du davon mit?

Hirscher: Es klingt blöd, aber wenn es jetzt einmal nicht so laufen würde, könnte ich sagen „Was wollt ihr von mir?“ (lacht). Ich habe einfach schon viel gewonnen. Es ist schön, dass man darauf zurückblicken kann. Das bringt auch für die Zukunft viel Lockerheit und Selbstvertrauen. Es ist auch Genugtuung, die sich in mir breit macht.

Frage: Wusstest du im Finale am Start, dass Ted im zweiten Lauf so stark war?

Hirscher: Ich wollte unbedingt wissen, wie Ted gefahren ist. So wusste ich, wie ich es einschätzen soll. Ich habe zu mir selbst gesagt, dass ich zwei Chancen habe: Keine Medaille oder alles geben. Ich bin so gut Ski gefahren, wie ich konnte – hundert Prozent. Ich habe alles gegeben. Ted fährt einfach brillant, speziell hier in Beaver Creek. Wenn du fünf Mal in Folge auf einem Berg gewinnst, fühlst du dich dort einfach wie zu Hause. Ich bin wirklich glücklich, ich hätte keine Hundertstel schneller fahren können.

Frage: Wie zuversichtlich bist du für den Slalom am Sonntag?

Hirscher: Für Sonntag gibt es so viele Favoriten, das ist unglaublich. Felix und ich durften zwei Saisonrennen gewinnen, in den restlichen Slaloms gab es immer verschiedene Sieger. Es sind unglaublich viele Leute, die momentan einen schnellen Slalom-Schwung fahren. Das Feld ist momentan nicht abzustecken. Es wird sicher spannend.

Frage: Wie würdest du die Voraussetzungen zwischen dem Slalom am Sonntag und jenem bei der WM 2013 vergleichen?

Hirscher: Naja, damals hatte ich im Slalom die Form, die ich jetzt im Riesenslalom habe. Aktuell bin ich im Riesentorlauf sicher stärker, als im Slalom – 2013 war es umgekehrt. Vom Hype her ist es völlig anders. Dennoch sind mir die Tage in Schladming nicht so lange vorgekommen.

Frage: Du hast ein kräfteraubendes Programm hinter dir. Wie steht es um deinen Energie-Haushalt?

Hirscher: Anscheinend soll ich nicht so gut aussehen, wurde mir gesagt. Das wird sich aber bis morgen wieder ändern. Heute gut essen, gut schlafen, dann passt es wieder. Morgen werde ich ein bisschen trainieren. Auf 3.000 Meter Seehöhe sind zwei Wochen Vollprogramm nie easy. Das ist aber für alle gleich. Im Riesentorlauf war es ein unglaublich harter Kampf, vor allem körperlich. Ich denke, dass ich es bis zum Slalom am Sonntag locker durchdrücke.

Frage: Ist es eigentlich schön zu sehen, dass in den USA so große Begeisterung für den Skisport herrscht?

Hirscher: Ich habe mir vorhin dasselbe gedacht. Als Ted bei der Siegerehrung auf das Podest gesprungen ist, konnte man sehen, wie viele Leute da sind. So uninteressant ist das blöde Skifahren gar nicht, weil so viele Leute da waren. Das hat mir schon gefallen.

 

Aus Vail/Beaver Creek berichtet Matthias Nemetz

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