"Heute kommen wir als 'Powerhouse' hier her"

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16 lange Jahre sind seit Bode Millers WM-Debüt vergangen.

1999 machte der damals 21-Jährige in Beaver Creek im Slalom mit Rang acht auf sich aufmerksam.

Heute hat er alles gewonnen was es zu gewinnen gibt. Olympia-Gold, WM-Gold, Gesamtweltcup – es gibt nichts, was der US-Amerikaner nicht im Trophäenschrank stehen hat.

Dennoch nimmt er auch im hohen Alter viel Risiko auf sich. Und das nur, um bei seiner Heim-WM nicht zusehen zu müssen.

„Bei einer Rücken-Verletzung wie meiner findest du erst heraus, ob sie geheilt ist oder nicht, wenn du dich wieder verletzt. Im Moment habe ich keine Schmerzen, wenn ich sitze. Beim Skifahren ist es auch kein richtiger Schmerz, es behindert mich nicht in meiner Bewegung“, spielt Miller die Qualen herunter.

Ideale Vorbereitung

Nach seiner Rücken-OP konnte er in dieser Saison noch kein einzige Rennen bestreiten. Sein Comeback feiert er ausgerechnet bei der WM im eigenen Land.

„Die Vorbereitung hätte nicht besser verlaufen können. Ich war nicht sicher, ob alles reibungslos verlaufen würde, nachdem ich vor einem Monat zum ersten Mal hier in Beaver Creek trainiert habe“, gibt der Familienvater zu, einige Bedenken gehabt zu haben.

Bei den Klassikern in Wengen und Kitzbühel bestritt er jeweils nur die Trainings, um zu sehen, wie sein Körper und vor allem der Rücken reagieren würde. „Zum Glück habe ich die Rennen in Europa überstanden, obwohl ich nicht gefahren bin. Ich bin in Wengen und Kitzbühel im Training aber aggressiv gefahren.“

Danach stand für ihn fest, beim Großereignis an den Start zu gehen. „Das war der letzte Schritt, um zu sehen, wie gut es mir im Renntempo geht. Alles ist so gut verlaufen, wie ich gehofft hatte. Ich bin hier und bereit zu fahren.“

„Versuche, zu gewinnen“

Schmerzen habe er immer wieder, außergewöhnlich seien diese aber nicht. „Letztens habe ich hartes Super-G-Training absolviert, danach war ich etwas angeschlagen. Das war ich aber meine ganze Karriere lang, wenn ich die Tore hart angefahren und Kurven bei hoher Geschwindigkeit gefahren bin.“

Dabei sein soll für Miller nicht alles sein. Obwohl er seit März 2014, also fast einem Jahr, kein Weltcup-Rennen mehr bestritt, hat er bei der WM viel vor. „Die Frage war, ob ich keine Einschränkungen spüren würde, wenn ich mich den hundert Prozent nähere und volles Risiko gehen kann. Wenn ich im Team stehe, werde ich alles geben und versuchen, das Rennen zu gewinnen“, richtet er seinen Blick auf die vorderen Plätze.

Wie genau sein WM-Programm aussieht, weiß er selber noch nicht so genau. „Ich habe nicht die alleinige Entscheidungs-Macht. Ich will auf jeden Fall Abfahrt und Super-G fahren“, nennt der vierfache Weltmeister die Speed-Rennen als oberste Priorität.

Doch auch seine ehemalige Spezial-Disziplin, die er über Jahre dominieren konnte, schreibt er nicht ab: „Ich bin zuletzt sogar ein paar Slalom-Stangen gefahren. Es war nicht schön, aber mein Rücken hat gehalten. Die Kombination ist also auch eine Möglichkeit. Die Entscheidung liegt beim Trainer.“

Miller schwärmt von Maier und Kjus

1999 stand er in der Kombination nicht am Start. Blickt er auf das Event zurück, denkt er vor allem an zwei Männer: Hermann Maier und Lasse Kjus.

„Die Leistungen während der WM damals waren mit die besten, die ich je gesehen habe. Der Fokus und die Intensität von Hermann Maier oder Lasse Kjus waren beeindruckend. Kjus hat fünf Medaillen geholt und die schlechteste davon war Silber. Das sieht man im Sport nicht oft“, gerät er ins Schwärmen.

Damals habe er wichtige Dinge, die im in seiner weiteren Karriere geholfen haben, gelernt. „Diese Leute haben einfach versucht, ihr Bestes zu geben. Man soll nicht versuchen, zu fahren wie sie zu fahren oder wie ich zu fahren, sondern einfach so gut wie möglich.“

„Wir sind heute wie Österreich damals“

Er glaubt, viele junge Fahrer mit seiner damaligen Leistung inspiriert zu haben. „Es ist lange her. Keine Frage, das Team ist nun total anders. Es war ein langer Prozess. Mein achter Platz im Slalom 1999 war ein ziemlich gutes Ergebnis und viele junge Läufer haben das bemerkt.“

Nun, über ein Jahrzehnt später, seien die USA das Team, das es zu schlagen gilt. „Heute kommen wir als 'Powerhouse' hier her. Sowohl bei den Herren, als auch bei den Damen. Wir sind jetzt fast so wie die Österreicher 1999 waren. Da glaubt man, dass einem das Podest in jeden Event gehört.“

Typisch Bode Miller. Er wäre eben nicht Bode Miller, würde er keine großen Töne spucken. Und vielleicht tut er dies noch ein paar weitere Jahre. Denn die nächste WM kommt bestimmt...

 

Aus Vail/Beaver Creek berichtet Matthias Nemetz

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