Gold-Anna: "Ich hatte nichts zu verlieren"

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Sie hat es wieder getan.

Ein Jahr nach dem Olympia-Sieg im Super-G gewinnt Anna Fenninger auch WM-Gold in dieser Disziplin und ist damit die erste Läuferin, der dies binnen einem Jahr gelingt.

„Bisher wusste ich gar nicht, dass noch niemand das geschafft hat. Generell bedeutet es mir sehr viel, dass ich auch in dieser Disziplin Weltmeisterin bin. Mir ist wichtig, dass ich es geschafft habe, diesen Schritt zu machen“, lacht die Salzburgerin nach dem Triumph.

Die 25-Jährige wirkt locker wie selten zuvor. Kein Wunder, immerhin ist es einer ihrer größten Karriere-Erfolge. Wo genau sie die Medaille einreiht, kann sie aber noch nicht sagen. „Der Olympiasieg steht über allem, von der Wertigkeit her. Es ist schwieriger auf dem Level zu bleiben, als auf das Level zu kommen.“

„Es bedeutet mir sehr viel, dass ich dieses Level über eine gewisse Zeit hin halten konnte. Das ist eine große Bestätigung“, gibt sie zu, dass ihr ein Stein vom Herzen fällt.

Warum sie von dem Sieg geträumt hat, sie mit Lindsey Vonn mitfühlt, der Wind unfair gewesen und die Turbulenzen rund um ihren Sponsor in den letzten Monaten gut gewesen seien, verrät Anna Fenninger im Sieger-Talk.

ANNA FENNINGER ÜBER...

… ihren Lauf: Man kann immer besser fahren. Heute war ein großer Tag. Mir war bewusst, dass ich Startnummer 22 habe. Ich habe davon geträumt, dass es grün aufleuchtet, wenn ich ins Ziel komme. Nicht wirklich geträumt, ich habe mir einfach Gedanken darüber gemacht. Es ist wahr geworden, das ist unglaublich. Ich kann gar nicht beschreiben, was mir das bedeutet.

… ihr Gefühl während der Gold-Fahrt: Darüber denkt man während der Fahrt nicht nach. Oben hatte ich aber eigentlich ein gutes Gefühl. Ich habe gemerkt, dass ich voll auf Zug gekommen bin. Es ist voll abgegangen, ich musste kämpfen, in den Toren zu bleiben. Das ist immer ein gutes Zeichen.

… die vielen zweiten und dritten Plätze während der Saison: Ich hatte heute nicht so viel Druck. Es war nicht so wie vor zwei Jahren in Schladming oder bei anderen Rennen. Ich wusste, dass ich gewinnen kann, es war immer sehr eng. Ich habe immer gewusst, dass ich nur das letzten Quäntchen Glück brauche, und das hatte ich heute. Das Rennen war so eng und die Hundertstel waren auf meiner Seite.

… die Turbulenzen der letzten Monate rund um ihren Sponsor: Wir stehen einfach in der Öffentlichkeit. Was rund herum passiert, geschieht deswegen, weil man interessant ist. Ich habe das nicht so negativ gesehen, sondern eher versucht, das positiv aufzufassen. Ich habe mich aufs Skifahren konzentriert. Das habe ich auch im Weltcup relativ schnell geschafft. Das hat mich überhaupt nicht belastet oder runtergezogen. Ich weiß aber, dass das Thema nicht abgeschlossen ist und immer weiter geht. Das ist ja auch gut so.

… den Wind: Wenn man gewinnt, ist es natürlich leichter, darüber hinwegzusehen. Ich habe mir aber schon Gedanken darüber gemacht. Ich dachte mir, es ist ein Wahnsinn, dass das Rennen überhaupt gefahren wird, weil es schwierig war, es fair zu gestalten. Es musste immer wieder unterbrochen und abgewartet werden. Ich denke nicht, dass es für alle gleich war. Man braucht das Glück, dass es bei einem gut ist. Das hat man einmal mehr, einmal weniger. Irgendwie gleicht es sich über das ganze Jahr hin aus.

… den Stellenwert der Medaille: Das kann ich noch nicht sagen. Der Olympiasieg steht über allem, von der Wertigkeit her. Es ist schwieriger auf dem Level zu bleiben, als auf das Level zu kommen. Es bedeutet mir sehr viel, dass ich dieses Level über eine gewisse Zeit hin halten konnte. Das ist eine große Bestätigung.

 

Aus Vail/Beaver Creek berichtet Matthias Nemetz

… den Vergleich mit der ersten WM-Goldmedaille in der Kombi 2011: Es ist ganz anders. Vor vier Jahren war es so eine große Überraschung, weil ich davor kein Rennen gewinnen konnte. Dieses Jahr bin ich als Olympiasiegerin zur WM gekommen. Ich wusste, dass ich gewinnen kann. Aber du musst es beweisen, wenn du am Start stehst. Diese zwei Minuten zählen, nicht der restliche Tag. Darauf habe ich mich fokussiert und es hat funktioniert.

… den Vergleich zu Olympiagold: Es ist einfach anders. Ich wusste, ich habe das größte in der Disziplin schon gewonnen. Damals waren es ganz andere Emotionen, weil ich Nummer 18 hatte und noch warten musste, ob es reicht. Es war ganz anders als heute. Heute wusste ich, dass es passt, wenn ich ins Ziel komme und vorne bin. So war es dann, also war es ein ganz anderes Erlebnis. Ich bin sehr dankbar, dass ich das alles erleben darf. Dass alles so zusammenpasst, ist nicht selbstverständlich. Ich spüre, das sehr viele Leute hinter mir stehen und sich mit mir freuen, weil sie so viel Anteil daran haben. Es ist echt schön, dass ich das wieder erleben darf.

… die Tatsache, dass sie die erste Läuferin ist, die im Jahr nach Super-G-Gold bei Olympia auch WM-Gold in dieser Disziplin holt: Bisher wusste ich gar nicht, dass noch niemand das geschafft hat. Generell bedeutet es mir sehr viel, dass ich auch in dieser Disziplin Weltmeisterin bin. Mir ist wichtig, dass ich es geschafft habe, diesen Schritt zu machen.

… die Erwartungen an die restliche WM: Besser hätte es nicht starten können. Ich kann jetzt sehr locker in die restlichen Rennen gehen. Verlieren kann ich sowieso nicht mehr. Das war aber auch heute das Motto. Ich wusste, dass ich nichts zu verlieren hatte, ich konnte nur gewinnen. Wenn ich nichts gewonnen hätte, hätte ich ja auch nichts verloren. Genau so werde ich in die nächsten Rennen gehen.

… die Tatsache, Lindsey Vonn auf ihrem Hausberg geschlagen zu haben: Sie war die große Favoritin. Sie hat hier mehr trainiert, ich hatte aber ein Rennen mehr als sie, weil ich ja ein Weltcup-Rennen hier bestritten habe. Ich weiß nicht, wer den Vorteil hatte. Ich weiß aber, was es bedeutet, in der Heimat eine WM zu bestreiten. Ich weiß, wie schwer das ist. Ich freue mich, dass sie eine Medaille gewonnen hat. Das ist nicht so leicht, wie es aussieht. Für uns ist es sehr wichtig, Lindsey zu haben. Jeder in Amerika kennt Lindsey Vonn. Alle schauen auf sie, also schauen sie auch auf uns. So bekommen wir mehr Aufmerksamkeit, das ist wichtig für unseren Sport.

… den Neuschnee und die weiche Piste: Ich habe mir darüber vorher keine Gedanken gemacht. Ich habe bei der Besichtigung gemerkt, dass es weicher geworden ist. Ich bin eine Läuferin, die sich unter der Fahrt darauf einstellt. Ich wusste, wenn ich losfahre, stelle ich mich darauf ein. Ich habe mein Gefühl ausgepackt, das ist meine große Stärke.

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