Kirchi krönt Karriere mit Silber

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Kirchgasser jubelt über Silber, Gold an Shiffrin

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Michaela Kirchgasser hat sich am vorletzten Tag der Ski-WM in Schladming mit Slalom-Silber endlich ihre erste Einzelmedaille geholt.

Die 27-jährige Salzburgerin wurde nach einer Nervenschlacht nur vom US-Jungstar Mikaela Shiffrin um 0,22 Sekunden bezwungen, Bronze ging an die schwedische Halbzeit-Führende Frida Hansdotter.

Shiffrin ist mit 17 Jahren und 40 Tagen die jüngste Alpinski-Weltmeisterin seit 1985.

Gelungenes Schild-Comeback

Titelverteidigerin Marlies Schild wurde in ihrem Comeback-Rennen Neunte.

Die 31-jährige Salzburgerin war damit unmittelbar vor der von Schlafproblemen geplagten Kathrin Zettel (10.) und Schwester Bernadette (12.) sogar zweitbeste Österreicherin.

Und das nur 58 Tage nach ihrer schweren und von einer Operation und dem vermeintlichen Saisonende begleiteten Knieverletzung.

Sechste ÖSV-Medaille

Kirchgassers halber "Blindflug" wurde nach drei Team-Trophäen endlich mit der ersten Einzelmedaille beloht.

Das zweite ÖSV-Silber war die insgesamt sechste Medaille für Österreich in Schladming, das "Minimal-Soll" war damit vor dem abschließenden Herrenslalom erreicht.

Für den wahrscheinlich spektakulärsten Herrenslalom seit Ewigkeiten gilt Marcel Hirscher als Favorit, 40.000 Fans werden erwartet.

Spannende Entscheidung

Die Minuten, bis Kirchgassers Silber fest stand, waren freilich nichts für schwache Nerven.

Mitfavoritin Tina Maze blieb hinter der Österreicherin zurück und beendet die Titelkämpfe ebenso mit drei Medaillen wie Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch, die gleich danach einfädelte.

Shiffrin fuhr Bestzeit und als die Finnin Tanja Poutiainen, die die skandinavische Halbzeit-Doppelführung als Zweite komplettiert hatte, auch zurückfiel, hatte Kirchgasser ihre Medaille fix.

Der wilde Jubelschrei darüber wurde gleich darauf von Tränen abgelöst.

Denn auch Hansdotter rutschte nach hinten, obwohl ihr Trainer Rudy Soulard den Kurs gesetzt hatte. Damit sorgte Kirchgasser im letzten WM-Rennen ihres Cheftrainers Herbert Mandl endlich für "ihre" Medaille, die ihr vermutlich jeder gönnte.

"Alles oder nichts" mit Silber belohnt

"Ich bin so froh, es ist so geil. Ich wollte alles, nur nicht wieder Vierte werden", gestand Kirchgasser unter Tränen, litt aber auch mit Poutiainen.

"Ich weiß ja selbst gut, wie blöd es ist, Vierte zu werden." Ihr Malheur mit der Brille hatte sie offenbar nur noch mehr motiviert "Nur mehr obi die Latten", habe sie sich gedacht.

"Es war alles oder nichts und jetzt bin ich mit Silber belohnt. Es ist Wahnsinn", jubelte Kirchgasser, die vergangenes Jahr bei der Generalprobe auf dem WM-Hang sogar gewonnen hatte.

"Teenie" Shiffrin stürmt zu Gold

Damals war Shiffrin noch knapp 16-jährig gewesen und über Platz 15 nicht hinausgekommen.

Diesmal war die junge Slalom-Sensation aus Eagle-Vail aber nicht zu biegen. Viertbeste Laufzeit reichte für den Teenager, um von Platz drei noch zum Sieg zu stürmen.

Zum nicht wirklich überraschenden, denn nach ihren drei Saisonsiegen im Weltcup war Shiffrin hoch gehandelt worden.

"Es ist völlig verrückt"

Dass sie auch bei der WM und einiger gesundheitlicher Probleme die Nerven behielt, war dennoch bemerkenswert. "Mika" war danach ebenfalls den Tränen nahe.

"Ich weiß nicht, ob ich jemals realisiere, was da gerade passiert ist. Es ist völlig verrückt", stammelte die von ihrer Familie und Manager Kilian Albrecht angefeuerte Amerikanerin.

Jetzt ist sie die drittjüngste Slalom-Weltmeisterin der Geschichte und die jüngste überhaupt seit ihrer Landsfrau Diann Roffe 1985. Die USA ist mit vier Titeln im Medaillenspiegel von Schladming damit nicht mehr einzuholen.

Kraftlos und medaillenlos

Während Hansdotter, die im Weltcup bei allen Shiffrin-Siegen Zweite gewesen war, dennoch jubelte ("Ich bin super-happy mit einer Medaille"), trat Zettel die Heimreise mit leeren Händen an.

Nach den Plätzen fünf (Super-Kombination) und vier (Riesentorlauf) gelang der nicht fitten Niederösterreicherin der erhoffte Sprung auf das Podest nicht.

"Es war heute mit der Kraft nicht perfekt", klärte Zettel auf. "Es war heute deshalb nicht mehr drin. Es tut schon weh, Schladming ohne Medaille zu verlassen. Aber ich hoffe, es passt bald wieder."

Bernadette Schild fuhr mit drittbester Laufzeit noch auf Platz zwölf. Die kranke Nicole Hosp tröstete sich nach Platz 15: "Ich fahre trotzdem mit zwei Medaillen heim", sagte die Team-Weltmeisterin und Super-Kombi-Dritte.

"Konnte nicht letztes Risiko gehen"

"Ich bin im Training schon besser gefahren. Aber ich habe heute gemerkt, wie schwierig es ist", kehrte die Slalom-Königin sofort wieder die Rennfahrerin hervor.

"Ich konnte heute nicht das letzte Risiko eingehen, aber wen wundert's. Es war mir trotzdem tausendmal lieber, da Neunte zu werden, als auf der Tribüne zuschauen zu müssen."

Kirchgasser zur Halbzeit Sechste

Ein Monsterfeld von 139 Läuferinnen hatte sich für den zehnten und vorletzten WM-Bewerb angemeldet.

Am Ende kämpften nach einem knappen ersten Durchgang vier Damen um Gold und zumindest sechs um die Medaillen.

Zu denen gehörte als Erste Kirchgasser, die als Halbzeit-Sechste und nur 0,55 Sekunden Rückstand auf Hansdotter als einzige der dank Titelverteidigerin Schild fünf ÖSV-Starterinnen in Medaillen-Schlagdistanz geblieben war.

Angriff bringt Silber

Und ausgerechnet die schon so oft unbelohnt geblieben Salzburgerin, die nur 21 Kilometer vom WM-Ort entfernt in Filzmoos zu Hause ist, behielt diesmal die Nerven.

Mit zweitbester Laufzeit katapultierte sich "Kirchi" noch auf Platz zwei nach vorne, obwohl ihr die Torstangen gleich zwei Mal die Skibrillen verschlagen hatten. Einmal musste sie deshalb sogar mit der Hand nachhelfen.

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