ÖSV wieder Pech mit Blech! Gold für Svindal

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Österreichs Ski-Herren bleiben weiter seit 2003 ohne Speed-WM-Gold.

Im Königsbewerb der Schladming-WM 2013 gab es auch am Samstag vor 30.000 Fans keine Medaille, sondern durch Platz vier von Klaus Kröll wie schon im Super-G die "Höchststrafe".

Gold gewann der Norweger Aksel Lund Svindal, der sich in 2:01,31 Minuten relativ deutlich vor dem italienischen Kitzbühel-Sieger Dominik Paris (+0,46) sowie dem Franzosen David Poisson (+0,97) seine bereits achte WM-Medaille sicherte. Kröll verpasste Bronze um 0,38 Sekunden.

Zum vierten Mal keine Abfahrtsmedaille

Österreichs Speed-Herren bleiben damit nicht nur weiter seit St. Moritz, wo Michael Walchhofer gewann, ohne WM-Gold, sie erlitten ausgerechnet bei den Heim-Titelkämpfen auf der Planai eine Riesen-Enttäuschung.

Schon zum vierten Mal in Serie schaute für das "Power Team" keine Medaille in der WM-Abfahrt heraus, die weiter letzte hat Walchhofer mit Bronze 2005 in Bormio eingefahren.

Reichelt out

Zweitbester ÖSV-Starter wurde "Qualifikant" Matthias Mayer auf Platz 13.

Mitfavorit Hannes Reichelt schied aus, Max Franz war nach einer beim morgendlichen "Blitztraining" erlittenen Knieverletzung chancenlos und verließ den Zielraum humpelnd und als 23..

Dementsprechend "dicke Luft" herrschte im erstmals randvollen Zielstadion unter den Österreichern. Vor allem die Verletzung von Franz sorgte für Zündstoff, denn dieses kurz vor dem wichtigsten Rennen dieser WM wegen einer Organisationspanne eingeschobene Training war vom ÖSV kritisiert worden. Dennoch hatten alle vier Österreicher daran teilgenommen.

Mayer mit schwerem Fehler

Anfänglicher Nebel im Startbereich sowie leichter Schneefall sorgten dann im Rennen auf dem "höchstgelegenem Eislaufplatz Europas" (Armin Assinger) für schwierige Verhältnisse.

Als erste ÖSV-Hoffnung erwischte es den mit Startnummer drei fahrenden Mayer, der lange gut unterwegs war, nach einem gravierenden Fehler bei einem Sprung im Mittelteil aber keine Chance mehr hatte.

"Ich wollte ein bissl zu viel. Aber es ist WM und da geht's nur um eins, zwei, drei. Da muss man Gas geben", erklärte der 22-jährige Kärntner, der die schlechte Sicht mitverantwortlich machte.

Franz gehandicapt

Der bis zum Start behandelte Franz konnte sein Handicap nicht mehr wettmachen.

"Es tut weh, wenn sowas passiert. Da hat natürlich das Selbstvertrauen für die Fahrt gefehlt", bedauerte Mayers 23-jähriger Landsmann, der vom Rennen direkt ins Krankenhaus fuhr.

Svindal mit Gold-Fahrt

Als erster der Topgruppe fiel Titelverteidiger Erik Guay beim wilden Ritt über die eisige Piste aus.

Gleich nach dem Kanadier zeigte dafür Svindal, wie es geht. Der geniale Gefühlsfahrer aus Norwegen carvte im ruhigen Stil seiner großen Landsmänner Kjetil Andre Aamodt und Lasse Kjus über die Strecke.

An Svindals Zeit bissen sich danach alle die Zähne aus.

Reichelt tut sich schwer

Auch die beiden ÖSV-Routiniers, an denen am Ende die ganze Verantwortung hing. Aber auch Reichelt hatte vom Beginn weg Sichtprobleme, blieb mit dem Arm an einem Tor hängen und landete dann nach einem gefährlichen Sprung zu weit rechts.

"Vielleicht muss ich zum Augenarzt", ärgerte sich der Salzburger. "Ich habe mir vom ersten Schwung weg extrem schwergetan. Deshalb bin ich eher froh, gesund herunten zu sein als dass ich mich über das Ergebnis ärgere."

Kröll im Zielhang an Bronze vorbei

Auch bei Kröll wurde schnell klar, dass der steirische Lokalmatador höchstens um Bronze kämpft. Kleine Fehler summierten sich zu einem Rückstand, der am Ende "nur" zu Platz vier reichte.

Kröll schlug sich im Ziel die Hände vor das Gesicht, obwohl er befürchtet hatte, noch weiter hinten zu liegen.

Klar war damit aber, dass die ÖSV-Herren auch im zweiten WM-Bewerb medaillenlos blieben und die seit St. Moritz 2003 goldlose Speed-Fraktion weiter warten muss.

"Vierter will keiner werden"

"Die Enttäuschung ist natürlich groß, Vierter will keiner werden", bedauerte Kröll.

"Ich habe gleich die erste Kurve verhaut und deshalb gedacht, dass ich jetzt riskieren muss. Aber das ging auf dieser Piste nicht, ich hätte besser sauber runterfahren müssen", erkannte der "Bulle" später.

"Unten ist mir dann die Kraft ausgegangen, ich konnte nicht mehr attackieren", sagte der im Sommer verletzt gewesene Steirer. "Für das, wie ich gefahren bin, ist Platz vier eh gut."

"Hätte es nicht besser machen können"

Svindal hingegen wiederholte mit seiner Ausnahmefahrt als erster seit dem Schweizer Bernhard Russi einen Abfahrtstitel.

Große Emotionen zeigte der sonst so gelassen "Elch" schon unmittelbar nach der Zieldurchfahrt. "Ich wusste, dass ich es nicht besser machen hätte können", erklärte der nun fünffache Weltmeister, der zuvor nach einem Fehler "nur" Bronze im Super-G gewonnen hatte.

Am Samstag war alles vergessen. "Hier mit Bestzeit ins Ziel zu kommen, ist großartig. Die Stimmung hier ist einzigartig."

Französische Überraschung

Paris jubelte über seine erste WM-Medaille: "Das ist unglaublich. Ich habe nie gedacht, dass ich das schaffen kann, sagte der aktuelle Bormio- und Kitz-Sieger. "Ich bin oben ein bissl gemütlicher gefahren und habe Kraft gespart. Unten habe ich dann alles riskiert."

Wie im Super-G stand mit Poisson auch in der Abfahrt etwas überraschend ein Franzose auf dem Podest, obwohl er unterwegs fast den Skistock verloren hätte. "Ich bin sehr stolz auf meine Fahrt", sagte Poisson.

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