WM-Premiere statt Abstellgleis

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Schmidhofer: "Würde alles genau gleich machen!"

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Unverhofft kommt oft. Aber so unverhofft wie Nicole Schmidhofer auf den WM-Zug aufgesprungen ist, das passiert nicht alle Tage.

Aber als die Steirerin im Sommer aus dem Weltcup-Team flog, sagte sie sich nach einer längeren Nachdenkpause: Ich komm' wieder, keine Frage!

Und jetzt feiert sie nach Platz drei in Cortina im Super-G ihre WM-Premiere.

Der Weg zurück war aber alles andere als einfach für den schnellen "Pisten-Floh", wie sie im LAOLA1-Interview verrät.

Welche Hürden es zu überspringen galt, wie sie sich auf und abseits der Piste neu aufgestellt hat und was sie sich für die Weltmeisterschaft vornimmt, verrät die 23-Jährige hier.


LAOLA1:
Hand aufs Herz. Ab wann hast du dir Gedanken über einen WM-Start gemacht?

 
Nicole Schmidhofer: Es klingt vielleicht abgedroschen, aber ich habe nur von Training zu Training und von Rennen zu Rennen geschaut. Das habe ich im letzten Sommer gelernt. Nur von Tag zu Tag schauen, maximal von Woche zu Woche und alles auf mich zukommen lassen.
 
LAOLA1: Aber geht das so einfach, immerhin will man sich die wahrscheinlich einzige Chance auf eine Heim-WM nicht entgehen lassen?
 
Schmidhofer: Klar ist es nicht leicht. Als Ende Dezember die ersten Ergebnisse im Super-G da waren, ist es natürlich immer wieder gekommen. Aber immer nur von außen. Ich habe mir meine Ziele für mich gesteckt und nicht darüber gesprochen. Weil dann ist es meistens daneben gegangen, deshalb habe ich es diesmal gleich gelassen.
 
LAOLA1: Aber jetzt kannst du ja darüber sprechen, oder?
 
Schmidhofer: Na sicher war die WM ein Ziel, da will man als Rennläuferin dabei sein. Aber mit den Erwartungen ist das immer so eine Sache. Es will ja auch jede Läuferin Rennen gewinnen, aber nur den wenigsten gelingt es. Wenn ich zurückblicke, wäre ich auch zufrieden gewesen, wenn ich es nicht geschafft hätte.
 
LAOLA1: Warum das?
 
Schmidhofer: Weil ich trotzdem super gearbeitet und mich zurückgekämpft habe, nachdem ich im Sommer nicht im Kader war. Von dem her ist es super gelaufen. Wenn ich es noch einmal machen müsste, würde ich es genau gleich machen.
 
LAOLA1: Wie war das für dich, als man dir im Sommer mitgeteilt hast, dass du raus und also nicht mehr Teil des ÖSV-Kaders bist?
 
Schmidhofer: Ein Schlag ins Gesicht. Einfach weil es so brutal unerwartet gekommen ist. Mir haben immer alle gesagt: Schmidi, das wird schon! Die Ergebnisse kommen bald! Du hast kaum Vorbereitung gehabt! Und dann wird dir am Telefon gesagt, dass es nicht reicht und du nicht mehr dabei bist.
 
LAOLA1: Da bricht wahrscheinlich eine Welt zusammen?
 

Schmidhofer: Ja, weil mir vorher keiner gesagt hat, dass es vielleicht eng werden könnte. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Saison mit Verletztenstatus ausgelassen. So war es auch kein Trost, dass man mir gesagt hat, dass ich im Jänner wahrscheinlich eh wieder dabei bin.

 
LAOLA1: Im Gegenteil, es stand ja sogar das Karriereende im Raum?
 
Schmidhofer: Ich habe mir mit der Entscheidung bewusst lange Zeit gelassen, bin nach dem ersten Schock einmal auf Urlaub gefahren. Als dann klar war, dass ich weitermache, musste ich klären, wie es überhaupt mit dem Material ausschaut. Weil wenn du nicht im Kader bist, kriegst du zum Beispiel nicht so einfach Ski her. Zum Glück habe ich dann auch schnell einen Sponsor gefunden!
 
LAOLA1: Obwohl nicht klar war, wie es bei dir weitergeht?
 
Schmidhofer: Ja, das war schon im Juli. Ein Weltklasse-Tipp, denn ich habe von Anfang an tolle Unterstützung bekommen. Erst hat es ja geheißen, dass ich mir die Vorbereitung selbst finanzieren muss. Aber das ist dann so ausgeartet, dass ich Konditionslimits bekommen habe und meine Leistung überprüft wurde. Im Endeffekt bin ich jedoch gut ausgestiegen.
 
LAOLA1: Arbeitet man mit diesem Druck noch härter?
 
Schmidhofer: Anders. Ich war die letzten drei Jahre in Salzburg beim Bundesheer und bin im Sommer heim gewechselt. Trainiert habe ich eigentlich gleich, aber in einem anderen Umfeld. Ich habe meine Familie und Freunde nicht nur am Wochenende gesehen. Zusätzlich habe ich eine Massage-Ausbildung begonnen. Es hat mir getaugt, einfach mal wegzukommen vom Skifahren, vom Training und etwas anderes sehen.
 
LAOLA1: Mit dem Benefit, dass man seinen Körper noch besser kennenlernt?
 
Schmidhofer (lacht): Genau. Und in den Trainingswochen war es ganz angenehm, wenn am Wochenende Kurs war und ich ordentlich massiert wurde. Das ist natürlich kein Nachteil. Es hat mir auch gezeigt, wie fertig du nach so einer Woche wirklich bist und wie wichtig Regeneration ist.
 
LAOLA1: Du bist gesund, fit und voll erholt nach Schladming gereist. Was ist möglich bei der WM?
 
Schmidhofer: Bei dem Wetter kann viel passieren, das könnte mir entgegenkommen. Aber wir werden sehen, ob es ein zweites Cortina gibt. Wenn ich meine Trainingsleistungen umsetzen kann, ist alles möglich. Dabei sein ist für mich jedenfalls nicht alles.
 
LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.
 
 
Das Interview führte Stephan Schwabl
 

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