Hirscher: "Das härteste Rennen meines Lebens!"

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Die 35.500 Fans waren aus dem Häuschen, das Zielstadion der Planai stand kopf. Marcel Hirscher gewinnt im WM-Riesentorlauf die erste Einzelmedaille seiner Karriere.

"Diese Silberne glänzt wie Gold", freute sich der 23-Jährige nach dem Rennen. Denn die Umstände unter denen der Annaberger den zweiten Platz eroberte, waren ähnlich spektakulär wie sein Fahrstil.

Am Donnerstag im Abschlusstraining hatte er sich das Kreuz verrissen, in der Nacht auf Freitag fand er kaum Schlaf und dann machte auch noch der C3-Wirbel Probleme.

Aber alles vergessen! Bei LAOLA1 spricht Marcel Hirscher über das härteste Rennen seines Lebens, den Druck der Öffentlichkeit und seine Vorfreude auf den Slalom am Sonntag.

 

Marcel Hirscher spricht bei LAOLA1 über …

...die erste Einzelmedaille seiner Karriere: „Das war das härteste Rennen meines Lebens! Um 2 Uhr in der Früh habe ich mir gedacht: Macht es überhaupt Sinn? Es war richtig hart, aber schlussendlich bin ich gut Ski gefahren und irrsinnig froh, dass ich Silber gewonnen habe.“
 

...die schlaflose Nacht vor dem Riesentorlauf: „Normal bleibst du mit so etwas liegen, wenn nur vier, fünf Stunden Schlaf zusammenkommen. Das ist für einen Sportler zu wenig. Ich schaue schon, dass ich auf meine acht Stunden Schlaf komme, aber es war kein Problem. Ich weiß ja auch nicht, was andere teilweise haben und die sudern auch nicht.“
 

...die Ursache der Schlaflosigkeit: „Ich habe in den letzten Tagen einfach sehr viel trainiert und ordentlich Gas gegeben, um wirklich top-vorbereitet in diese Weltmeisterschaft zu gehen. Das war mir ein Anliegen. Aber seit Kitzbühel ist es einfach durchgegangen. Und von den drei, vier Pausetagen bin ich zwei im Auto und einen im Flugzeug gesessen. Es war einfach stressig.“
 

...seine „Flucht“ zwischen den Durchgängen: „Ich habe den C3-Wirbel im Nacken draußen gehabt, dadurch ist das Kopfweh gekommen. Aber wir haben das behandelt und dann habe ich noch eine Stunde geschlafen. Nach dem Rennen war es dann schon wieder gut. Mit so einem großen Erfolg verschwinden auch die Kleinigkeiten.“

...wie sehr in die Verletzung behinderte: "Das ist wurscht, ich weiß ja nicht, was die anderen teilweise haben und die sudern auch nicht. Aber ich habe es heute und gestern nicht verheimlichen können."

...den Fehlgriff beim Material: „Das Training am Donnerstag war nicht sonderlich gut, deshalb haben wir in der Früh vor dem Rennen noch etwas probiert. Die Zeichen waren nich die besten, deshalb mussten wir riskieren. Da kann es schon einmal passieren, dass man nicht den perfekten Ski erwischt. Aber das ist nicht nennenswert, weil bei 101 Weltcup-Rennen haben wir uns keine fünf Mal vertan.“
 

 

...Dreifach-Weltmeister Ted Ligety: „Ich habe schon im Training in Haus gesehen, dass er der Mann ist, den es zu schlagen gilt. Ich kann ihm nicht böse sein, dass er so gut gefahren ist. Vielmehr ziehe ich den Hut vor ihm.“
 

...den Traum von Gold: „Die Goldene war nach dem ersten Durchgang schon vergeben. Da hätte Ligety schon ausfallen müssen. Einmal war er knapp dran, das hat ihn auch viel Zeit gekostet. Aber es hätte noch einen zweiten schweren Fehler gebraucht.“

...den Gewinn der Silbermedaille: „Ich habe gehofft, das ich noch Silber holen und von Bronze noch einen Platz nach vorne springen kann. Ich habe meine Leistung gebracht, auch wenn es nicht leicht war. Aber deshalb glänzt diese Silberne für mich wie Gold. Ich freue mich irrsinnig über diese Medaille!“
 

...die öffentliche Erwartungshaltung: „In Österreich hat der Skisport eine enorme Bedeutung, die ganze Nation wollte mich siegen sehen. Es ist schön, wenn man diese Erwartungshaltung dann erfüllen kann und die Fans nicht enttäuscht. Aber teilweise ist es schon extrem.“
 

...sein Problem mit diversen Schlagzeilen: „Ich verstehe jeden Journalisten, der die Erwartungshaltung so schreibt, wie er es sich denkt. Ich hoffe im Fußball ja auch darauf, dass Österreich in der WM-Qualifikation gewinnt. Oder dass Matthias Walkner MX3-Weltmeister wird und habe geflucht und geschimpft, wenn er einen Patsch'n gehabt hat. Ich bin so ein Mensch, ich denke mir: Wäre cool, wenn ich zwei Medaillen hole. Deshalb kann ich mit Schlagzeilen wie 'Marcel muss uns retten!' oder 'So holt Hirscher drei Mal Gold!' nicht viel anfangen.“
 

...den Slalom am Sonntag: „Der große Druck ist weg, eigentlich kann ich den Slalom befreit fahren. Ich freue mich auch schon darauf, denn die Piste ist in einem Top-Zustand. Aber die Spannung wird sich natürlich wieder aufbauen mit Training und Startnummernauslosung. Hoffentlich kann ich diesmal besser schlafen.“

 

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

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