Bügeln als Erfolgsgeheimnis

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Mit Wäsche waschen den Kopf wieder frei bekommen

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Drei Mal hat es Anna Fenninger bei der Ski-Weltmeisterschaft in Schladming probiert, drei Mal ist nichts passiert.

Im Super-G ließ sich die Salzburgerin von den vielen Verschiebungen aus dem Konzept bringen und fuhr an einem Tor vorbei.

In der Super-Kombi fädelte sie nach Halbzeitführung im Slalom ein. Und in der Abfahrt fand sich die Favoritin in der Ergebnisliste nur auf Rang 11 wieder.

Danach zog die 23-Jährige die Reißleine und reiste ab, nach Hause, um den Kopf frei zu bekommen.

Zum Riesentorlauf, ihrer in diesem Winter stärksten Disziplin, war Fenninger zurück – und holte Bronze.

Bei LAOLA1 spricht die Bronze-Gewinnerin über ihre Gefühlswelt vor und nach dem Rennen, über den Reset-Button und über ihre letztlich unbegründete Angst vor Blech.


LAOLA1:
 Wie groß ist die Erleichterung, dass es im letzten Rennen doch noch mit der Medaille geklappt hat?

Anna Fenninger: Sehr groß, denn es war eine extrem schwierige WM für mich. Irgendwie habe ich auch schon nicht mehr an die Medaille geglaubt, aber in der Früh habe ich gespürt: Es ist noch etwas möglich. Und dann hatte ich noch einmal richtig Spaß am Skifahren und das war auch die Lösung.

LAOLA1: Hatten Sie denn bei ihren ersten drei WM-Starts keinen Spaß am Skifahren?

Fenninger: Die erste Woche war richtig hart für mich. Es gab so viel zu tun, mit Medien, mit Fans, das ganze Drumherum. Und dann musste ich ja auch noch trainieren. Ich hatte überhaupt keine Zeit für mich. Und mit jedem Rennen ohne Medaille ist der Druck weiter gestiegen. Deshalb habe ich auch den Reset-Button betätigt.

LAOLA1: Sie sind nach Hause gefahren?

Fenninger: Genau. Es war wichtig für mich, von der Weltmeisterschaft wegzukommen und ein bisschen Abstand zu gewinnen. Obwohl ich versucht habe, die Rennen möglichst schnell abzuhaken, weil darüber nachdenken kostet nur Energie. Aber das Heimfahren hat mir enorm geholfen.

LAOLA1: Wie kann man sich das vorstellen?

Fenninger (schmunzelt): Ach, ich habe ganz normale Dinge gemacht. Wäsche gewaschen, gebügelt, was man eben daheim so macht. Aber ich habe mir auch die Rennen im Fernsehen angeschaut, weil es mich ja doch interessiert.

LAOLA1: Sie haben eingangs erwähnt, dass sich vor dem Rennen dieses Es-geht-noch-was-Gefühl eingestellt hat. Offenbar haben Sie die Enttäuschungen gut weggesteckt?

Fenninger: Natürlich bin ich nach Schladming gekommen, um Medaillen zu gewinnen. Aber nicht am letzten Drücker. In den ersten drei Rennen ist es mir einfach nicht gelungen, die Erwartungen wegzuschalten. Da wollte ich es zu sehr erzwingen.

LAOLA1: Und im Riesentorlauf?

Fenninger: Ich bin einfach gefahren, was ich konnte. Das hat mich schnell gemacht. Vor dem zweiten Durchgang habe ich zu meinem Servicemann gesagt, dass ich noch einmal alles reinlege, alles gebe, was in mir drinsteckt. Und so war es dann auch.

LAOLA1: Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als dann im Ziel der Zweier aufgeleuchtet ist?

Fenninger: Mein erster Gedanke war: Blech, denn es waren ja noch zwei Läuferinnen oben. Dann habe ich gesehen, dass nur sechs Hundertstel fehlen. Die waren im zweiten Moment natürlich auch ein Ärgernis. Aber im Grunde brauche ich mich nicht ärgern, denn ich habe meine Medaille und bin happy.

LAOLA1: Oft hört man, dass Weltmeisterschaften eigene Gesetze haben, aber dieses Riesentorlauf-Ergebnis spiegelt schon irgendwo die Saison wieder, oder?

Fenninger: Ja, die Besten sind vorne. Ich war in den letzten drei Riesentorläufen immer am Stockerl, das konnte ich bestätigen. Auf Maze hat nicht viel gefehlt, aber Tessa war in ihrer eigenen Liga. Sie war für mich nicht zu erreichen.

LAOLA1: Was nehmen Sie neben Bronze noch von dieser Weltmeisterschaft mit?

Fenninger: Ich habe hier in Schladming wieder viel gelernt. Über mich, aber auch für meine weitere Karriere. In Garmisch bin ich ohne Druck gefahren, konnte mich nur auf meine Rennen konzentrieren. Das war diesmal viel schwieriger.

LAOLA1: Ihr Freund, Snowboarder Manuel Veith, weilt zur Zeit in Sotschi bei der Olympia-Generalprobe. Wie werden Sie feiern?

Fenninger: Mit meinem engsten Umfeld. Wir haben alle hart für diese Medaille gearbeitet und gekämpft. Ich freue mich aber auch, meine Familie wiederzusehen, denn das in letzter Zeit nicht so oft der Fall. Dann freue ich mich auf ein paar ruhige Tage daheim, um Kraft zu tanken für die nächsten Weltcup-Rennen. Weil es geht ja schon bald wieder weiter.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

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