Drei Mal Gold: Die Ski-WM hat ihren Superstar

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Ted Ligety hat es schon wieder getan. Gold gewonnen nämlich, zum bereits dritten Mal hier in Schladming.

„Das ist die beste Woche meines Lebens! Wenn mir das jemand so prognostiziert hätte, ich hätte ihn für verrückt gehalten.“

Drei Mal Gold bei einer Weltmeisterschaft, das war zuletzt Jean-Claude Killy in Grenoble 1968 gelungen.

Anders als seine WM-Titel in Super-G und Super-Kombi war die Titelverteidigung im Riesentorlauf – übrigens die erste bei dieser Weltmeisterschaft und die erste im Riesentorlauf seit Rudi Nierlich 1989 und 1991 - keine wirkliche Überraschung.

Denn der „Mr. Giant-Slalom“ hat in diesem Winter vier von fünf Rennen in der Mutter aller Alpin-Disziplinen gewonnen, teilweise mit Rekord-Vorsprung.

Denkaufgabe für Konkurrenz

Gleich beim Weltcup-Auftakt in Sölden deklassierte er die Konkurrenz in einer Art, wie sie nur selten zu sehen war seit Einführung der Carving-Skier.

„Ted gibt uns zu denken, jetzt heißt es recherchieren, analysieren und forschen“, konnte sich Marcel Hirscher bei 3,12 Sekunden Rückstand damals nicht so recht über seinen dritten Platz freuen.

Denn es war nicht unbedingt das neue, von Ligety im Zuge der FIS-Reform scharf kritisierte Material, das den Riesenunterschied ausmachte.

Sondern die Art und Weise wie Ligety den neuen Ski fuhr und nach wie vor fährt.

Runder Schwung, schnell ums Eck

Der US-Amerikaner knallt nicht mehr voll zu den Toren hin, wie das noch im letzten Winter der Fall war. Nein, er fährt rund und setzt den Schwung sehr früh an, um ihn dann voll auf der Kante durchzuziehen.

"Er hat unglaublich viel Geduld, setzt den Schwung extrem früh an und lässt ihn dann ohne Stress perfekt laufen", analysierte Hans Knauß.

Anders als bei seinen ersten beiden WM-Titeln riskierte Ligety in seiner Parade-Disziplin wenig.

„Das war ein ganz normaler Arbeitstag, ohne verrücktes Risiko“, strahlte er nach dem Gold-Hattrick von einem Ohr zum anderen.

Schnelle Umgewöhnung

Hirscher-Trainer Mike Pircher hatte es bereits befürchtet, dass Ligety trotz Mammut-Programm zwei Trainingstage reichen, um für den Riesentorlauf in Form zu kommen.

Das gemeinsame Training am Donnerstag am Hauser Kaibling bestätigte diese Annahme.

„Ted kann sich einfach extrem schnell auf den Riesentorlauf einstellen, da braucht er nur ein, zwei Tage“, sagte Pircher im Vorfeld zu LAOLA1.

Ausnahmezustand rundherum

Die Konkurrenz, und da allen voran Hirscher, ist im Laufe der Saison näher gekommen. Aber 81 Hundertstel Vorsprung, nach einem Sicherheitslauf im Finale, sind immer noch eine kleine Welt.

So blieb er auch cool, als nach der Fahrt seines schärfsten Rivalen am Start oben alle verrückt spielten.

„Ich habe gewusst, dass Marcel vorne ist. Aber ich hatte 1,3 Sekunden Vorsprung“, blieb er trotz der Aufregung rundherum genauso entspannt, wie er sich auch sonst präsentiert.

Wenn er zum Beispiel in kurzer Hose bei einem Sponsor-Termin auftaucht, oder im tief verschneiten Levi die Flip-Flops ausführt. „Ich habe gewusst, dass ich mir mit meinem Vorsprung auch den einen oder anderen Fehler erlauben kann.“

Der ganz normale Wahnsinn

Ein, zwei Unsicherheiten waren dann auch dabei, weshalb der Blondschopf eine halbe Sekunde auf Hirscher einbüßte. Aufgrund der erschwerten Bedingungen mit wenig Licht und schlechter Sicht sei es schwierig gewesen, noch einmal ans Limit zu gehen.

„Es war eine Ich war überglücklich, als ich im Ziel den grünen Einser gesehen habe. Es ist einfach unglaublich, dass ich mit drei Goldenen heimfahre, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.“

Auf der Tribüne lagen sich der Ötztaler Patrick Riml in seiner Funktion als Sportdirektor im US-Team, Ligety-Freundin Mia und seine Trainer in den Armen und jubelten.

„Ted ist ein Ausnahme-Athlet, es ist immer wieder fantastisch, wie er gerade bei Großereignissen sein Potential voll ausschöpfen kann.“

Vom Vorläufer zum Millionär

Schaut man sich die Karriere von Theodore Sharp Ligety an, so fällt schnell auf, dass sie amerikanischer nicht sein könnte, nämlich vom Vorläufer zum Millionär.

Bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City schnupperte er das erste Mal Großereignis-Luft. Damals hatte er sich freiwillig als Vorläufer für den Slalom gemeldet, ein Jahr später schaffte er den Sprung ins Development Team und wurde speziell gefördert.

Die ersten Erfolge stellten sich bald ein, aber der große Coup gelang ihm bei den Olympischen Spielen 2006, als er Gold in der Kombination gewann. Ohne in dieser Disziplin vorher auch nur in die Nähe des Podests gefahren zu sein. Diese Geschichte wiederholte sich in Schladming in der Super-Kombi.

Gesamt-Weltcup als Ziel

Kurze Zeit später feierte er den ersten von bislang 15 Weltcup-Siegen. Kurios: Ligety, der sich selbst am liebsten in der Rolle des Allrounders sieht, jubelte auf Weltcup-Ebene bislang ausschließlich im Riesentorlauf.

Drei Mal hat er in seiner Pardade-Disziplin auch schon die kleine Kugel gewonnen, das große Ziel bleibt aber der Gesamt-Weltcup.

„Ich habe in meiner Karriere schon sehr viel erreicht, aber eines Tages möchte ich auch die große Kugel gewinnen, denn die ist der ultimative Preis in unserem Sport.“

Erfolgreich als Unternehmer

Aber auch ohne Gesamt-Weltcup ist Ted Ligety gut im Ski-Geschäft, nämlich in seiner zweiten Rolle als Unternehmer.

Nach den Olympischen Spielen 2006 gründete er eine Firma namens „Shred Optics“, die heute Helme, Ski- und Sonnenbrillen produziert. Inzwischen hat er auch „Slytec“ aus der Taufe gehoben, dahinter verbirgt sich ein Unternehmen, das Protektoren für Rennläufer und Freerider herstellt.

Neben dem Chef himself sind unter anderem auch Veronika Velez-Zuzulova oder Alexis Pinturault Teil des Werksteams. Der beste Werbeträger in Europa ist natürlich das in Schladming dreifach vergoldete Aushängeschild.

Aber es sind vor allem die USA, wo die bunten Produkte mit den lustigen Namen – zum Beispiel das Helm-Modell „Toupet“ - reißenden Absatz finden.

Obwohl man Ted Ligety daheim kaum kennt, egal wie oft er es noch macht.

 

 

Stephan Schwabl

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