Im Kopf zu WM-Gold

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Mandl: "Bei einer WM darfst du nicht blockiert sein!"

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Gold in der Abfahrt. Gold im Super-G. Gold in der Super-Kombi. Gold im Slalom.
 
Die ÖSV-Damen fuhren bei den letzten Titelkämpfen wie im Goldrausch, präsentierten sich auf den Punkt in exzellenter Verfassung.
 
Nie zuvor waren die ÖSV-Damen so erfolgreich wie in Garmisch-Partenkirchen.
 
Damit haben sich Doppel-Weltmeisterin Elisabeth Görgl und ihre schnellen Teamkolleginnen die Latte für Schladming 2013 entsprechend hoch gelegt.
 
Schmale Schultern, großer Druck
 
Damen-Chef Herbert Mandl hofft, dass wie vor zwei Jahren nach durchwachsenen Auftritten im Vorfeld der WM, beim Großereignis der Knoten platzt.
 
„Ich erwarte mir in jeder Disziplin eine Medaille!“ Nachsatz: „Aber es müssen nicht alle in Gold sein.“
 
Der Druck ist auf den Schultern seiner Mädels ist groß, das weiß Mandl, und auch, dass er selbigen mit solchen Aussagen noch steigert.
 
Der Kopf gewinnt Rennen
 
Natürlich war der (Erfolgs-)Druck einer Heim-Weltmeisterschaft auch Inhalt zahlloser Gespräche zwischen Damen-Chef, Trainerteam und Läuferinnen.
 
„Wir haben versucht, die Erwartungshaltung auf verschiedene Arten niedrig zu halten. Gerade bei einer WM ist es wichtig, dass du nicht im Kopf blockiert bist.“
 
Denn, schickt Mandl nach, es ist vor allem der Kopf, der Rennen und also Medaillen gewinnt, und nicht der Körper. „In diesem Bereich haben die Top-Läuferinnen alle ihre Hausaufgaben gemacht.“
 
Empfehlen und vermitteln
 
Auch im österreichischen Ski-Verband hat man die Zeichen der Zeit erkannt und bietet den Läuferinnen und Läufern psychologische Hilfe an.
 
„Nicht auf breiter Basis, aber wir empfehlen und vermitteln gewisse Leute aus unserem Sportpsychologen-Pool. Das kann jedoch immer nur individuell passieren, nie in der Gruppe“, erklärt Mandl, der es seinen Läuferinnen offen lässt, wie sie mit dem sensiblen Thema Kopf-Training umgehen.
 
Heute, sagt der Niederösterreicher, seien es aber deutliche mehr Läuferinnen als früher, die sich Psychologen, Therapeuten und Mentaltrainern anvertrauen, um einerseits ihre Leistungen zu steigern und andererseits ihre Versagensängste zu verlieren.
 
„Es ist ein Erscheinungsbild unserer Zeit und Gesellschaft, dass alles mit psychologischer Unterstützung besser zu machen ist. Aber ich bin nicht der Meinung, dass dadurch alles besser wird.“
 
Hirscher und Fenninger verzichten
 
Die Deutsche Viktoria Rebensburg sagt zum Thema Siegermentalität: „Entweder man hat es, oder eben nicht.“
 
Marcel Hirscher verzichtet in seinem Winning-Team ebenfalls auf einen Mentaltrainer.

„Ich brauche keinen Guru, der mir sagt, dass ich positiv denken und an mich glauben muss. Das weiß ich selbst!“

 
Ähnlich sieht es Anna Fenninger, die Körper und Geist mit Freeskiern Sandra Lahnsteiner trainiert.
 
"Einreden kann man sich viel"
 
Aber es gibt auch die anderen Beispiele, wie „Lizz“ Görgl oder Marlies Schild, die seit vielen Jahren nicht nur am perfekten Schwung, sondern auch im mentalen Bereich arbeiten.
 
Michaela Kirchgasser fand mit Hilfe von Mentaltrainer Günter Spiesberger in die Erfolgsspur.
 
„Ich traue mir jetzt alles zu, weiß, was ich kann. Einreden kann man sich viel, aber es auch wirklich glauben, das ist der Unterschied“, sagte die Salzburgerin nach ihrem Slalom-Sieg in Kranjska Gora vor einem Jahr.
 
Kathrin Zettel vertraut auf Empfehlung von Paul Scharner auf die Erfahrung von Valentin Hobel.
 
Büchel ließ sich hypnotisieren
 
„Natürlich kann es helfen, nicht jedes Individium ist gleich. Manche nehmen die Unterstützung an und brauchen es auch“, so die Beobachtung von Herbert Mandl.
 
Der Liechtensteiner Marco Büchel setzte einst auf Hypnose, um seiner Nervosität Herr zu werden. „Im Training war ich immer schnell, im Wettkampf nicht mehr.“
 
Neun Jahre dauerte es, dann konnte sich „Büxi“ mit einem Wisch aller negativen Gedanken entledigen, verriet er einst.
 
Kein Zugang zum Team
 
So freie Hand man im ÖSV den Athletinnen und Athleten bei der Wahl ihres Mentalbetreuers lässt, so streng sind gleichzeitig die Regeln.
 
Wie bei Weltcup-Rennen auch haben die „Schattenmänner“ keinen Zugang zum Team-Hotel, auch bei den Rennen sind sie nicht in offizieller Funktion dabei.
 
Meist erfolgt die Betreuung über Telefon, Skype oder via E-Mail. Probleme gab es bislang keine, so Mandl.
 
„Wir greifen erst ein, wenn es offensichtlich störend erscheint. Aber sonst ist das Sache der Läuferin.“
 
 
 
Stephan Schwabl

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