Ski-Fans rätseln: Was hätte Marcel Hirscher geschafft?

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Daumen hoch! Nach dem Training auf der Reiteralm postete Marcel Hirscher ein Foto für seine mehr als 123.000 facebook-Fans.
 
„Gratuliere Ted“, schrieb der Salzburger dazu. Sein Gesichtsausdruck passte zur zweiten Textzeile.
 
„Diesen Lauf wäre ich auch gerne gefahren!“ Binnen einer Stunde bekam er dafür 7.500 Likes.
 
Maßgeschneidert für Hirscher
 
Das war für den 23-Jährigen aber genauso wenig Trost, wie die Einschätzung der rot-weiß-roten Ski-Experten – von Hans Knauß bis Franz Klammer -, die sich im Zielstadion allesamt einig waren.
 
Dieser Super-G war maßgeschneidert für den gefühlvollen Techniker Hirscher, der beim Weltcup-Finale im Vorjahr auf genau diesem Hang in seinem erst vierten Super-G sensationell Dritter wurde.
 
Damals sorgte er mit seinem Husarenritt im Kugel-Duell mit dem Schweizer Beat Feuz für die (Vor-)Entscheidung.
 
Via iPhone live dabei
 
Beim WM-Auftakt der Herren war Hirscher nur via Smartphone dabei – zwischen seinen insgesamt fünf Trainingsläufen bei „bescheidenen Bedingungen“ nur einen Berg weiter.
 
Am iPhone verfolgte er die ersten Läufer und zunächst via Live-Ticker der FIS und die Entscheidung dann per Live-Stream.
 
Dass ausgerechnet der „Mr. Giant Slalom“, beim Weltcup-Finale immerhin 10., den Speed-Spezialisten auf der Planai die Show stahl, – es war sein erster Super-G-Sieg überhaupt.
 
"Ein Kurs für Riesentorläufer"
 
Hirscher war schon nach den ersten Läufern klar, dass die Techniker klar im Vorteil sind. Ähnlich sahen es auch die vier vom ÖSV nominierten Läufer.
 
„Die Kurssetzung ist Riesentorläufern eher entgegengekommen“, war dem „blechernen“ Hannes Reichelt schon nach der Besichtigung klar, dass Techniker wie Ligety hier runter eine Rolle spielen können.
 
Romed Baumann und Georg Streitberger sahen es ähnlich. „Überraschung war es sicher keine!“
 
Keine gute Startnummer
 
Aber welche Chancen hätte Hirscher wirklich gehabt? In Beaver Creek fuhr er beim einzigen Super-G-Auftritt in diesem Winter – natürlich unter ganz anderen Voraussetzungen – hinterher.

Sein Antreten hatte damals für Diskussionen gesorgt, nachdem er sich einen Start bis nach der Besichtigung offen lassen wollte, um die Kurssetzung abzuwarten.

Herren-Chef Mathias Berthold schob dem aber einen Riegel vor. „Das spielt es natürlich nicht! Wenn Marcel auf der Tafel steht, dann fährt er auch!“

Weil Beaver Creek sein einziger Start blieb, hätte er bei der Weltmeisterschaft mit Nummer 31 an den Start gehen müssen, da er in der WCSL nur auf Rang 44 liegt.

Das hätte die „Mission Medaille“ bei den vorherrschenden Bedingungen zumindest nicht leichter gemacht.

Mit Medaille keine Diskussion

Die vier Nominierten wollten nach dem Rennen nicht über die möglichen Medaillen-Chancen des Teamkollegen spekulieren.

Ein offizielles Statement gab es nur von ÖSV-Sportdirektor Hans Pum, der angesprochen auf das Thema Hirscher meinte: „Marcel hat hier schon gezeigt, dass er im Super-G schnell fahren kann. Im Nachhinein ist man immer g'scheiter. Aber es hat alle gewundert, dass der Kurs so technisch gesetzt war.“

Klar ist: Mit vier Läufern in den Top-Ten braucht sich der ÖSV nicht verstecken, noch dazu da die Medaillen zumindest für Reichelt und Matthias Mayer in Griffweite waren.

Deshalb stellte sich Pum auch schützend vor das Quartett: „Wir haben ein Team, mit dem man in jedem Bewerb um eine Medaille mitfahren kann, das haben wir auch im Super-G gezeigt. Aber natürlich hätten wir diese Diskussion jetzt nicht, wenn wir schon eine Medaille hätten.“

Stärken stärken, Akkus laden

Marcel Hirscher rauschte nach dem Training jedenfalls heim nach Annaberg.

Zuvor traf er noch die Entscheidung, dass die Super-Kombi kein Thema für ihn ist. Stattdessen konzentriert er sich darauf, seine Stärken, nämlich Riesentorlauf und Slalom, weiter zu stärken.

Außerdem wird er versuchen, nach intensiven Tagen und Wochen etwas zur Ruhe zu kommen und die Akkus wieder voll aufzuladen.

 

Stephan Schwabl/Peter Rietzler

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