Die Nebengeräusche abgestellt

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Wenn die Nebengeräusche zu laut sind

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Dass der letzte Versuch von Anna Fenninger, von der Heim-WM in Schladming doch noch mit einer Medaille heimzufahren, von Erfolg gekrönt war, hat auch Herbert Mandl durchschnaufen lassen.

"Speziell für sie selbst war das eine ganz wichtige Sache. Mit dem Können und dem Selbstbewusstsein, mit dem Anna in die Rennen gegangen ist, wäre es ganz, ganz bitter gewesen, mit null auszusteigen", sagte der ÖSV-Damen-Cheftrainer.

Noch lernen muss die Riesentorlauf-Bronzemedaillengewinner, mit den Nebengeräuschen des Leistungssports besser umzugehen.

Denkbar schlechter Start

Die WM hatte für Fenninger mit der im Viertelstundentakt-Verschiebung des Super-G um insgesamt dreieinhalb Stunden denkbar schlecht begonnen, sie hielt der nervlichen Belastung nicht stand und schied aus.

Nach einer schnellen Kombiabfahrt folgte ein Einfädler im Slalom, Platz elf in der Spezialabfahrt bei schlechten Sichtverhältnissen war ein schwacher Trost.

Die Adneterin fuhr nach Hause, versuchte abzuschalten und den Reset-Knopf zu finden. Auch ein langes Telefonat mit ihrem in Russland weilenden Freund habe geholfen, wieder zu sich zu finden.

"Nicht gewohnt"

"Die erste Woche war sehr hart, zu viel zu tun mit den Medien, Fans, Training. Der ganze Tag war durchgeplant. Da war nicht viel Zeit für einen selbst, das ist man nicht gewöhnt", erzählte Fenninger, was ihr Schwierigkeiten bereitete und sich doch deutlich vom normalen Weltcup-Geschäft unterschied.

"Das ist eine Sache, die Anna absolut lernen muss. Wenn sie im Leistungssport erfolgreich bestehen will, muss sie das über sich ergehen lassen. Das ist ein wichtiger Lern- und Reifeprozess, denn sonst kannst du nicht bestehen", ist Mandl überzeugt.

Er denke nicht, dass es "übernatürlich viel" war, was auf Fenninger zugekommen sei.

"Wir haben die Termine der Läuferinnen sehr gut koordiniert und sie abgeschirmt. Ich denke, dass das überhaupt nicht dramatisch war, wenn man vergleicht, was ein Hermann Maier oder ein Marcel Hirscher aushalten muss in dieser Beziehung", sagte Mandl.

Eine große Genugtuung

Die ÖSV-Mannschaft wohnt abgeschieden zehn Autominuten von Schladming entfernt, der Trainingshang Reiteralm ist gleich ums Eck.

Viele der Medientermine fanden im Hotel statt, der Weg nach Schladming blieb den Athleten und Athletinnen für diverse Verpflichtungen abseits der Rennen aber freilich nicht erspart.

Fenninger freute sich nicht nur für sich, sondern auch für ihr Umfeld, das den Medaillengewinn erleichtert aufnahm.

"Alle, die mit mir gearbeitet haben, haben mich immer wieder aufgebaut. Alle sind so extrem hinter mir gestanden." Nach den Enttäuschungen blieb die Hoffnung, dass es doch noch klappen könnte. "Jetzt ist es eine Genugtuung und einfach nur schön."

Der Druck ist weg

Und jetzt kann sie die restliche WM auch genießen. "Ich hatte mir das vorgenommen. Das ist mir am Anfang schwer gefallen. Aber jetzt will ich jede Minute auskosten."

Ob eine WM außerhalb von Österreich leichter zu handhaben sei? "Das will ich nicht sagen. Daheim ist einfach etwas Unglaubliches, das kann nicht jeder erleben. Eine WM-Medaille zu erreichen ist immer schwierig. Egal wo. Rennfahrerisch ist es aber vielleicht woanders leichter", sagte Fenninger.

2015 finden die Weltmeisterschaften in Vail/Beaver Creek statt und damit weit weg von der Heimat.

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